BetriebsÀrzte, Opt-out

ePA-Zugriff: BetriebsÀrzte fordern Opt-out statt Zustimmungszwang

01.07.2026 - 03:15:15 | boerse-global.de

Arbeitsmediziner verlangen erweiterte Zugriffsrechte auf die elektronische Patientenakte. DatenschĂŒtzer warnen vor Vertrauensverlust bei BeschĂ€ftigten.

BetriebsÀrzte fordern Opt-out bei ePA-Zugriff: Datenschutzdebatte
BetriebsĂ€rzte - Nahaufnahme einer Hand, die ein Smartphone mit einer Gesundheits-App hĂ€lt, im Hintergrund verschwommenes BĂŒro oder medizinisches Umfeld. 01.07.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

BetriebsĂ€rzte fordern weitreichende Zugriffsrechte auf die elektronische Patientenakte (ePA) – doch DatenschĂŒtzer warnen.

Das geplante Gesetz fĂŒr Daten und digitale Innovation im Gesundheitswesen (GeDIG) steht im Zentrum einer hitzigen Debatte. Am 30. Juni 2026 bekrĂ€ftigten die Deutsche Gesellschaft fĂŒr Arbeitsmedizin und Umweltmedizin (DGAUM), der Bundesverband selbststĂ€ndiger Arbeitsmediziner (BsAfB) und der Verband Deutscher Betriebs- und PersonalĂ€rzte (VDBW) ihre Forderungen. Sie wollen eine Opt-out-Regelung beim ePA-Zugriff – statt der bisher geplanten Opt-in-Lösung.

Der Knackpunkt: Bisher mĂŒssen Patienten explizit zustimmen, damit BetriebsĂ€rzte ihre Daten einsehen dĂŒrfen. Die VerbĂ€nde fordern zudem eine VerlĂ€ngerung der Zugriffsdauer von drei auf 90 Tage. Auch der Umfang soll erweitert werden – auf arbeitsmedizinische Vorsorgedaten.

Datenschutz versus PrÀvention

Der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) schlĂ€gt Alarm. Ein automatisierter Zugriff könne das Vertrauen der Arbeitnehmer untergraben. Viele befĂŒrchten, dass sensible Gesundheitsdaten den Arbeitgeber erreichen.

Die DGAUM kontert mit einem klaren Argument: Die Ă€rztliche Schweigepflicht gelte auch fĂŒr Betriebsmediziner. Eine Entscheidung im Bundeskabinett wird fĂŒr Mitte Juli 2026 erwartet.

Psychische Erkrankungen als Treiber digitaler Lösungen

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Die Dringlichkeit des Themas unterstreichen aktuelle Gesundheitszahlen. Psychische Störungen verursachten 2024 ganze 16,7 Prozent aller ArbeitsunfĂ€higkeitstage. Noch gravierender: Mit 42 Prozent sind sie der hĂ€ufigste Grund fĂŒr Erwerbsminderungsrenten.

Eine Studie im Fachmagazin „Der Nervenarzt“ zeigt: Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGAs) werden vor allem therapiebegleitend oder zur ÜberbrĂŒckung von Wartezeiten genutzt. Doch es gibt HĂŒrden. Viele Behandler haben mangelnde Kenntnisse und wenig Vertrauen in die digitalen Produkte. Gefordert werden produktneutrale Informationen, um die Wirksamkeit voll auszuschöpfen.

Technische Innovationen auf dem Vormarsch

Parallel zur politischen Debatte treiben Forschung und Praxis die Digitalisierung voran. Das UniversitĂ€tsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) testet seit dem 30. Juni 2026 eine digitale Messkabine in der Notaufnahme. Das System „MedicubeX“ erfasst Vitalparameter eigenstĂ€ndig und ĂŒbertrĂ€gt die Daten direkt ins Krankenhausinformationssystem. Ziel: Entlastung des Personals bei der ErsteinschĂ€tzung.

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Mit 15 Millionen Euro gefördert startete das Projekt „Sensortech4health2030“. Partner wie Bosch Sensortec, die UniversitĂ€t des Saarlandes und das UniversitĂ€tsklinikum Freiburg entwickeln Assistenzsysteme. Gassensoren und KĂŒnstliche Intelligenz sollen Gesundheitsdaten zur PrĂ€vention erfassen.

Auch im Arbeitsschutz gibt es Neuerungen: Ein browserbasiertes System fĂŒr Dokumentation und Fristenmanagement soll die Digitalisierung von Unterweisungen vereinfachen. Laut Branchenanalysen planen rund 70 Prozent der Physiotherapie-Praxen einen weiteren digitalen Ausbau. Hybride Lösungen zwischen digitaler Anwendung und physischer Therapie gelten jedoch noch als ausbaufĂ€hig.

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