EU-Methanregeln: Brüssel will strengere Nachweise wegen Energiekrise verschieben
Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 10:14 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die EU-Kommission will wegen der Energiekrise strengere Methan-Vorgaben für bestimmte Energieimporte um ein Jahr verschieben.
Flexibilität für Exporteure
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sagte im Europaparlament in Straßburg, Exporteuren solle ein weiteres Jahr Flexibilität bei den Methanregeln erlaubt werden. Dadurch könnten in Krisenzeiten zusätzliche Kosten vermieden werden.
Eine entsprechende Verschiebung hatte Energiekommissar Dan Jørgensen bereits in der vergangenen Woche angekündigt. Seine Mitarbeiter seien angewiesen worden, den Schritt zu prüfen.
Nachweise für Lieferverträge
Die EU hat seit 2024 Regeln in Kraft, die Methanemissionen im Energiesektor verringern sollen. Das Treibhausgas entsteht unter anderem in der Öl- und Gasindustrie, in der Landwirtschaft und auf Deponien.
Ab dem 1. Januar 2027 sollen Unternehmen bei bestimmten Lieferverträgen nachweisen, dass der Produzent im Herkunftsland seine Methanemissionen mindestens so sorgfältig überwacht und dokumentiert wie Unternehmen in der EU. Diese Vorgabe soll nach dem Willen der Kommission später gelten.
Entscheidung steht noch aus
Die Kommission muss die Änderung zunächst offiziell vorschlagen. Danach müssten die EU-Staaten und das Europaparlament zustimmen.
Weitere Maßnahmen gegen hohe Energiekosten
Als Gründe für eine Lockerung gelten neben den hohen Preisen auch die Versorgungssicherheit. Bereits im Juli hatte die Kommission den Mitgliedstaaten empfohlen, drei Jahre lang keine Strafen gegen Unternehmen wegen bestimmter Verstöße gegen EU-Methanvorschriften zu verhängen.
Von der Leyen kündigte außerdem Gespräche über europäische Raffinerien an. Eine neue Taskforce soll die Energienachfrage der Mitgliedstaaten bündeln und eine gemeinsame Beschaffung organisieren. Bedürftige Haushalte sollten gezielt unterstützt werden.
Warum Methan besonders relevant ist
Methan entsteht unter anderem bei der Förderung und Verarbeitung von Öl und Gas, in der Landwirtschaft und auf Deponien. Obwohl es deutlich kürzer in der Atmosphäre bleibt als Kohlendioxid, wirkt es in diesem Zeitraum wesentlich stärker auf die Erderwärmung. Eine Verringerung von Methanemissionen gilt deshalb als kurzfristig besonders wirksamer Klimaschutz.
Die EU-Regeln von 2024 richten sich zunächst an den Energiesektor innerhalb der Union. Die ab 2027 geplanten Nachweise für bestimmte Importe sollen verhindern, dass strengere europäische Vorgaben durch Lieferungen aus Ländern mit weniger Kontrolle umgangen werden. Für Unternehmen können zusätzliche Mess-, Dokumentations- und Prüfpflichten entstehen.
Spannungsfeld zwischen Klimaschutz und Versorgung
Die von der Kommission geplante Verschiebung würde den unmittelbaren Anpassungsdruck auf Importeure und Produzenten mindern, änderte aber nichts an den langfristigen Klimazielen. Zugleich zeigt der Schritt, wie stark die europäische Energiepolitik derzeit von Preisen, Lieferwegen und strategischen Vorräten geprägt ist. Hohe Rohstoff- und Transportkosten können sich mittelbar auf Haushalte und Industrie auswirken.
Was nun politisch folgt
Die Ankündigung ist noch keine formelle Änderung des EU-Rechts. Dafür muss die Kommission einen Vorschlag vorlegen; anschließend müssten die Mitgliedstaaten und das Europaparlament zustimmen. Für Verbraucher ist daher zunächst entscheidend, ob die geplante Flexibilität tatsächlich beschlossen wird und ob sie sich auf Lieferkosten oder nur auf Nachweisfristen auswirkt.
