Entgelttransparenz-Gesetz, Arbeitgeber

Entgelttransparenz-Gesetz: Arbeitgeber müssen Gehaltsspannen offenlegen

20.06.2026 - 11:11:27 | boerse-global.de

Die Bundesregierung verzögert die nationale Umsetzung der EU-Transparenzrichtlinie, was Sanktionen riskiert. Neue Regeln für Gehaltsangaben und Auskunftsansprüche kommen auf Unternehmen zu.

EU-Entgelttransparenz: Deutschland droht Verzug bei Umsetzung
Entgelttransparenz-Gesetz - Eine Gruppe von Geschäftsleuten betrachtet einen digitalen Bildschirm mit Gehaltsdaten, der Transparenz und Diskussion symbolisiert. 20.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Seit dem 7. Juni 2026 ist die europäische Vorgabe verbindlich – ein nationales Gesetz wird aber wohl erst Anfang 2027 in Kraft treten.

Verzug mit Folgen

Die EU-Richtlinie (2023/970) soll den Gender Pay Gap schließen. Bundesfamilienministerin Karin Prien bestätigte die Verzögerung. Ein Kabinettsbeschluss sei für Ende Juni 2026 geplant, das vollständige Gesetzgebungsverfahren dürfte sich bis 2027 ziehen.

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Deutschland riskiert damit ein Vertragsverletzungsverfahren samt finanzieller Sanktionen. Prien bezeichnete die Richtlinie als bürokratisch und strebt Nachverhandlungen an. Für öffentliche Arbeitgeber gelten die Regeln bereits seit dem 8. Juni unmittelbar. Der unbereinigte Gender Pay Gap lag 2025 bei 16 Prozent, der bereinigte bei 6 Prozent.

Das kommt auf Unternehmen zu

Sobald das Gesetz greift, müssen Arbeitgeber in Stellenanzeigen oder vor dem ersten Vorstellungsgespräch eine Gehaltsspanne nennen. Die Frage nach dem bisherigen Verdienst wird unzulässig. Beschäftigte erhalten einen Auskunftsanspruch über das durchschnittliche Entgelt vergleichbarer Kollegen – aggregiert und anonymisiert.

Neu ist auch die Beweislastumkehr: Bei Lohndiskriminierungsvorwürfen müssen künftig Arbeitgeber nachweisen, dass alles mit rechten Dingen zuging. Unternehmen ab 250 Mitarbeitern müssen jährlich berichten. Liegt die Lohnlücke innerhalb einer Funktionsgruppe über 5 Prozent, sind Korrekturmaßnahmen nötig. Verschwiegenheitsklauseln über das eigene Gehalt werden verboten.

Belegschaft will mehr Offenheit

Eine globale Mercer-Umfrage vom 20. Juni zeigt: 57 Prozent der Beschäftigten in der Schweiz fordern mehr Lohntransparenz, bei Stellensuchenden sind es 63 Prozent. Während sich 60 Prozent der Schweizer Firmen gut vorbereitet fühlen, planen 36 Prozent keine proaktive Veröffentlichung von Gehaltsdaten – deutlich über dem EU-Schnitt von 27 Prozent.

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In Deutschland ist die Praxis noch wenig verbreitet. Laut Index-Research enthielten im ersten Quartal 2026 nur 23 Prozent der Stellenanzeigen konkrete Gehaltsangaben. Am transparentesten zeigten sich Transport, Logistik und Minijobs. Im Marketing und Projektmanagement waren es gerade 14 Prozent.

Tarifkonflikte und Gehaltsentwicklung

Parallel zur Transparenzdebatte eskalieren die Lohnkonflikte. Am 19. Juni kam es zu großflächigen Warnstreiks im Handel, betroffen waren unter anderem 31 Ikea-Filialen. Verdi fordert für die rund 5,2 Millionen Beschäftigten 7 Prozent mehr bei zwölf Monaten Laufzeit. Die Arbeitgeber boten stufenweise 3,5 Prozent bei 24 Monaten – abgelehnt.

Stabiler zeigt sich die Chemie- und Pharmaindustrie. Dort stiegen die Fixgehälter für außertarifliche Angestellte 2025 um durchschnittlich 4,2 Prozent, die Boni legten um 20 Prozent zu. Laut der Gehaltsübersicht 2026 von Robert Half bleiben hochspezialisierte Fachkräfte in einer starken Verhandlungsposition. IT-Consultants erzielen Jahresgehälter von über 100.000 Euro, KI-Entwickler liegen bei rund 92.000 Euro.

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