EU-Richtlinie 2024/ 825: Strengere Transparenz für Klimazertifikate ab September
Veröffentlicht: 01.07.2026 um 20:46 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Branchenvertreter fordern eine Abkehr von pauschalen Durchschnittswerten hin zu produktspezifischen Daten. Nur so ließen sich tatsächliche CO2-Einsparungen in der Bilanzierung sichtbar machen.
Bauindustrie dringt auf Reform
Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) hat gemeinsam mit Industrieunternehmen ein Positionspapier veröffentlicht. Es fordert eine Reform der Datengrundlage für das Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude (QNG). Zu den Mitunterzeichnern gehören ArcelorMittal, Goldbeck, Holcim, Lindner, Schüco und Sto.
Die Kritik: Das QNG schreibt derzeit primär generische Branchendurchschnittswerte vor. CO2-optimierte Produkte mit spezifischen Umweltproduktdeklarationen (EPDs) werden in der Gesamtbewertung nicht angemessen angerechnet. Die Verbände fordern, diese detaillierten Daten zuzulassen – als Anreiz für klimafreundliche Innovationen im Bausektor.
Neue Zertifizierungsstandards kommen
Parallel passen Dienstleister ihre Prozesse an verschärfte regulatorische Rahmenbedingungen an. Der Klimaschutzdienstleister ClimatePartner hat ein neues Programm für seine Labels vorgestellt. Es orientiert sich an der EU-Richtlinie 2024/825 zur Stärkung der Verbraucher für den ökologischen Wandel (EmpCo). Diese Regelung gilt ab dem 27. September 2026 verbindlich.
Das neue System sieht vor: Zertifizierungen werden durch unabhängige Organisationen wie die DEKRA geprüft. Öffentlich nachvollziehbare IDs sollen für Transparenz sorgen – eine Antwort auf die Kritik an intransparenten Klimaschutzversprechen.
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Regulatorik bremst Kreditvergabe
Die steigenden Anforderungen an die Berichterstattung stellen Unternehmen vor operative Herausforderungen. Eine Umfrage des Genoverbands unter 277 Bankvorständen zeigt: Die aktuelle Nachhaltigkeitsregulierung bremst teilweise die Kreditvergabe. Knapp die Hälfte der Firmenkunden sei mit der Erhebung der erforderlichen Nachhaltigkeitsdaten überfordert.
Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe, mahnt eine Reduzierung der Bürokratie an. Er fordert eine stärker marktorientierte Bewertung. Für kleine und mittlere Unternehmen empfiehlt er vereinfachte Standards wie den VSME-Standard.
Dass die Offenlegung von Emissionsdaten weltweit an Bedeutung gewinnt, zeigt sich auch auf internationalen Märkten. In Vietnam startete Ende Juni eine offizielle Plattform für den Handel mit CO2-Zertifikaten. 92 Unternehmen aus emissionsintensiven Sektoren erhielten erste Quoten. Gleichzeitig verknüpfen dort Finanzinstitute wie die VietinBank Kreditkonditionen mit konkreten Nachhaltigkeitszielen.
Technologische Fortschritte und Energiewende
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Neben der bilanziellen Erfassung treiben Forschungseinrichtungen die Entwicklung emissionsarmer Produktionsverfahren voran. Das Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und Systeme (IKTS) arbeitet im Projekt „Grüner Kalk“ an einem Membranreaktor. Dieser soll eine klimaneutrale Kalkherstellung ermöglichen: Das im Brennprozess entstehende CO2 wird mit grünem Wasserstoff zu Methan umgewandelt und anschließend in Wasserstoff und festen Kohlenstoff zerlegt.
Der Bedarf an präziser Steuerung wird durch die Dynamik im Energiemarkt unterstrichen. Im ersten Halbjahr 2026 deckte die Photovoltaik bereits 20 Prozent des deutschen Stromverbrauchs. Marktanalysen des Fraunhofer IEE zeigen: Ein massiver Ausbau von Speicherkapazitäten ist notwendig. Zusätzliche 20 Gigawatt Batteriespeicher hätten allein von Anfang 2025 bis Mai 2026 volkswirtschaftliche Einsparungen von mehreren Milliarden Euro ermöglichen können – um negative Strompreise und Abregelungen zu reduzieren.
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