Act, Schulungspflicht

EU AI Act: Ab August Schulungspflicht für KI-Nutzer in Betrieben

25.06.2026 - 18:14:25 | boerse-global.de

Neue TÜV-Studie zeigt: Über die Hälfte der Unternehmen sieht großen Nachholbedarf bei digitalen Mitarbeiterkompetenzen. Der EU AI Act verschärft den Druck.

TÜV-Studie 2026: Digitale Defizite in deutschen Firmen
Act - Eine Gruppe von Fachleuten arbeitet an einer modernen, holografischen Benutzeroberfläche, die digitale Daten und KI-Konzepte anzeigt. 25.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Mehr als die Hälfte der Unternehmen in Deutschland sieht erhebliche Lücken bei den digitalen Fähigkeiten ihrer Mitarbeiter. Das zeigt die aktuelle „TÜV Weiterbildungsstudie 2026“. Gleichzeitig steigt der Druck durch den EU AI Act, der ab August verbindliche KI-Kompetenz in Betrieben fordert.

Großunternehmen und Handel besonders betroffen

Der Handlungsbedarf variiert stark nach Unternehmensgröße. Bei Großfirmen mit mindestens 250 Beschäftigten melden 74 Prozent einen hohen Weiterbildungsbedarf. Bei kleineren und mittleren Unternehmen (KMU) sind es je nach Größe 54 bis 55 Prozent.

Im Branchenvergleich führt der Handel mit 63 Prozent, gefolgt von der öffentlichen Verwaltung mit 59 Prozent. Auch im Dienstleistungssektor (54 Prozent), in der Energie-, Bau- und Verkehrsbranche (53 Prozent) sowie in der Industrie (52 Prozent) ist die Lage kritisch. Neben allgemeinen digitalen Anwendungen sind bei 46 Prozent der Firmen spezialisierte Kenntnisse in IT-Sicherheit, Datenanalyse und Künstlicher Intelligenz gefragt.

EU AI Act macht Weiterbildung zur Pflicht

Die Qualifizierung der Belegschaft wird zunehmend zur rechtlichen Verpflichtung. Ab dem 2. August 2026 sind Verstöße gegen die im EU AI Act verankerte KI-Kompetenz-Pflicht sanktionierbar. Unternehmen müssen Mitarbeiter, die mit KI-Systemen arbeiten, mit ausreichender Sachkunde ausstatten.

Anzeige

Angesichts der neuen gesetzlichen Anforderungen durch den EU AI Act stehen viele Unternehmen vor der Herausforderung, Risikoklassen und Dokumentationspflichten korrekt einzuordnen. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden bietet einen kompakten Überblick über alle Fristen und Pflichten, die Ihre IT- und Rechtsabteilung jetzt kennen muss. EU AI Act in 5 Schritten verstehen

Die Einführung von KI-Tools läuft der internen Governance oft davon. Eine Erhebung von GitLab aus dem Frühjahr zeigt: 80 Prozent der befragten Fachkräfte gaben an, KI-Tools schneller eingeführt zu haben, als interne Richtlinien erstellt werden konnten. 83 Prozent sehen im KI-generierten Code ein potenzielles Sicherheitsrisiko.

Bürger sehen Digitalisierung als Chance

Anlässlich des Digitaltags am morgigen Freitag veröffentlichte der Branchenverband Bitkom Daten zur Selbsteinschätzung der Bürger. Die Deutschen bewerten ihre digitalen Fähigkeiten mit der Note 2,6. Jüngere (16 bis 29 Jahre) geben sich eine 2,1, bei den über 75-Jährigen sinkt der Wert auf 3,6.

Anzeige

Während die Digitalisierung voranschreitet, wachsen auch die rechtlichen Anforderungen an die Datensicherheit und Compliance in deutschen Betrieben. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Report, welche konkreten Schritte Unternehmen jetzt unternehmen müssen, um KI-Systeme sicher und gesetzeskonform einzusetzen. Kostenlosen Report zur KI-Verordnung anfordern

54 Prozent der Bevölkerung stellen fest, dass sich digitale Technologien schneller entwickeln als die eigenen Fähigkeiten. Dennoch überwiegt der Optimismus: 83 Prozent sehen in der Digitalisierung eine Chance. Die Sorge vor einer digitalen Spaltung der Gesellschaft ist leicht rückläufig – gaben im Vorjahr noch 67 Prozent an, eine solche Spaltung wahrzunehmen, sind es aktuell 60 Prozent.

Infrastruktur hinkt hinterher

Die Kompetenzlücken werden durch infrastrukturelle Schwächen verstärkt. Der „Digital Decade Report“ der EU-Kommission vom gestrigen Dienstag bescheinigt Deutschland zwar eine führende Rolle in der Halbleiterindustrie und Quantentechnologie. Beim Glasfaserausbau belegt Deutschland jedoch den vorletzten Platz im EU-Vergleich. Auch die Digitalisierung der Behörden und die Akzeptanz der Online-Ausweisfunktion hinken den europäischen Zielen hinterher.

In der Bildung zeichnet sich ein gemischtes Bild ab. Laut dem Deutschen Schulbarometer der Robert Bosch Stiftung (Erhebung Ende 2025) nutzen Lehrkräfte KI-Anwendungen immer häufiger. Nur noch 10 Prozent der Pädagogen greifen nie auf KI-Tools zurück, im Vorjahr waren es noch 31 Prozent. Experten fordern für Grundschulen ein verpflichtendes „KI-Seepferdchen“, um frühzeitig Medienkompetenz zu vermitteln. Bis Ende 2026 soll zudem ein Gesetzentwurf vorliegen, der unter anderem Altersgrenzen für die Nutzung sozialer Medien konkretisiert.

de | wirtschaft | 69625768 |