Entgelttransparenz, Pflichten

Entgelttransparenz: Neue Pflichten für 100+ Beschäftigte ab 7. Juni

01.06.2026 - 22:49:14 | boerse-global.de

Zahlreiche gesetzliche Fristen und die EU-Entgelttransparenzrichtlinie setzen HR-Abteilungen im Juni 2026 unter Druck.

Entgelttransparenz: Neue Pflichten für 100+ Beschäftigte ab 7. Juni - Bild: über boerse-global.de
Entgelttransparenz: Neue Pflichten für 100+ Beschäftigte ab 7. Juni - Bild: über boerse-global.de

Gleich mehrere gesetzliche Fristen und Software-Neueinführungen zwingen Unternehmen zum Handeln. Im Zentrum steht die EU-Entgelttransparenzrichtlinie, deren nationale Umsetzung bis zum 7. Juni erfolgen muss – obwohl ein formeller Gesetzesentwurf der Bundesregierung noch aussteht.

Anzeige

Das neue Nachweisgesetz und die kommenden Transparenzregeln verändern die Anforderungen an Ihre Mitarbeiterverträge grundlegend. Dieser kostenlose Ratgeber hilft Ihnen, Ihre Dokumente rechtssicher zu gestalten und teure Bußgelder von bis zu 2.000 € zu vermeiden. 19 sofort einsetzbare Muster-Formulierungen für Arbeitsverträge sichern

EU-Richtlinie: Was auf Arbeitgeber zukommt

Die neuen Regeln sind weitreichend. Unternehmen mit mindestens 100 Beschäftigten müssen ihren Mitarbeitern künftig ein Auskunftsrecht über die Gehaltsstrukturen einräumen. Die Praxis, Bewerber nach ihrem bisherigen Gehalt zu fragen, wird verboten. Zudem müssen Stellenanzeigen künftig konkrete Gehaltsspannen enthalten.

Besonders brisant: Die Beweislast wird umgekehrt. Künftig müssen Arbeitgeber nachweisen, dass keine Verstöße gegen den Grundsatz gleicher Bezahlung vorliegen – nicht mehr die Beschäftigten. „Das wird die Personalabteilungen massiv fordern", kommentieren Experten die Lage. Viele Unternehmen dürften gezwungen sein, ihre digitalen Personalakten und Analyse-Tools aufzurüsten, um Gehaltsstrukturen lückenlos dokumentieren zu können.

Neue Konkurrenz am HR-Software-Markt

Während die Compliance-Anforderungen steigen, diversifiziert sich der Markt für Personalverwaltungssysteme. Neben dem Platzhirsch Personio haben sich 2026 Alternativen wie Factorial, Kenjo, HeavenHR, HRworks und Sage HR etabliert. Sie decken Spezialgebiete wie Lohnabrechnung, Schichtplanung und branchenspezifische Anforderungen in der Produktion, im Gesundheitswesen und in der Gastronomie ab.

Ein besonderer Paukenschlag steht für den 9. Juni an: Die Open-Source-Suite Euro-Office kommt auf den Markt. Basierend auf OnlyOffice-Code bietet sie Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Präsentationssoftware – mit geplanten Schnittstellen zu Nextcloud und Ionos. Für Personalabteilungen eröffnet das neue Möglichkeiten, interne Dokumente und Personalakten in einer europäisch gehosteten Umgebung zu verwalten. Ein klarer Gegenentwurf zu den dominierenden US-Produkten.

Arbeitszeit und Mindestlöhne: Strengere Regeln in Sicht

Bundesarbeitsminister Heil hat angekündigt, noch im Juni 2026 einen Referentenentwurf zur Reform des Arbeitszeitgesetzes vorzulegen. Hintergrund ist das richtungsweisende Urteil des Bundesarbeitsgerichts vom 13. September 2022, das Arbeitgeber bereits heute zur vollständigen Arbeitszeiterfassung verpflichtet. Das neue Gesetz soll nun die technische Umsetzung dieser Pflicht konkret regeln.

Anzeige

Da die vollständige Arbeitszeiterfassung für alle Unternehmen bereits heute Pflicht ist, riskieren Betriebe ohne systematisches Vorgehen empfindliche Sanktionen. Mit diesem gratis E-Book und den enthaltenen Mustervorlagen setzen Sie die gesetzlichen Vorgaben in nur 10 Minuten rechtssicher um. Kostenlose Mustervorlage zur Arbeitszeiterfassung herunterladen

Zum 1. Juli steigen zudem die Pflegemindestlöhne: Je nach Qualifikationsstufe liegen die neuen Mindestsätze bei 16,52 Euro, 17,80 Euro oder 21,03 Euro pro Stunde. Am selben Datum wird das Bürgergeld in „Grundsicherungsgeld" umbenannt – der Regelsatz für Alleinstehende bleibt bei 563 Euro.

Cybersicherheit: Personalabteilungen in der Pflicht

Die Umsetzung der NIS2-Richtlinie durch das IT-Sicherheitsgesetz 3.0 (IT-SiG 3.0) erweitert den Kreis der betroffenen Unternehmen erheblich. Neu ist die Verpflichtung zum „Human Risk Management" – dazu gehören auch Hintergrundchecks als Teil der Unternehmenssicherheit. Bei Verstößen drohen Bußgelder von bis zu zehn Millionen Euro oder zwei Prozent des weltweiten Jahresumsatzes.

Digitalisierung schreitet voran

Auch in der Verwaltung tut sich einiges:
- Das Thüringer Verfassungsgericht stellt zum 1. Juli auf elektronische Akten und elektronische Rechtskommunikation um.
- Ein EU-Entwurf sieht vor, dass A1-Bescheinigungen für Geschäftsreisen unter drei Tagen innerhalb von 30 Tagen künftig entfallen könnten – außer im Baugewerbe. Die erste Lesung im EU-Parlament ist für den 6. Juli angesetzt.
- Die Umstellung auf den XKfz-6.0-Standard für die digitale Fahrzeugzulassung wurde auf den 1. September verschoben – Industrie und Verbände hatten Planungssicherheit und Kompatibilität angemahnt.

KI am Arbeitsmarkt: Ernüchternde Bilanz

Während die Digitalisierung die Personalarbeit umkrempelt, bleibt die Frage nach den Folgen von Künstlicher Intelligenz für den Arbeitsmarkt aktuell. Eine aktuelle Gartner-Studie zeigt: 80 Prozent der Unternehmen haben nach der Einführung von KI Personal abgebaut – doch häufig führte das nicht zu höheren Renditen. Eine Yale-Studie kommt zu dem Schluss, dass es seit dem Durchbruch generativer KI Ende 2022 keine systemische Verwerfung des Arbeitsmarktes gegeben hat. Allerdings: In einigen KI-exponierten Berufen sank die Beschäftigung um neun Prozent.

Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - trading-notes lesen ist besser!

Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - <b>trading-notes</b> lesen ist besser!
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlässliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
Für. Immer. Kostenlos.
de | wirtschaft | 69466764 |