EU-Handelskrieg: Schutzzölle gegen China ab Juli 2026
30.05.2026 - 06:30:13 | boerse-global.deIm Zentrum steht ein Strategiewechsel: Weg von Einzelfallentscheidungen, hin zu flächendeckenden Schutzzöllen für ganze Industriezweige.
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Rekorddefizit und Jobrisiken
Der Druck auf Brüssel wächst. Das Handelsdefizit der EU mit China erreichte 2025 rund 360 Milliarden Euro – die Importe summierten sich auf 559 Milliarden Euro. Seit 2015 ist dieser Wert um 89 Prozent gestiegen. Prognosen zufolge könnte das Defizit auf 500 Milliarden Euro pro Jahr anwachsen.
Die wirtschaftlichen Warnsignale sind deutlich. Die Europäische Zentralbank schätzt, dass rund 29 Millionen Arbeitsplätze in Europa gefährdet sind, wenn sich der Trend fortsetzt. Der Grund: massive Preisunterschiede. Der Chef des Pharmakonzerns Sandoz etwa berichtete, dass bestimmte chinesische Produkte zu Preisen angeboten werden, die 90 Prozent unter denen europäischer Hersteller liegen.
Neue Strategie: Schutz für ganze Branchen
EU-Industriekommissar Stéphane Séjourné setzt auf einen grundlegenden Kurswechsel. Statt punktueller Maßnahmen sollen künftig Schutzzölle für gesamte Industriesektoren kommen. Vier Säulen stützen die neue Strategie: Diversifizierung der Lieferketten, beschleunigter Einsatz von Handelsinstrumenten, branchenweite Mechanismen und die Verschärfung der Verordnung über ausländische Subventionen (FSR).
Konkret wird die Stahlindustrie als erstes Ziel genannt. Geplant ist eine drastische Kürzung der zollfreien Importquoten auf 18,3 Millionen Tonnen – ein Rückgang um 47 Prozent im Vergleich zu 2024. Überschreiten Importe diese Grenze, drohen 50 Prozent Zoll. Ab dem 1. Juli 2026 soll zudem eine Pauschalabgabe von drei Euro auf günstige Online-Pakete aus Fernost eingeführt werden. Das zielt direkt auf den boomenden E-Commerce mit China.
Deutschland bremst – Frankreich drängt
Die neue Härte spaltet die EU-Mitgliedstaaten. Frankreich, Italien, Spanien, die Niederlande und Litauen fordern entschlossene Schutzmaßnahmen – mit Verweis auf nationale Sicherheit und industrielle Souveränität. Deutschland hingegen mahnt zur Vorsicht.
Bundeswirtschaftsminister Robert Reiche reiste erst kürzlich nach Peking, um für weitere Kooperation zu werben. Die deutsche Industrie bleibt eng mit dem chinesischen Markt verflochten: BASF investierte fast neun Milliarden Euro in einen neuen Produktionsstandort in Zhanjiang. Doch die Abhängigkeit zeigt auch Risiken: Im April 2026 lieferte China praktisch kein Germanium und Gallium mehr nach Deutschland – Folge neuer Exportkontrollen Pekings.
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Milliarden-Übernahme unter Beobachtung
Die EU verschärft zudem die Kontrolle chinesischer Investitionen. Im Fokus steht die geplante Übernahme von Ceconomy – dem Mutterkonzern von MediaMarkt und Saturn – durch die chinesische Plattform JD.com. Der Kaufpreis: 2,2 Milliarden Euro.
Die Kommission prüft, ob der Deal durch staatliche Subventionen verzerrt wird. JD.com betont, die Finanzierung erfolge über private Bankdarlehen und Barmittel. Eine Entscheidung wird bis zum 2. Oktober 2026 erwartet. Die Prüfung fällt in eine Zeit, in der chinesische Investitionen in Deutschland 2025 den höchsten Stand seit sechs Jahren erreichten.
Produktion verlagert sich nach Europa
Um drohende Importzölle von teils über 20 Prozent zu umgehen, verlagern chinesische Hersteller ihre Produktion zunehmend nach Europa. Der Batterieriese CATL fertigt bereits in Thüringen. Auch die Autobauer BYD, Xpeng und Chery bauen oder suchen Produktionsstandorte in Ungarn, Österreich und Spanien.
Die politische Abstimmung zu den neuen Handelsmaßnahmen geht weiter. Beim G7-Gipfel am 15. Juni und dem anschließenden EU-Gipfel am 18. Juni will Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen die formelle politische Zustimmung für die neue Strategie einholen.
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