ESG-Daten: 600 Konzerne offenbaren 52 Prozent mehr Kennzahlen
Veröffentlicht: 17.07.2026 um 23:04 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Eine Analyse der LMU München und der Universität zu Köln zeigt: Die Zahl der veröffentlichten Kennzahlen stieg von 2014 bis 2023 um 52,4 Prozent.
Die Forscher werteten rund 2,9 Millionen Werte aus den Berichten aus. Dabei fanden sie einen bemerkenswerten Trend: Die Schere zwischen Vorreitern und Nachzüglern schließt sich. Lag der Abstand 2014 noch bei 39,4 Prozent, sank er bis 2023 auf 6,8 Prozent.
Emissionen: Ein differenziertes Bild
Die direkten Emissionen der Unternehmen sanken. Gleichzeitig stiegen die indirekten Emissionen aus der Wertschöpfungskette massiv – um das Fünffache. Die Forscher führen das auf eine bessere Erfassung zurück.
Im sozialen Bereich zeigt sich ein gemischtes Bild. Der Frauenanteil im Topmanagement stieg um 9,2 Prozentpunkte. Die Lohnschere zwischen Führungsebene und Belegschaft vergrößerte sich jedoch um das Zwölffache.
Konkrete Projekte in Industrie und Vereinssport
Der VfB Stuttgart präsentierte Ergebnisse seiner Nachhaltigkeitsinitiative für die Saison 2025/2026. Ein „Umweltgroschen" finanzierte Fanbus-Angebote, Abfalltrennsysteme an 99 Standorten und ein Moor-Projekt. Im Juni 2026 erhielt der Verein einen Fairtrade Award für seine nachhaltige Lieferkette.
Die Hotelgruppe Motel One bezieht in zehn Ländern ausschließlich Ökostrom. Alle Standorte sollen eine Green-Key-Zertifizierung erhalten.
Um eine nachhaltige Lieferkette sicherzustellen, müssen Unternehmen komplexe regulatorische Anforderungen erfüllen. Dieser kostenlose Download mit Checkliste zeigt Schritt für Schritt, wie Sie die Sorgfaltspflichten der EU-Entwaldungsverordnung ohne großen Aufwand meistern. Compliance-Leitfaden mit Checkliste jetzt kostenlos herunterladen
Im Industriesektor investiert das Brühler Eisenwerk 4,2 Millionen Euro in eine Photovoltaikanlage mit 10.000 Modulen. Die Anlage deckt sechs bis sieben Prozent des Strombedarfs und versorgt direkt die Elektroschmelzöfen. Weitere Investitionen sind bis 2029 geplant.
Der Hersteller Peter Greven steckt 19,4 Millionen Euro in eine Power-to-Heat-Anlage. Ziel: Klimaneutralität bis 2035. BHS tabletop senkte den Erdgasverbrauch in der Fertigung durch Abwärmenutzung um 75 Prozent.
Kritik an aggregierten ESG-Scores
Trotz der Datenflut wächst die Skepsis. Eine ESG-Analystin warnt vor pauschalen Nachhaltigkeits-Scores. Diese vermischen unterschiedliche Kennzahlen wie CO2-Emissionen und Diversität. Die spezifische Aussagekraft gehe verloren.
Ein Beispiel: Sinkende finanzierte Emissionen können auf Marktwertsteigerungen basieren – nicht auf echten Reduktionen. Die Expertin plädiert für detaillierte Einzelkennzahlen statt optimierter Gesamtwerte.
Neben der ökologischen Transparenz rückt auch die präzise Dokumentation des CO2-Grenzausgleichs immer stärker in den Fokus. Experten erklären im kostenlosen Report, was Ihr CBAM-Bericht enthalten muss, um Bußgelder zuverlässig zu vermeiden. Kostenlosen CBAM-Leitfaden zur rechtssicheren Umsetzung anfordern
In der Schweiz zeigt sich Zurückhaltung in den Führungsetagen. Nur 8,9 Prozent der befragten Führungskräfte sehen Nachhaltigkeit als große Chance. Die EU-Kommission hat Berichtspflichten teilweise reduziert, die Schweiz setzt die Klimaberichterstattung vorerst aus.
Trotzdem: Laut dem World Business Council for Sustainable Development halten 91 Prozent der Führungskräfte an ihren Netto-Null-Investitionen fest. Mehr als die Hälfte nennt die eigene Wettbewerbsfähigkeit als Hauptmotiv.
Neue Standards für Bau und Kreislaufwirtschaft
Der neue Hauptsitz der Bank Lombard Odier in Genf erhielt als erstes Gebäude in der Schweiz eine Doppelzertifizierung mit den Höchstnoten SNBS Platin und BREEAM Outstanding. Das Gebäude nutzt Seewasser zur Heizung und Kühlung.
Das Fraunhofer-Zentrum IMW veröffentlichte im Juli 2026 ein Handbuch zur kreislauffähigen Wertschöpfung. Der Fokus liegt auf digitalen Produktpässen und reparaturfreundlichem Design. Ziel: Ressourcenverbrauch vom Wirtschaftswachstum entkoppeln.
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