EU Kids Act: Striktes Verbot für unter 13-Jährige ab Ende 2026
Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 22:54 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In Straßburg hat die EU-Kommission den sogenannten Kids Act vorgestellt, der den Zugang von Minderjährigen zu sozialen Medien grundlegend neu regeln soll.
Das Gesetzespaket sieht ein striktes Verbot der Plattformnutzung für Kinder unter 13 Jahren vor und führt für Jugendliche bis 15 Jahre weitreichende Beschränkungen ein. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte die Initiative zuvor in ihrer Rede zur Lage der Europäischen Union angekündigt.
Altersgrenzen und Nutzungsbeschränkungen
Der Entwurf der EU-Kommission sieht eine Staffelung nach Altersgruppen vor. Während für Kinder unter 13 Jahren ein vollständiges Nutzungsverbot für soziale Medien gelten soll, ist für die Altersgruppe der 13- bis 15-Jährigen ein Modell mit elternverwalteten Konten vorgesehen. Diese sogenannten Mini-Konten sollen unter elterlicher Aufsicht stehen und eine auf eine Stunde pro Tag begrenzte Nutzungszeit aufweisen.
Jugendliche ab 15 Jahren dürfen laut den Plänen ein eigenes Konto führen, sofern dieses über ein sicheres Design verfügt. Für die Gruppe der 15- bis 18-Jährigen ist zudem vorgesehen, dass ein Konto nur dann eröffnet werden darf, wenn ein entsprechender Sicherheitsnachweis erbracht wird.
Der Geltungsbereich des Kids Act erstreckt sich dabei nicht nur auf soziale Netzwerke, sondern umfasst auch Videoplattformen, Online-Videospiele sowie Anwendungen mit Künstlicher Intelligenz (KI).
Während die EU neue Regeln für den Schutz von Minderjährigen im Netz plant, stellt der Einsatz von KI-Systemen bereits heute viele Organisationen vor komplexe rechtliche Fragen. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden zum EU AI Act hilft Ihnen, Risikoklassen und neue Pflichten frühzeitig zu verstehen. EU AI Act in 5 Schritten verstehen
Verbot manipulativer Designs und KI-Vorgaben
Ein wesentlicher Bestandteil der Neuregelung ist das Verbot bestimmter Design-Elemente, die als süchtig machend eingestuft werden. Dazu zählen das endlose Scrollen (Doomscrolling) sowie profilbasierte Empfehlungsfeeds. Zudem sollen Push-Benachrichtigungen während der üblichen Schlafenszeiten untersagt werden.
Die EU-Kommission plant darüber hinaus, den Einsatz von KI-Chatbots für Minderjährige strenger zu regulieren. Diese Funktionen sollen standardmäßig deaktiviert sein. Profile von minderjährigen Nutzern müssen grundsätzlich als private Konten voreingestellt werden. Eine zentrale Neuerung im Haftungsrecht stellt die geplante Beweisumkehr dar: Anbieter müssen künftig nachweisen, dass ihre Dienste für junge Nutzer unschädlich sind.
Technische Umsetzung durch Altersverifikation
Um die Einhaltung der Altersgrenzen sicherzustellen, setzt die EU-Kommission auf eine technische Lösung. Bis Ende 2026 soll in allen Mitgliedstaaten eine App zur Altersverifikation eingeführt werden. Diese Verifikation soll über den Ausweis erfolgen, wobei von der Leyen eine datensparsame Umsetzung in Form einer sogenannten Mini-Wallet in Aussicht stellte.
In Österreich liegt bereits ein nationaler Entwurf in Brüssel vor, der ein Social-Media-Verbot für Jugendliche unter 14 Jahren vorsieht. Die Begutachtungsfrist für dieses Vorhaben endet nach vorliegenden Informationen am 21. September 2026.
Die rechtlichen Anforderungen an die Datensicherheit und den Einsatz neuer Technologien verschärfen sich nicht nur für soziale Netzwerke, sondern für die gesamte Wirtschaft. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Experten-Report, welche KI-Systeme als Hochrisiko gelten und wie Unternehmen die neuen Compliance-Regeln rechtssicher umsetzen. Kostenlosen Umsetzungsleitfaden zum EU AI Act herunterladen
Kritik und internationale Entwicklungen
Amnesty International Österreich kritisierte das geplante Verbot als falsche Lösung und bezeichnete es als menschenrechtswidrig. Die Organisation warnte vor Risiken für die Privatsphäre und einem möglichen abschreckenden Effekt auf die freie Meinungsäußerung (chilling effect). Stattdessen forderte die Menschenrechtsorganisation eine Regulierung schädlicher Designs auf Basis von Artikel 28 des Digital Services Act (DSA).
Zudem verwies Amnesty International auf Erfahrungen aus Australien, wo seit Jänner 2026 ein Verbot für Jugendliche unter 16 Jahren besteht. Laut einer Studie der australischen eSafety-Behörde nutzen dort dennoch mehr als 80 Prozent der 10- bis 15-Jährigen weiterhin ein Konto; Amnesty sprach davon, dass etwa zwei Drittel der Kinder trotz des Verbots aktiv blieben.
Weitere Digitalvorhaben der Kommission
Flankierend zum Kids Act kündigte die Kommissionspräsidentin weitere regulatorische Schritte an. Für den Herbst ist demnach ein Digital Fairness Act geplant, gefolgt von einer neuen KI-Dateninitiative im November. Parallel zu den Digitalthemen beabsichtigt die EU die Gründung einer europäischen Einkaufsgesellschaft für kritische Rohstoffe, um die Versorgungssicherheit der Gemeinschaft zu stärken.
