EU-Klimavorgaben: Lkw-Hersteller drohen Strafzahlungen bis 1,2 Mrd.
Veröffentlicht: 13.07.2026 um 06:44 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Besonders Nutzfahrzeug- und Stahlbranche laufen Sturm gegen starre CO2-Vorgaben, die laut Managern ganze Wirtschaftszweige gefÀhrden.
Milliardenrisiko fĂŒr Lkw-Hersteller
Karin RĂ„dström, Chefin von Daimler Truck, warnte am Wochenende vor den Folgen der EU-Vorgaben. Bis 2030 mĂŒssen die CO2-Emissionen neuer Lastwagen um 43 Prozent sinken. DafĂŒr wĂ€ren rund 35 Prozent elektrische Neuzulassungen nötig. Zum Vergleich: 2025 lag dieser Anteil bei mageren zwei Prozent.
Die Strafen bei Zielverfehlung sind happig. Pro Prozentpunkt drohen 120 Millionen Euro. Verfehlt Daimler Truck die Vorgaben um zehn Prozentpunkte, frisst das den gesamten Gewinn der Sparte Mercedes-Benz Trucks auf. Deren Betriebsergebnis lag 2025 bei 698 Millionen Euro â bei einem Umsatz von rund 20 Milliarden.
RĂ„dström nannte zwei Hauptprobleme: die mangelnde Ladeinfrastruktur fĂŒr schwere Lkw und die fehlende KostenparitĂ€t zwischen Diesel und Elektro. Sie fordert eine ĂberprĂŒfung der Regulierung. Die CO2-Flottenziele mĂŒssten an den tatsĂ€chlichen Ausbau des Ladenetzes gekoppelt werden.
Stahlbranche zwischen Schutz und Streit
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Auch die Stahlindustrie steht vor einer Neuausrichtung. Seit Anfang Juli gelten neue Handelsregeln, ergĂ€nzt durch den CO2-Grenzausgleich CBAM. Zudem soll der geplante Industrial Accelerator Act die Nachfrage nach grĂŒnem Stahl ankurbeln.
Laut Boston Consulting Group könnte der Rechtsakt ab 2029 eine jĂ€hrliche Nachfrage von neun Millionen Tonnen CO2-armem Stahl auslösen. Geplant sind auch strengere Klimaziele fĂŒr Autobauer, um die Abnahme grĂŒner Werkstoffe zu erzwingen.
Doch die Branche ist uneins. Thyssenkrupp Steel begrĂŒĂt die neuen HandelsschutzmaĂnahmen, kritisiert aber den CO2-Grenzausgleich. Ein zentraler Streitpunkt bleibt die fehlende Definition: Wann darf Stahl offiziell als âgrĂŒnâ oder âCO2-armâ gelten?
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Politik unter Zugzwang
Die Warnungen zeigen eine wachsende Kluft zwischen EU-Klimazielen und industrieller RealitĂ€t. Regulatorische Vorgaben allein reichen nicht, wenn Rahmenbedingungen wie Energiepreise, Infrastruktur und Marktnachfrage nicht Schritt halten. Branchenvertreter fordern flexiblere Zielvorgaben â sonst drohe der Standort Europa dauerhaft Schaden zu nehmen.
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