EU-SouverĂ€nitĂ€t: 200 Milliarden fĂŒr UnabhĂ€ngigkeit von US-Tech
04.06.2026 - 00:35:59 | boerse-global.deDie EuropĂ€ische Kommission will die AbhĂ€ngigkeit von US-Tech-Konzernen mit einem umfassenden MaĂnahmenpaket durchbrechen. Am 3. Juni 2024 stellte sie die âEuropĂ€ische Initiative fĂŒr technologische SouverĂ€nitĂ€tâ vor â ein BĂŒndel aus Gesetzen und Investitionen, das die digitale Infrastruktur der Union auf eigene Beine stellen soll.
Im Kern geht es um zwei GroĂprojekte: den Cloud- und KI-Entwicklungsakt (CADA) und den Chips Act 2.0. Beide zielen auf Sektoren, die heute von amerikanischen und chinesischen Anbietern dominiert werden.
Vier Sicherheitsstufen fĂŒr die Cloud
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Die Marktmacht der US-Giganten ist enorm: Ăber 70 Prozent des europĂ€ischen Cloud-Marktes entfallen auf Amazon Web Services (AWS), Microsoft Azure und Google Cloud. Rund 80 Prozent aller digitalen Dienste in der EU stammen von Anbietern aus Drittstaaten â ein Risiko, das die Kommission nicht lĂ€nger hinnehmen will.
Der CADA fĂŒhrt daher vier Sicherheitsstufen fĂŒr Cloud-Dienste ein. Ăffentliche Einrichtungen mĂŒssen sensible Daten kĂŒnftig in EU-Rechenzentren speichern. FĂŒr besonders kritische Informationen â etwa Verteidigungs- und Sicherheitsakten, geschĂ€tzt rund ein Prozent der öffentlichen Daten â gilt die höchste Stufe (Level 4). Sie schreibt vollstĂ€ndige EU-Kontrolle vor und schlieĂt auslĂ€ndische Technologie aus. Hintergrund sind Sorgen vor dem Zugriff auslĂ€ndischer Geheimdienste und geopolitischen Risiken fĂŒr kritische Infrastrukturen.
Halbleiter: Vom 10- auf 20-Prozent-Anteil
Mit dem Chips Act 2.0 will die EU ihren Anteil an der weltweiten Halbleiterproduktion bis 2030 von zehn auf 20 Prozent verdoppeln. Parallel dazu soll die Rechenzentrums-KapazitĂ€t drastisch wachsen: von aktuell 12 auf 60 Gigawatt innerhalb von fĂŒnf bis sieben Jahren.
Die Kosten sind gewaltig: Rund 200 Milliarden Euro sind fĂŒr den Infrastrukturausbau veranschlagt. Bereits im Juli 2024 soll eine Ausschreibung fĂŒr den Bau sogenannter KI-Gigafabriken starten. ErgĂ€nzt wird das Paket durch eine neue Open-Source-Strategie und einen strategischen Fahrplan fĂŒr Digitalisierung und KI im Energiesektor.
EU gibt jĂ€hrlich 264 Milliarden fĂŒr US-Software aus
Die finanzielle Dimension der AbhĂ€ngigkeit ist beeindruckend: Die Mitgliedsstaaten geben jedes Jahr rund 264 Milliarden Euro fĂŒr US-Software und IT-Dienstleistungen aus. KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen stellte klar: âWir können es uns nicht leisten, bei kritischen Systemen wie Energieversorgung, KrankenhĂ€usern oder Sicherheitsinfrastruktur von externen Anbietern abhĂ€ngig zu bleiben.â
Ein erster symbolischer Schritt folgt bereits heute: Das EuropĂ€ische Parlament stellt seine digitalen Werkzeuge um und fĂŒhrt die europĂ€ische Suchmaschine Qwant als Standard ein.
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Industrie warnt vor digitaler Isolation
Die Reaktionen auf das Paket fallen gemischt aus. Der Digitalverband Bitkom begrĂŒĂt die Ziele grundsĂ€tzlich. Doch andere Stimmen mahnen zur Vorsicht: Der Verband eco warnt vor den Risiken einer digitalen Isolation, wĂ€hrend der ZVEI auf die Fallstricke langfristiger Subventionsprogramme hinweist. Digitalminister Wildberger plĂ€diert fĂŒr eine Strategie der Kooperation statt vollstĂ€ndiger Abschottung.
Das Gesetzespaket geht nun an das EuropĂ€ische Parlament und die Mitgliedsstaaten â dort wird ĂŒber die endgĂŒltige Ausgestaltung verhandelt.
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