EU ringt China Kompromiss zu Hybridauto-Exporten ab
Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 18:17 Uhr | dpa, AD HOC NEWS(neu: Details)
PEKING (dpa-AFX) - Im Handelsstreit mit der EU akzeptiert China eine Drosselung chinesischer Exporte von Hybridautos nach Europa. Die Lieferungen in die EuropĂ€ische Union könnten dadurch um mehr als die HĂ€lfte zurĂŒckgehen, erklĂ€rte EU-Handelskommissar Maros Sefcovic nach Verhandlungen mit Chinas Handelsminister Wang Wentao in Peking. Zuvor hatte China eine ErklĂ€rung veröffentlicht, darin allerdings nur von einer Einigung bei dem Thema gesprochen, ohne nĂ€here Details zu nennen.
Laut Sefcovic ist dies das erste Mal, dass China akzeptiert habe, seine Exporte zu mĂ€Ăigen, ohne zuvor eine Phase von Handelsspannungen zu durchlaufen. Konkret erklĂ€rte der Slowake, im Fall der Hybrid- und Plug-in-Hybridautos werde sich die Zahl der von China nach Europa exportierten Fahrzeuge ĂŒber die kommenden vier Jahre um "einige Millionen Fahrzeuge" reduzieren. Die Vereinbarung ist nach Angaben beider Seiten mit den Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) vereinbar.
Bedeutung fĂŒr Deutschlands Autobauer
Die VerstĂ€ndigung könnte fĂŒr die deutschen Autobauer den Druck durch die chinesische Konkurrenz etwas lindern. Denn Hybride sind inzwischen das gröĂte Marktsegment in der EU. Im August waren mehr als 44 Prozent der neu zugelassenen Autos Hybride oder Plug-in-Hybride - also Autos, die einen Verbrennungsmotor mit einem Elektromotor und einer Batterie kombinieren, teils auch mit Ladeanschluss (Plug-in).
Wie bei den rein batteriebetriebenen Elektroautos konnten chinesische Hersteller auch in diesem Segment in Europa zulegen. VW DE0007664039-Chef Oliver Blume warnte vor einigen Wochen: "Chinesische Hersteller drÀngen aggressiv auch nach Europa und gewinnen schnell Marktanteile." Im zweiten Vierteljahr sei jeder dritte verkaufte Plug-in-Hybrid in Europa von chinesischen Herstellern gekommen. Mit ihren Preisen können die deutschen Hersteller nicht mithalten - Experten sprechen von einem "Preiskrieg" angesichts krÀftiger Rabatte von Herstellern wie BYD CNE100000296.
Automobilindustrie mit vorsichtigem Lob
Der Verband der Automobilindustrie (VDA) begrĂŒĂte die Vereinbarung zwischen der EU und China. Die VerstĂ€ndigung sei ein erstes positives Signal, sagte VDA-PrĂ€sidentin Hildegard MĂŒller laut Mitteilung. Zugleich fĂŒgt sie hinzu, eine abschlieĂende Bewertung der Vereinbarungen sei erst möglich, wenn die konkreten Inhalte, Rahmenbedingungen und Auswirkungen auf die Automobilindustrie im Detail bekannt wĂŒrden.
Der Europaabgeordnete Bernd Lange (SPD), Vorsitzender des Handelsausschusses des Parlaments, teilte mit: "Es sind erste Fortschritte sichtbar, aber ein zentraler Durchbruch war das noch nicht." Lange lobte die vereinbarte Reduktion von Importen chinesischer Hybridautos. Dies lindere den Druck auf europÀische Autobauer, ohne den europÀischen Markt abzuschotten.
AuffÀllige Details
Die Vereinbarung zu Hybridautos war allerdings nur einer von 16 Punkten in der gemeinsamen ErklĂ€rung der Chinesen und EuropĂ€er. Beide Seiten sagten unter anderem zu, innerhalb der WTO-Regeln nach einer Möglichkeit zu suchen, Zölle fĂŒr bestimmte GĂŒter zu reduzieren. AuffĂ€llig war dabei, dass nur die EU-Mitteilung zusĂ€tzlich von einer möglichen "Beseitigung" von Zöllen sprach.
Auch Exportkontrollen kamen zur Sprache, wobei sich bei diesem Streitthema weniger Bewegung andeutete. Beide Seiten einigten sich auf mehr Transparenz bei der Aufnahme in eine oder der Streichung von einer Exportkontrollliste.
China erklĂ€rte sich bereit, die Erteilung von Ausfuhrgenehmigungen fĂŒr die Lieferung von seltenen Erden und Permanentmagneten in die EU im Rahmen des Schnellverfahrens weiterhin zu erleichtern. Die EU will Peking dafĂŒr mit einer leichteren Erteilung spezifischer vorrangiger Genehmigungen fĂŒr GĂŒter mit doppeltem Verwendungszweck, also sowohl fĂŒr den zivilen als auch militĂ€rischen Nutzen, entgegenkommen.
Sefcovic betonte, derzeit werde geprĂŒft, wie der Prozess fĂŒr die europĂ€ischen Unternehmen noch reibungsloser und benutzerfreundlicher gestaltet werden könne. China ist fĂŒr seltene Erden ein globaler Hauptproduzent. Die Exportkontrollen hatten in der Industrie in Europa VersorgungsĂ€ngste hervorgerufen.
Wie es weitergeht
Die Ergebnisse wĂŒrden nun EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen vorgelegt und den EU-Mitgliedstaaten, sagte Sefcovic. Hier liege die finale Entscheidung. AuĂerdem stellten Wang und Sefcovic fĂŒr Januar ein weiteres Treffen per Videoschalte in Aussicht. Die dritte Runde der im Juni ins Leben gerufenen Handels- und Investitionsberatungen (Tic) soll im MĂ€rz tagen.
FĂŒr den Fall, dass China insgesamt im Handelskonflikt nicht einlenkt, dringen vor allem Deutschland und Frankreich angesichts wachsender SchĂ€den fĂŒr die europĂ€ische Industrie auf ein entschlosseneres Vorgehen gegen chinesische Importe. Sie fordern unter anderem ein neues Instrument, mit dem der Zugang zum EU-Markt fĂŒr bestimmte Produkte schnell eingeschrĂ€nkt werden könnte.
Die EU fĂŒhrte im vergangenen Jahr Waren im Wert von rund 360 Milliarden Euro mehr aus China ein, als sie dorthin exportierte. BrĂŒssel wirft Peking vor, mit staatlichen Subventionen fĂŒr unfairen Wettbewerb zu sorgen. China warnt dagegen vor protektionistischen MaĂnahmen der EU.

