Außenhandel Deutschland, Exporte August 2026

Exporte sinken im August erneut – Handelsdefizit mit China wächst

Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 11:58 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Deutschlands Exporte sind im August erneut gesunken, während die Importe zulegten. Besonders deutlich verschärft sich das Ungleichgewicht im Handel mit China.

  • Der Außenhandel läuft zu großen Teilen über die Häfen (Archivbild)  - Bild: Hauke-Christian Dittrich/dpa
    Der Außenhandel läuft zu großen Teilen über die Häfen (Archivbild) - Bild: Hauke-Christian Dittrich/dpa
  • Autos stehen im Hafen von Shanghai zum Export bereit. (Archivbild)  - Bild: Uncredited/CHINATOPIX via AP/dpa
    Autos stehen im Hafen von Shanghai zum Export bereit. (Archivbild) - Bild: Uncredited/CHINATOPIX via AP/dpa
Der Außenhandel läuft zu großen Teilen über die Häfen (Archivbild)  - Bild: Hauke-Christian Dittrich/dpa Autos stehen im Hafen von Shanghai zum Export bereit. (Archivbild)  - Bild: Uncredited/CHINATOPIX via AP/dpa

Deutschlands Exporte sind im August erneut gesunken, während die Importe zulegten und der Außenhandelsüberschuss schrumpfte.

Exporte geben erneut nach

Der Wert der ausgeführten Waren sank nach vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes kalender- und saisonbereinigt um 0,8 Prozent auf 137,6 Milliarden Euro. Bereits im Juli waren die Exporte um 0,5 Prozent zurückgegangen.

Die Importe stiegen im Monatsvergleich dagegen um 0,9 Prozent auf 118,1 Milliarden Euro. Der Außenhandelsüberschuss verringerte sich damit auf 19,5 Milliarden Euro, nach revidierten 21,6 Milliarden Euro im Juli.

China wird zum Problemfall

Im Vergleich zum Vorjahresmonat legten die Exporte nominal um 6,2 Prozent und die Importe um 5,5 Prozent zu. Die Monatswerte zeigen damit trotz der Rückgänge im Sommer ein höheres nominales Handelsvolumen als ein Jahr zuvor.

Nach China stiegen die deutschen Ausfuhren im August zwar um 4,7 Prozent. In den ersten acht Monaten des Jahres sanken sie jedoch um 12,9 Prozent, während die Importe aus China um 10,1 Prozent zunahmen. Das Defizit im Handel mit der Volksrepublik wuchs dadurch auf 76 Milliarden Euro.

USA bleiben wichtigster Einzelmarkt

Die USA blieben der wichtigste Einzelmarkt für deutsche Waren. Die Ausfuhren dorthin sanken im August gegenüber dem Vormonat um 6,3 Prozent; im bisherigen Jahresverlauf lagen sie noch 1,1 Prozent über dem Vorjahreswert.

In die EU exportierten deutsche Unternehmen im August Waren im Wert von 77,5 Milliarden Euro, 0,6 Prozent weniger als im Juli. Die Importe aus EU-Staaten gingen um 0,4 Prozent auf 59,3 Milliarden Euro zurück. In Länder außerhalb der EU sanken die deutschen Ausfuhren um 1,1 Prozent.

Verbände fordern Reaktion

Die Deutsche Industrie- und Handelskammer wertete den Rückgang als Zeichen dafür, dass die vorherige Exportbelebung nicht nachhaltig gewesen sei. Der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen verlangte von der EU Maßnahmen gegen nachgewiesene Wettbewerbsverzerrungen, die gezielt, verhältnismäßig und mit den Regeln der Welthandelsorganisation vereinbar sein müssten.

Der BGA hob am Vortag seine Prognose für die deutschen Exporte im laufenden Jahr leicht an. Erwartet wird nun ein Wachstum von 1,0 Prozent auf 1.580 Milliarden Euro; zuvor hatte der Verband mit 0,6 Prozent gerechnet.

