EU-OSHA-Kampagne, Beschäftigten

EU-OSHA-Kampagne: 45 Prozent der Beschäftigten psychisch gefährdet

Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 20:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Initiative läuft bis 2028; Ceemet sieht praktische Hilfen für Unternehmen als wichtiger an als eine neue Arbeitsschutzrichtlinie.
Ein minimalistisches, ruhiges und modernes Büro mit einem leeren Schreibtisch und Stuhl in weichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Der europäische Arbeitgeberverband Ceemet engagiert sich als offizieller Partner bei der neu angelaufenen Kampagne der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA). Die auf drei Jahre angelegte Initiative für gesunde Arbeitsplätze widmet sich dem Schutz der psychischen Gesundheit im Erwerbsleben und soll Ende 2028 mit einem Gipfeltreffen in Bilbao abschließen.

Die Kampagne für die Jahre 2026 bis 2028 war am 13. Oktober 2026 in Brüssel angelaufen. An der Auftaktveranstaltung nahmen Roxana Mînzatu, Vizepräsidentin der Europäischen Kommission für soziale Rechte, sowie William Cockburn, Exekutivdirektor der EU-OSHA, teil. Ceemet war bereits an der vorherigen Kampagne der Agentur für die Jahre 2023 bis 2025 zur Digitalisierung der Arbeitswelt beteiligt.

Belastungen und Risikofaktoren im Fokus

Nach Angaben der EU-OSHA sind 45 Prozent der Beschäftigten in der Europäischen Union psychisch gefährdet. Rund 29 Prozent leiden unter arbeitsbedingtem Stress, Angstzuständen oder Depressionen. Befunde aus der Befragung „Puls BHP“ für das Jahr 2025 zeigen zudem, dass 44 Prozent der europäischen Arbeitnehmer über starken Zeitdruck oder Überlastung klagen.

Zudem berichten 37 Prozent über allgemeine Erschöpfung und 29 Prozent über Stress, Depressionen oder Angststörungen. Diese Werte zur Erschöpfung und zu psychischen Belastungen bestätigte auch die Erhebung „Vinger aan de pols“ aus demselben Jahr.

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Als besondere Problemfelder auf betrieblicher Ebene gelten soziale Interaktionen und Arbeitsverdichtung. Laut der ESENER-Erhebung 2024 stufen 56 Prozent der Organisationen in der Europäischen Union den Umgang mit schwierigen Kunden, Patienten oder Schülern als Risiko ein. 43 Prozent der Betriebe nennen Zeitdruck als wesentlichen Faktor, während 19 Prozent fehlende Kommunikation oder Zusammenarbeit anführen.

Gleichzeitig erkennen 25 Prozent der Organisationen psychosoziale Risiken grundsätzlich nicht an. Bei 21 Prozent der Arbeitsplätze mit bekannten Faktoren werden diese als zunehmend schwer bewältigbar beschrieben. Zudem sank der Anteil der Betriebe mit Mitbestimmung bei Arbeitsschutzmaßnahmen zwischen 2019 und 2024 von 61 Prozent auf 55 Prozent.

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Zu den besonders gefährdeten Gruppen zählen laut EU-OSHA Frauen, Migranten, jüngere Arbeitnehmer sowie LGBTIQ+-Personen. Die Kampagne setzt fünf thematische Schwerpunkte: die Bewertung psychosozialer Risiken, das Vorgehen gegen Mobbing, sexuelle Belästigung und Gewalt, die Verknüpfung von physischen Risiken mit mentaler Gesundheit, spezifische Belastungen im Gesundheits- und Sozialwesen sowie allgemeine Maßnahmen zur Unterstützung im Betrieb.

Arbeitgeber fordern praxisnahe Instrumente

Die Zielgruppen der Kampagne umfassen Arbeitgeber, Beschäftigte, Arbeitsinspektoren, Fachkräfte für Arbeitsschutz sowie Medien. Neben einer mehrsprachigen Website und der Vergabe von Auszeichnungen für gute Praxis findet vom 19. bis 24. Oktober 2026 die Europäische Woche für Sicherheit und Gesundheitsschutz statt, die der Vorbeugung psychosozialer Risiken gewidmet ist.

Aus Sicht von Ceemet stellt psychische Gesundheit ein gesamtgesellschaftliches Thema dar. Der Verband vertritt die Position, dass die bestehende EU-Rahmenrichtlinie bereits eine solide Rechtsgrundlage bietet.

Statt einer neuen Richtlinie für den Arbeitsschutz bestehe vor allem bei kleinen und mittleren Unternehmen Bedarf an praktischen Leitlinien und Instrumenten. Ceemet verweist in diesem Zusammenhang auf das Projekt „Mind@Work“, das von Februar 2026 bis Januar 2028 läuft.

Das Vorhaben wird vom europäischen Bauindustrieverband FIEC gemeinsam mit dem European Employers' Institute und der Fondazione ADAPT koordiniert; zudem beteiligen sich die europäischen Branchenverbände ECEG, EuroCommerce und HOTREC. Ein europäischer Gesetzesvorschlag für hochwertige Arbeitsplätze wird für Dezember 2026 erwartet.

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de | wirtschaft | 70332016 |