EZB-Nachfolge: EurolÀnder nominieren Kandidaten bis Freitag
Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 14:08 Uhr | dpa, AD HOC NEWSWeitere Personalwechsel bei der EZB
- Christine Lagarde soll am 7. Februar 2027 aus dem Amt der EZB-PrÀsidentin ausscheiden.
- Die Eurogruppe will am Montag, 9. November, eine Bestandsaufnahme der Nominierungen vornehmen.
- Auch Isabel Schnabel und Philip R. Lane sollen im kommenden Jahr aus dem EZB-Direktorium ausscheiden.
EurolÀnder starten Suche nach Lagarde-Nachfolge
Deutschland und die anderen EurolĂ€nder sollen bis Freitag Kandidatinnen und Kandidaten fĂŒr die Nachfolge von Christine Lagarde an der Spitze der EuropĂ€ischen Zentralbank nominieren. Die Eurogruppe will bei ihrem Treffen am 9. November eine Bestandsaufnahme der VorschlĂ€ge vornehmen.
EZB-PrÀsidentin geht Anfang Februar
Lagarde hatte angekĂŒndigt, die EZB am 7. Februar 2027 und damit fast neun Monate vor dem regulĂ€ren Ende ihrer Amtszeit zu verlassen. Die Staats- und Regierungschefs der 21 Eurostaaten mĂŒssen ihre Nachfolge deshalb frĂŒher regeln.
Die Eurogruppe ist das informelle Gremium der Wirtschafts- und Finanzminister der EurolÀnder. Sie gibt eine Empfehlung ab, auf deren Grundlage die Staats- und Regierungschefs der EU die Mitglieder des EZB-Direktoriums ernennen.
Deutschland will Einfluss geltend machen
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil machte deutlich, dass Deutschland als gröĂter Staat im Euroraum sein Gewicht einbringen will. Bundesbank-PrĂ€sident Joachim Nagel hat Interesse an dem Amt bekundet.
Deutschland stellte in der mehr als 25-jĂ€hrigen Geschichte der EZB noch nie den PrĂ€sidenten. Als Favoriten gelten der frĂŒhere niederlĂ€ndische Zentralbankchef Klaas Knot und der Spanier Pablo HernĂĄndez de Cos, der die Bank fĂŒr Internationalen Zahlungsausgleich fĂŒhrt.
Mehrere Spitzenposten werden frei
Auch EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel und EZB-Chefökonom Philip R. Lane verlassen im Laufe des kommenden Jahres die Zentralbank. Deshalb dĂŒrfte auf europĂ€ischer Ebene ein Personalpaket verhandelt werden.
Die vorgezogene Nachfolge an der EZB-Spitze fĂ€llt in eine Phase, in der mehrere zentrale Personalentscheidungen gebĂŒndelt werden. Neben der PrĂ€sidentin scheiden im kommenden Jahr auch Isabel Schnabel und EZB-Chefökonom Philip R. Lane aus dem Direktorium aus. Dadurch dĂŒrfte die Besetzung der Ămter nicht isoliert, sondern als europĂ€isches Gesamtpaket verhandelt werden.
Das Verfahren verteilt den Einfluss auf mehrere Institutionen. Die EurolĂ€nder sprechen zunĂ€chst ĂŒber geeignete Namen und geben eine Empfehlung ab. AnschlieĂend entscheiden die Staats- und Regierungschefs der EU unter Einbeziehung der Stellungnahmen des EuropĂ€ischen Parlaments und des EZB-Rats. FĂŒr die Eurostaaten geht es damit nicht nur um eine Personalie, sondern auch um die kĂŒnftige Balance zwischen den groĂen und kleineren MitgliedslĂ€ndern.
Entscheidung mit geldpolitischer Bedeutung
Die Wahl der EZB-Spitze kann die Wahrnehmung der Geldpolitik und der europĂ€ischen FinanzmĂ€rkte beeinflussen, auch wenn die UnabhĂ€ngigkeit der Notenbank institutionell geschĂŒtzt ist. Deutschland will als gröĂte Volkswirtschaft des Euroraums Gewicht in die GesprĂ€che einbringen; mit Joachim Nagel steht ein deutscher Bewerber im Raum.
FĂŒr BĂŒrgerinnen und BĂŒrger bleibt vor allem die Zinsentwicklung relevant. Der EZB-PrĂ€sident oder die EZB-PrĂ€sidentin fĂŒhrt den Rat nicht allein, prĂ€gt aber die Kommunikation und die strategische Ausrichtung der Notenbank. Der nĂ€chste konkrete Schritt ist die Bestandsaufnahme der VorschlĂ€ge am 9. November.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Euronews: âDas Rennen um die Spitze der EZB hat offiziell begonnenâ (03.11.2026)
Der Beitrag bestĂ€tige die Frist fĂŒr VorschlĂ€ge bis Freitag und die Beratung der Eurogruppe am 9. November. Einen Schwerpunkt setze er auf das formale Abstimmungsverfahren, die UnterstĂŒtzung der Kandidaten sowie die Namen Pablo HernĂĄndez de Cos und Klaas Knot.
n-tv: âEZB-Vorsitz: Euro-LĂ€nder beraten am Montag erstmals ĂŒber Nachfolge fĂŒr Lagardeâ (03.11.2026)
Der Beitrag bestÀtige ebenfalls die schnelle Einleitung des Verfahrens und stelle die politische Bedeutung der französischen PrÀsidentschaftswahl heraus. Anders als Euronews betone er, dass am Montag noch keine Entscheidung erwartet werde; offen bleibe damit, wann sich die EurolÀnder auf eine Empfehlung verstÀndigen.
Beide BeitrĂ€ge stimmten beim Zeitplan und bei den aussichtsreichen Namen ĂŒberein. Unterschiede lĂ€gen vor allem in der Gewichtung des Verfahrens, der französischen Innenpolitik und der Frage, wie schnell eine gemeinsame Empfehlung entstehen könne.