Strukturelle Verschiebung im Chinageschäft

Die August-Zahlen markieren mehr als eine monatliche Schwankung. Deutschlands Exportmodell bleibt stark von der Industrie und von wenigen großen Absatzmärkten abhängig. Besonders deutlich zeigt sich die Verschiebung im Verhältnis zu China: Während deutsche Unternehmen dort weniger absetzen, nehmen die Einfuhren zu. Das erhöht den Anpassungsdruck auf Branchen wie Autoindustrie, Maschinenbau und Chemie.

Gleichzeitig ist die Lage nicht mit einem flächendeckenden Einbruch gleichzusetzen. Die Produktion der deutschen Unternehmen stieg im August, vor allem wegen eines kräftigen Zuwachses im Baugewerbe und einer höheren Industrieproduktion. Der Außenhandel entwickelt sich damit schwächer als einzelne binnenwirtschaftliche Produktionsdaten. Für die Gesamtwirtschaft ist entscheidend, ob die zusätzlichen Aufträge dauerhaft in Exporte münden oder vor allem vom Binnenmarkt und von staatlich beziehungsweise sicherheitsbedingt geprägten Nachfrageimpulsen getragen werden.

Handelspolitischer Druck wächst

Das wachsende Defizit im Handel mit China verschärft die Debatte über Wettbewerbsbedingungen und strategische Abhängigkeiten. In der EU werden deshalb schnellere Reaktionsmöglichkeiten gegen nachgewiesene Wettbewerbsverzerrungen und eine breitere Streuung von Lieferketten diskutiert. Solche Maßnahmen könnten Unternehmen schützen, würden aber zugleich das Risiko von Gegenmaßnahmen und höheren Beschaffungskosten erhöhen.

Für Deutschland bleibt das US-Geschäft trotz Zollspannungen ein wichtiger Stützpfeiler. Der Rückgang im August zeigt jedoch, dass auch dieser Markt keine verlässliche Einbahnstraße ist. Unternehmen müssen daher Absatzmärkte, Lieferketten und Investitionen stärker diversifizieren; für Beschäftigte und Regionen mit hoher Exportabhängigkeit steigt damit die Bedeutung des industriellen Strukturwandels.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau: „Deutsche Unternehmen fahren Produktion überraschend deutlich hoch“ (07.10.2026)

Der Bericht betone, die deutsche Produktion sei im August trotz Belastungen durch Niedrigwasser deutlich gestiegen. Zugleich hebe er hervor, die Exportprognose des BGA sei zwar auf ein Plus von 1,0 Prozent angehoben worden, eine Trendwende im Außenhandel sei damit aber noch nicht verbunden. Anders als die dpa-Meldung richte der Beitrag den Schwerpunkt stärker auf Produktion, Baugewerbe und Auftragseingänge.

n-tv: „EU soll "Zweitschlagswaffe" gegen Chinas Importe bekommen“ (06.10.2026)

Der Artikel beschreibe deutsch-französische Vorschläge für ein schneller einsetzbares EU-Instrument gegen schwere Wettbewerbsverzerrungen und ordne diese vor allem im Verhältnis zu China ein. Er bestätige damit den handelspolitischen Druck hinter dem wachsenden Ungleichgewicht, setze den Schwerpunkt jedoch auf mögliche Schutzmaßnahmen und deren begrenzte Glaubwürdigkeit angesichts gegenseitiger Abhängigkeiten.

Beide Berichte stellten eine vorsichtige Stabilisierung einzelner Wirtschaftsbereiche neben anhaltende Risiken im Außenhandel. Unterschiedlich gewichtet würden vor allem die binnenwirtschaftliche Produktion und die europäische Handelspolitik; offen bleibe, ob die Exportflaute vorübergehend sei oder eine längerfristige Verschiebung der deutschen Handelsbeziehungen widerspiegele.

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