EU-Entgelttransparenz, Pflichten

EU-Entgelttransparenz: Neue Pflichten für Arbeitgeber ab Juni 2027

Veröffentlicht am: 01.11.2026 um 08:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Anteil deutscher Inserate mit Gehaltsnennung stieg bis September 2026 auf 18,1 Prozent; transparente Angebote erzielen mehr Bewerbungsklicks.
Ein minimalistischer, lichtdurchfluteter Konferenzraum in einem modernen Bürogebäude. Illustration mit AI erstellt.

Deutsche Arbeitgeber beginnen mit der praktischen Umsetzung neuer EU-Vorgaben zur Entgelttransparenz bei Einstiegsgehältern und Einstellungspraktiken. Übergeordnetes Ziel der europäischen Initiative ist die Verringerung des geschlechtsspezifischen Verdienstabstands (Gender Pay Gap).

Während öffentliche Arbeitgeber seit dem Ablauf der Umsetzungsfrist unmittelbar an die Vorgaben der europäischen Richtlinie gebunden sind, passen zunehmend auch weitere Betriebe ihre Abläufe bei Stellenausschreibungen und Vergütungsangaben schrittweise an.

Klare Regeln für Bewerbungsprozesse und Gehaltsfragen

Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie sieht vor, dass Stellenausschreibungen geschlechtsneutral formuliert sein müssen. Zudem verbietet das Regelwerk ausdrücklich die Frage nach dem aktuellen oder bisherigen Gehalt von Bewerberinnen und Bewerbern.

Entgegen weitverbreiteter Annahmen verpflichtet die Richtlinie Unternehmen nicht dazu, bereits eine konkrete Gehaltszahl in der eigentlichen Stellenanzeige zu veröffentlichen. Vorgeschrieben ist stattdessen, Bewerbende noch vor dem ersten Vorstellungsgespräch verlässlich über die vorgesehene Vergütung zu informieren.

Für die Folgejahre sieht die europäische Richtlinie erweiterte Berichtspflichten vor. Ab Juni 2027 müssen Unternehmen mit mindestens 150 Beschäftigten ihren Gender Pay Gap offenlegen. Langfristig soll diese Meldeschwelle auf Betriebe ab 100 Beschäftigte abgesenkt werden.

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Werden im Rahmen dieser Berichte innerhalb einer Beschäftigtenkategorie unerklärte Gehaltsunterschiede von mindestens 5% festgestellt und nicht binnen sechs Monaten nach der Berichterstattung behoben, greifen verbindliche Folgeinstrumente: In diesen Fällen ist eine formelle Entgeltbewertung gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretungen sowie die Aufstellung eines konkreten Maßnahmenplans vorgeschrieben.

Zur Vorbereitung auf diese Meldepflichten bietet das Beratungsunternehmen WTW die Plattform Embark an, die ab Juni 2027 auch für die Offenlegung des geschlechtsspezifischen Verdienstabstands genutzt werden soll.

Deutlicher Anstieg transparenter Gehaltsangaben in Anzeigen

Dass sich das Verhalten am Arbeitsmarkt bereits spürbar wandelt, belegen aktuelle Erhebungen des Jobportals stellenanzeigen.de. Eine Auswertung aller zwischen März und September 2026 ausgelaufenen Stelleninserate verdeutlicht einen kontinuierlichen Anstieg transparenter Vergütungsangaben:

  • Im Zeitraum von März bis Juni 2026 nannten rund 10% der Anzeigen ein konkretes Gehalt.
  • Im Juli 2026 stieg dieser Anteil auf 13,8%.
  • Im August 2026 enthielten 16,0% der Inserate eine Gehaltsangabe.
  • Im September 2026 wiesen schließlich 18,1% der Stellenanzeigen ein Entgelt aus.

Die Transparenz variiert dabei je nach Berufsbild und Branche erheblich. Bei Ausbildungsplätzen und dualen Studiengängen nennt bereits mehr als jede vierte Anzeige eine Vergütung. Bei Führungspositionen liegt der Anteil bei rund 13%. Dagegen weisen Inserate in den Bereichen Kita, Küche sowie im Filialverkauf zu weniger als einem Zehntel ein konkretes Gehalt aus.

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Höhere Resonanz bei transparenten Ausschreibungen

Die Ausweisung von Gehaltsspannen oder Einstiegsgehältern beeinflusst das Bewerbungsverhalten messbar. Den Portal-Daten zufolge klicken Fachkräfte bei Anzeigen mit einer konkreten Gehaltsangabe rund 7% häufiger auf den Button zur Bewerbung als bei Angeboten ohne entsprechende Information.

In einzelnen Segmenten fällt die Wirkung noch deutlicher aus: Im Bereich der Pflege verzeichneten transparente Inserate rund ein Fünftel mehr Klicks, in den Bereichen Lager und Produktion lag das Plus sogar bei rund einem Viertel.

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