Gaza-GesprÀche vertagt - weiteres Treffen in Kairo geplant
Veröffentlicht am: 16.08.2024 um 17:56 Uhr | dpa.deEinen Durchbruch erzielten die Vermittler Ăgypten, Katar und USA mit Israel und der Hamas nicht, laut gemeinsamer Mitteilung waren die zweitĂ€gigen GesprĂ€che in der katarischen Hauptstadt Doha aber ernsthaft und konstruktiv bei "positiver AtmosphĂ€re". Ein weiteres Spitzentreffen soll es vor Ende kommender Woche in Kairo geben, bis dahin sollen UnterhĂ€ndler weiterverhandeln, um die noch "verbleibenden LĂŒcken" zu schlieĂen.
An den GesprĂ€chen in Doha waren Spitzenvertreter der USA, Katars und Ăgyptens beteiligt sowie der Chef des israelischen Auslandsgeheimdienstes, David Barnea. Die Hamas nahm nicht teil. Wie in vorigen Runden verhandelt sie nicht direkt mit Israel oder den USA. In Doha befindet sich aber das politische BĂŒro der Hamas und damit deren wichtigste Vertretung im Ausland, wo Ă€gyptische und katarische Vermittler direkten Zugang haben. Die Verhandlungen kommen seit Monaten nicht voran.
Neuer Vorschlag soll "LĂŒcken verringern"
Die Erwartungen auf einen Durchbruch waren bereits vor Beginn des Treffens gering, weil die Positionen Israels und der islamistischen Hamas weit auseinander liegen. Jetzt gebe es einen Vorschlag, der die noch bestehende "LĂŒcke verringern" soll, wie es in der Mitteilung der drei LĂ€nder heiĂt. Er entspreche auch den GrundsĂ€tzen des Friedensplans, den US-PrĂ€sident Joe Biden Ende Mai vorgestellt hatte und dessen Details die Hamas nicht neu verhandeln will. "Technische Teams" sollen in den nĂ€chsten Tagen daran arbeiten, wie die aktuellen VorschlĂ€ge umgesetzt werden können.
Die islamistische Hamas und andere Gruppen aus dem Gazastreifen hatten am 7. Oktober vergangenen Jahres den SĂŒden Israels ĂŒberfallen, mehr als 1.200 Menschen getötet und weitere 250 als Geiseln verschleppt. Israel reagierte mit massiven Luftangriffen und einer Bodenoffensive in Gaza. Laut der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde wurden dabei fast 40.000 Menschen getötet. Die Zahl unterscheidet nicht zwischen Zivilisten und KĂ€mpfern und lĂ€sst sich nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen. Die Zahl der Toten entspricht knapp zwei Prozent der 2,2 Millionen Menschen, die vor Kriegsbeginn in Gaza lebten.
Hamas-FunktionĂ€r reagiert zurĂŒckhaltend
Ein ranghoher Hamas-Vertreter bewertete den Abschluss der GesprĂ€chsrunde zurĂŒckhaltend. Die Ergebnisse der Verhandlungen, die die Hamas-FĂŒhrung erhalten habe, basierten nicht auf allen VorschlĂ€gen Bidens, die der Gruppe am 2. Juli ĂŒbermittelt worden seien. Das sagte der ranghohe Hamas-FunktionĂ€r Mahmud Mardaui der Deutschen Presse-Agentur. Die GesprĂ€che mĂŒssten unter anderem auf der Beendigung des Kriegs, dem RĂŒckzug der israelischen Armee aus Gaza und dem Ende der israelischen Blockade fuĂen. Eine offizielle Mitteilung Israels zu der Verhandlungsrunde lag zunĂ€chst nicht vor.
Mit den GesprĂ€chen in Doha - und nun in Kairo - ist die Hoffnung verbunden, nicht nur den verheerenden Krieg im Gazastreifen zu beenden, sondern auch eine noch gröĂere Ausweitung des Konflikts in der Region zu verhindern. Nach der Tötung des Hamas-Auslandschefs Ismail Hanija sowie eines Hisbollah-MilitĂ€rkommandeurs vor zwei Wochen haben die Miliz im Libanon wie auch der Iran Rache geschworen. Beide sind mit der Hamas verbĂŒndet und könnten im Fall einer Waffenruhe in Gaza von einer gröĂeren, womöglich koordinierten Attacke gegen Israel absehen.
Hisbollah droht Israel in neuem Propagandavideo
Der Hisbollah-nahe TV-Sender Al-Manar verbreitete unterdessen ein Propagandavideo der Miliz, das offenbar einen unterirdischen Tunnelkomplex zeigen soll, durch den Lastwagen fahren, die Raketen transportieren. Die Hisbollah sei heute auch wegen ihrer Waffen stĂ€rker als je zuvor, sagt eine Stimme in dem Video, die Beobachter dem Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah zuordnen. Die Stimme droht Israel zudem, das Land werde einer RealitĂ€t gegenĂŒberstehen, mit der es nicht gerechnet habe, sollte es einen Krieg gegen den Libanon beginnen. Die Hisbollah und Israel beschieĂen sich seit Monaten, Dutzende Zivilisten wurden dabei auf beiden Seite der Grenze getötet.
US-PrĂ€sident Biden hatte im Mai einen Vorschlag zur Beendigung des Gaza-Kriegs in drei Phasen vorgestellt. In einer ersten Phase wĂŒrde demnach wĂ€hrend einer Waffenruhe von sechs Wochen eine bestimmte Gruppe von Geiseln freigelassen. Im Gegenzug wĂŒrden PalĂ€stinenser freikommen, die in Israel inhaftiert sind. In zwei weiteren Phasen sollen die KĂ€mpfe dauerhaft eingestellt und die verbliebenen Geiseln freigelassen werden sowie der Wiederaufbau des in weiten Teilen zerstörten Gazastreifens beginnen.
Erschwernis Al-Sinwar
Dass Jihia al-Sinwar zum Chef der Hamas aufgerĂŒckt sei nach der Tötung Hanijas, mache eine Einigung in den Verhandlungen unwahrscheinlicher, hatte Jon Alterman von der US-Denkfabrik CSIS zuvor erklĂ€rt. "Hanija war ein bereitwilliger Vermittler, Sinwar ist ein KĂ€mpfer." Mit Sinwar an der Spitze sei jetzt weniger wahrscheinlich, dass die Hamas sich auf ein Ende der KĂ€mpfe im Rahmen einer Waffenruhe einlassen werde.
Es werden noch 115 Menschen in der Gewalt der Hamas vermutet, viele davon dĂŒrften bereits tot sein. In Israel protestieren immer wieder Tausende fĂŒr ein Abkommen, um die Freilassung der Geiseln zu erreichen. Viele Demonstranten werfen dem israelischen Regierungschef Benjamin Netanjahu vor, einen Deal zu sabotieren und sich den Forderungen seiner ultrareligiösen und rechtsextremen Koalitionspartner, auf die Netanjahu fĂŒr sein politisches Ăberleben angewiesen ist, zu beugen. Diese sind gegen ZugestĂ€ndnisse an die Hamas.
