EU-Maschinenverordnung: Neue Sicherheitsregeln für Roboter ab Januar
Veröffentlicht: 07.07.2026 um 22:52 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Denn KI-gesteuerte Maschinen handeln nicht immer vorhersehbar.
Neue EU-Verordnung setzt Standards
Ein Meilenstein für die Branche: Die EU-Maschinenverordnung (EU) 2023/1230 gilt ab dem 20. Januar 2027 verbindlich. Erstmals erfasst sie explizit sicherheitsrelevante Software und KI-Komponenten. Parallel dazu arbeitet die ISO an einer spezifischen Sicherheitsnorm für humanoide Roboter. Die Veröffentlichung ist für Mitte 2028 geplant.
Doch nicht nur die physische Sicherheit steht im Fokus. Die NIS2-Richtlinie und das IT-Sicherheitsgesetz 2.0 erhöhen den Druck auf Betreiber kritischer Infrastrukturen. Ein Lagebericht des BSI für 2025 verdeutlichte die angespannte Situation: Täglich wurden 119 neue Schwachstellen registriert – ein Plus von 24 Prozent. Laut Bitkom verursachten Cyber-Schäden im Jahr 2025 eine Gesamtsumme von rund 289,2 Milliarden Euro.
Rossmann testet humanoide Roboter im Lager
Die Praxis holt die Theorie ein. Die Drogeriekette Rossmann erprobt seit dem 17. März 2026 den humanoiden Roboter Walker S2 von UBTech in ihrem Verteilzentrum in Burgwedel. Das Modell verfügt über 52 Freiheitsgrade und trägt Lasten von bis zu 15 Kilogramm. Batteriewechsel erledigt es in weniger als drei Minuten autonom.
Die Kosten? 78.000 Euro im Kauf oder monatliche Mietraten von 4.350 Euro. Doch Experten warnen: KI-basierte Maschinen agieren probabilistisch – ihre Handlungen sind nicht immer vollständig vorhersehbar. Ein Bericht über die Verletzung eines Kindes durch einen Roboter in China unterstreicht die Risiken.
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Neue Sensoren für mehr Sicherheit
Die Industrie reagiert. Das Unternehmen Sonair stellte mit dem ADAR One den weltweit ersten sicherheitszertifizierten 3D-Ultraschallsensor vor. Er bietet eine Umfeldwahrnehmung von 180 Grad und erfüllt die Normen SIL2 und PL d. Die Serienfertigung läuft bereits – seit Mai 2025 evaluierten über 80 Robotikunternehmen die Beta-Version.
Auch ABB Robotics rüstet auf. Der AMR-Gabelstapler Flexley Stack F712 bewegt Lasten bis zu 2.000 Kilogramm. Das System nutzt KI-gestützte Visual-SLAM-Navigation für eine zentimetergenaue Positionierung – ganz ohne externe Markierungen.
Branche konsolidiert sich – Produktivität steigt
Die Zahlen zeigen eine interessante Entwicklung. Die Branchenstatistik der Elektro-Maschinenbau-Betriebe (EMA), präsentiert auf der ZVEH-Jahrestagung Ende Mai 2026 in Warnemünde, verzeichnete einen Rückgang der Betriebszahlen von 835 im Jahr 2021 auf 766 im Jahr 2026. Gleichzeitig stieg die Produktivität pro Kopf um 20 Prozent auf 183.000 Euro. Der Branchenumsatz blieb mit 2,62 Milliarden Euro stabil.
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Der Fachkräftemangel treibt neue Qualifizierungswege voran. An der BBS Burgdorf erhielten elf Schüler nach einer halbjährigen Arbeitsgemeinschaft ein IHK-Zertifikat als Operator für taktile Robotik. Kooperationen wie die zwischen der Durst Group und den TUM Venture Labs in München fördern zudem die Forschung an neuen Produktionssystemen.
Massenproduktion noch in weiter Ferne
Laut einer Studie der Fraunhofer-Gesellschaft wird die Marktreife für eine breite Massenproduktion humanoider Roboter in drei bis zehn Jahren erwartet. Neura Robotics plant für 2026 die Produktion von 6.000 Einheiten – mit deutlicher Skalierung im Folgejahr.
Experten des DLR geben jedoch zu bedenken: Die Zuverlässigkeit der Systeme muss für einen dauerhaften industriellen Betrieb in vielen Bereichen noch weiter gesteigert werden. Bis dahin bleibt die Mensch-Maschine-Kollaboration eine Herausforderung – technisch wie regulatorisch.
