EU-Untersuchung, JDcom-Übernahme

EU-Untersuchung: JD.com-Übernahme von Ceconomy auf dem Prüfstand

28.05.2026 - 14:48:48 | boerse-global.de

Die EU-Kommission untersucht die milliardenschwere Übernahme von Ceconomy durch JD.com erstmals mit neuen Regeln gegen ausländische Subventionen.

EU-Untersuchung: JD.com-Übernahme von Ceconomy auf dem Prüfstand - Foto: über boerse-global.de
EU-Untersuchung: JD.com-Übernahme von Ceconomy auf dem Prüfstand - Foto: über boerse-global.de

Die Europäische Kommission hat eine tiefgreifende Untersuchung der milliardenschweren Übernahme von Ceconomy durch den chinesischen E-Commerce-Riesen JD.com gestartet. Es ist das erste Verfahren, bei dem die EU ihre neuen Regeln gegen ausländische Subventionen auf eine chinesische Großübernahme anwendet.

Erste Bewährungsprobe für neue Subventionsregeln

Die geplante Übernahme des MediaMarkt- und Saturn-Mutterkonzerns Ceconomy durch JD.com sorgt für politischen Zündstoff in Brüssel. EU-Wettbewerbskommissarin Teresa Ribera äußerte bereits konkrete Bedenken: Der chinesische Konzern könnte von massiven staatlichen Vergünstigungen profitiert haben – darunter Vorzugsfinanzierungen, Steuererleichterungen und direkte Zuschüsse. Diese Subventionen, so die Befürchtung, könnten den europäischen Binnenmarkt verzerren.

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Die EU-Kommission hat sich bis zum 2. Oktober Zeit gegeben, um eine endgültige Entscheidung zu treffen. Während Frankreich und Italien dem Deal bereits zugestimmt haben, läuft die Prüfung in Deutschland und Spanien noch. Österreich hat sich kritisch zu der Übernahme geäußert.

Deutschland startet eigene Sicherheitsprüfung

Parallel zur EU-Ebene hat die Bundesregierung eine nationale Sicherheitsüberprüfung eingeleitet. Im Fokus stehen der Schutz von Kundendaten und die Sicherheit von Lieferketten. Die Bedenken sind nicht neu: Bereits in der Vergangenheit hatten deutsche Behörden bei chinesischen Investitionen in kritische Infrastruktur ein wachsames Auge.

Die Zurückhaltung gegenüber dem Deal spiegelt eine grundsätzliche Verunsicherung wider. Eine aktuelle Studie des Centre for European Reform mit dem Titel „China Shock 2.0“ warnt davor, dass chinesische Staatsunternehmen gezielt forschungsintensive Industrien in Europa ins Visier nehmen – mit dem Ziel des Technologietransfers. Die Autoren beobachten, dass diese Investoren oft kurzfristig auf Gewinne verzichten, um langfristig an Know-how zu gelangen.

Handelsbilanz gerät immer mehr aus dem Gleichgewicht

Die wirtschaftlichen Daten untermauern die wachsende Schieflage. 2025 blieb China zwar mit einem bilateralen Volumen von 250 Milliarden Euro Deutschlands wichtigster Handelspartner. Doch die Schere klafft immer weiter auseinander: Die deutschen Importe aus China stiegen um 8,8 Prozent auf 170,6 Milliarden Euro, während die Exporte nach China um 9,7 Prozent auf 81,3 Milliarden Euro einbrachen.

Die Folgen für die deutsche Industrie sind deutlich spürbar. Analysten zufolge gingen im Jahr 2025 bis zu 124.000 Arbeitsplätze im Industriesektor verloren. Ein Grund: die wachsende Konkurrenz aus Fernost, die mit staatlicher Unterstützung in immer mehr Schlüsselbranchen vordringt.

Reiche sucht den Drahtseilakt in Peking

Vor diesem Hintergrund ist Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche seit dem 26. Mai zu einem viertägigen Besuch in China. An der Spitze einer 40-köpfigen Wirtschaftsdelegation – darunter die Vorstandsvorsitzenden von BASF und Thyssenkrupp – versucht sie, Kooperation und faire Marktbedingungen unter einen Hut zu bringen.

In Peking betonte die Ministerin die Notwendigkeit eines verlässlichen Zugangs zu kritischen Rohstoffen und Seltenen Erden. Sie forderte einen vertrauensvollen und offenen Austausch, wies aber auch auf das enorme Handelsungleichgewicht hin: Der chinesische Handelsüberschuss liegt bei rund 1,2 Billionen Euro. Reiche machte deutlich, dass chinesische Investitionen zwar willkommen seien, aber idealerweise ein hohes Maß an lokaler Innovation und Fertigungstiefe mitbringen sollten.

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Rohstoff-Engpass gefährdet Hightech-Industrie

Die Dringlichkeit der diplomatischen Mission wird durch einen drastischen Einbruch bei wichtigen Industriematerialien unterstrichen. Im April 2026 sanken die chinesischen Exporte von Gallium und Germanium nach Deutschland auf ein vernachlässigbares Niveau. Bei Gallium waren es nur noch wenige Kilogramm – nach mehr als 5.000 Kilogramm im März.

Diese Metalle sind unverzichtbar für die Produktion von Halbleitern, 5G-Technologie und Glasfaserkabeln. Der Rohstoffhändler Tradium warnte, dass die Exportbeschränkungen eine direkte Bedrohung für ganze industrielle Lieferketten darstellen. Branchenexperten sehen in der Verschärfung der Exportlizenzen durch Peking ein politisches Signal an die europäischen Regulierungsbehörden, die über Schutzmaßnahmen nachdenken.

EU-Mitgliedstaaten uneins über den richtigen Kurs

Die Frage, wie man mit Chinas wirtschaftlichem Einfluss umgehen soll, spaltet die Europäische Union. Mehrere Länder – darunter Frankreich, Italien, Spanien, die Niederlande und Litauen – drängen die EU-Kommission zu einem härteren Kurs gegen chinesische Überkapazitäten und aggressive Handelspraktiken. Sie fordern den Einsatz aller verfügbaren Instrumente, von Zöllen bis zu strengeren Joint-Venture-Regeln.

Die Bundesregierung hält sich dagegen zurück und setzt weiter auf Dialog und Kooperation, um einen handfesten Handelskonflikt zu vermeiden. Erst im Frühjahr hatte die deutsche Führung ein neues Handelsabkommen zur Stabilisierung der Beziehungen vorgeschlagen – ein Vorstoß, der Berichten zufolge in Brüssel abgelehnt wurde.

Während die EU nun ihre Untersuchung gegen JD.com und andere staatlich subventionierte Unternehmen vorantreibt, bleibt der Spagat zwischen offenen Märkten und dem Schutz industrieller Souveränität die zentrale Herausforderung für die europäische China-Politik.

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