EU-Emissionshandel, Rat

EU-Emissionshandel: Rat fordert 121 Millionen Gratiszertifikate fĂŒr die Industrie

Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 23:24 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das Parlament beschloss sein Verhandlungsmandat; Rat und Ausschuss vertreten unterschiedliche PlÀne zur Verteilung kostenloser CO2-Quoten.
Industrieanlage mit Schornsteinen bei DĂ€mmerung als Symbol fĂŒr den europĂ€ischen Emissionshandel. Illustration mit AI erstellt.

Im Ringen um die Verteilung kostenloser CO2-Zertifikate im EU-Emissionshandelssystem fĂŒr den Zeitraum von 2026 bis 2030 zeichnet sich ein deutlicher Konflikt zwischen den europĂ€ischen Institutionen ab. WĂ€hrend der Umweltausschuss des EuropĂ€ischen Parlaments fĂŒr ein Gesamtvolumen von 99 Millionen Gratisquoten plĂ€diert, fordert der Rat der EuropĂ€ischen Union die Zuteilung von insgesamt 121 Millionen Zertifikaten an die europĂ€ische Industrie.

Beide Positionen basieren auf einer Grundmenge von 88 Millionen Quoten. Der Streitpunkt liegt in der Verwendung eines zusĂ€tzlichen Kontingents von 33 Millionen Rechten: Der Rat beabsichtigt, den vollstĂ€ndigen Pool von 33 Millionen Quoten der Industrie zur VerfĂŒgung zu stellen.

Der parlamentarische Ausschuss will hingegen lediglich 11 Millionen Zertifikate als Reserve an Industrieunternehmen leiten. Die verbleibenden Zertifikate aus diesem Bestand sollen nach den PlĂ€nen des Ausschusses in den Modernisierungsfonds sowie den Innovationsfonds fließen.

Milliardenschwere Entlastungen fĂŒr Industriezweige

Die finanziellen Auswirkungen der Ratsvariante sind betrĂ€chtlich. Laut Marktberichten wĂŒrde der Vorschlag des Rates den betroffenen Industrieunternehmen Einsparungen von rund 8,25 Milliarden Euro bringen. Aus Berechnungen der EuropĂ€ischen Kommission geht hervor, dass bereits die Basis von 88 Millionen kostenlosen Quoten eine finanzielle Erleichterung von 6 Milliarden Euro bedeutet.

Das Plenum des EU-Parlaments hat unterdessen sein entsprechendes Verhandlungsmandat zur Überarbeitung der Benchmarks fĂŒr den Zeitraum 2026 bis 2030 mit 474 Ja-Stimmen bei 82 Gegenstimmen und 28 Enthaltungen angenommen.

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Dieser Parlamentsbeschluss stĂŒtzt den Kommissionsansatz, die geschĂ€tzten 88 Millionen bis 2030 verfĂŒgbaren Gratisquoten zu nutzen und zusĂ€tzlich 11 Millionen Einheiten von Anlagen einzuziehen, welche die vorgegebenen Kriterien verfehlt haben.

Auf diesem Weg sollen knapp 100 Millionen zusÀtzliche Zertifikate mobilisiert werden. Zugleich sieht der Parlamentsentwurf vor, je 11 Millionen ungenutzte Quoten dem Modernisierungs- und dem Innovationsfonds zuzuweisen.

Spezifische Benchmarks fĂŒr besonders betroffene Sektoren

Ein zentraler Bestandteil des parlamentarischen Mandats betrifft sektorbezogene Ausnahmeregelungen. Um Verzerrungen durch einheitliche Brennstoffparameter zu vermeiden, sollen fĂŒr ausgewĂ€hlte Branchen spezifische Richtwerte gelten, die sich an den effizientesten zehn Prozent der Anlagen orientieren.

Besondere PrioritÀt erhalten dabei Hersteller feuerfester Materialien sowie die Fliesenindustrie. Der europÀische Branchenverband Cerame-Unie bezifferte eine indikative Minderungsrate im Rahmen realistischerer WÀrme- und Brennstoffindikatoren auf 12,5 Prozent.

Die Initiative fĂŒr branchenspezifische Kriterien wird vor allem von Vertretern aus Spanien und Italien forciert, um Wettbewerbsnachteile gegenĂŒber Drittstaaten wie China, Indien oder der TĂŒrkei abzuwenden. Deutschland und Frankreich distanzierten sich hingegen von dieser sektoralen Sonderregelung.

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Die spanische Vereinigung der Keramikfliesenhersteller verwies nach der Parlamentsabstimmung darauf, dass das Dossier zunÀchst die anstehenden Trilog-Verhandlungen zwischen Parlament, Rat und Kommission durchlaufen sowie die formelle Zustimmung des Rates erhalten muss.

Regionalpolitiker aus betroffenen Industriegebieten wie der Emilia-Romagna sprachen sich nachdrĂŒcklich fĂŒr eine BestĂ€tigung des Entwurfs aus, um die dortigen Produktionsstandorte und ArbeitsplĂ€tze abzusichern.

Aus den Reihen der italienischen Parlamentsdelegation wurde betont, dass fĂŒr die Keramikindustrie ursprĂŒnglich eine Zuteilung von 113 Millionen Zertifikaten gefordert worden war, ehe der Kompromiss bei 88 Millionen Einheiten lag.

Der Verhandlungsauftakt zwischen den europĂ€ischen Gesetzgebungsorganen markiert nun die entscheidende Phase fĂŒr die kĂŒnftige Industrie- und Klimaschutzfinanzierung bis zum Ende des Jahrzehnts.

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