Entgelttransparenz: Deutschland verstößt seit 8. Juni gegen EU-Recht
09.06.2026 - 23:32:40 | boerse-global.de
Seit dem 8. Juni 2026 verstößt Deutschland gegen EU-Recht. Die im Jahr 2023 beschlossene Entgelttransparenzrichtlinie wurde nicht fristgerecht umgesetzt. Die EU-Kommission kann nun rechtliche Schritte einleiten.
Was die Richtlinie vorsieht
Beschäftigte sollen künftig erfragen dürfen, was ihre Kollegen verdienen. Unternehmen ab 100 Mitarbeitern müssen Berichtspflichten erfüllen. Die Frage nach dem bisherigen Gehalt in Vorstellungsgesprächen soll verboten werden.
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Familienministerin Karin Prien (CDU) will die Vorgaben bis Anfang 2027 umsetzen. Sie verspricht eine bürokratiearme Gestaltung. Erste Berichtspflichten für Unternehmen sind für 2028 vorgesehen.
Gender Pay Gap: Deutschland liegt weit zurück
Der Gender Pay Gap liegt in Deutschland bei 15,6 Prozent. Der EU-Durchschnitt beträgt nur 11,1 Prozent. Die neue Richtlinie soll diese Lücke schließen helfen.
6,3 Millionen Menschen im Niedriglohnsektor
Im April 2025 arbeiteten rund 6,3 Millionen Menschen im Niedriglohnsektor. Das sind 16 Prozent aller Arbeitnehmer. Die Niedriglohnschwelle liegt derzeit bei 14,32 Euro pro Stunde.
Seit Einführung des Mindestlohns 2015 hat sich vor allem in Ostdeutschland viel getan. Dort sank der Anteil der Niedriglohnjobs von 35 Prozent (2014) auf 18 Prozent (2024).
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Der aktuellen Mindestlohn beträgt 13,90 Euro. Bis 2027 soll er auf 14,60 Euro steigen. In der Gebäudereinigung gilt seit Januar 2026 ein branchenspezifischer Mindestlohn von 15 Euro.
Tarifbindung bröckelt
Die Tarifbindung ist seit den 1990er-Jahren massiv gesunken. Lag sie damals bei 90 Prozent, sind es heute unter 50 Prozent. Das schwächt die Verhandlungsposition vieler Beschäftigter.
Steuerentlastung für Geringverdiener in Aussicht
Die Armutsquote liegt bei 16,1 Prozent. Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) stellt eine Einkommensteuerreform in Aussicht. Sie soll zum 1. Januar 2027 in Kraft treten und mindestens 500 Euro Entlastung pro Jahr bringen.
Die Produktivitätsdebatte
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) kritisiert die hohen Arbeitskosten in Deutschland. Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) – der „Handwerkskompass 2026“ – zeigt jedoch: Besser zahlende Betriebe arbeiten oft produktiver.
Ökonom Christian Dustmann (UCL) gibt zu bedenken: Höhere Löhne sind meist die Folge höherer Produktivität, nicht umgekehrt. Laut OECD entfallen in Deutschland 48 Prozent der Arbeitskosten auf Steuern und Abgaben.
Pflege: Höhere Löhne, höhere Kosten
Das Pflegelohngesetz von 2022 zeigt Wirkung. Die Gehälter stiegen in der Langzeitpflege nominal um 17 bis 22 Prozent. Fachkräfte in der ambulanten Pflege verdienen durchschnittlich 23,60 Euro pro Stunde, pflegehelfer bis zu 18,80 Euro.
Die Kehrseite: Heimbewohner zahlen drauf. Die Pflegesätze stiegen zwischen 2022 und 2024 um 24 Prozent. Der monatliche Eigenanteil liegt im Schnitt bei rund 2.870 Euro.
Das Gesundheitsministerium unter Staatssekretärin Warken (CDU) plant, die Tariftreuevorgaben bis Ende 2030 auszusetzen. Gutachter raten davon ab.
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