Fachkräftemangel, Millionen

Fachkräftemangel: 4,2 Millionen ältere gegen 2,6 Millionen junge

Veröffentlicht am: 25.07.2026 um 00:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Analyse zeigt dramatische Lücke zwischen Berufseinsteigern und älteren Beschäftigten. Ostdeutschland und Handwerk besonders betroffen.

Fachkräftemangel: 4,2 Mio. Ältere stehen 2,6 Mio. Jungen gegenüber
Professionelle Büroumgebung mit Fokus auf strategische Personalentwicklung und Fachkräfteförderung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Der demografische Wandel hinterlässt tiefe Spuren. Einer aktuellen Analyse zufolge stehen 4,2 Millionen Beschäftigte über 60 Jahren nur 2,6 Millionen Berufseinsteiger gegenüber. Die Lücke wächst – und wird teuer.

Regionale Unterschiede: Osten stärker betroffen

Die Analyseplattform HRlab hat die Zahlen am 23. Juli veröffentlicht. Das Ergebnis: In keinem deutschen Landkreis wächst genug Nachwuchs nach, um die altersbedingten Abgänge zu kompensieren. Besonders krass ist das Gefälle zwischen Ost und West.

In Westdeutschland kommen auf 100 Berufseinsteiger rund 159 ältere Beschäftigte. Im Osten sind es 181. Spitzenreiter ist der Landkreis Spree-Neiße: Dort treffen 292 ältere Arbeitnehmer auf 100 junge Fachkräfte.

Hinzu kommt: 44 Prozent der Beschäftigten denken über einen vorzeitigen Ausstieg nach. Der wirtschaftliche Schaden? Rund 47 Milliarden Dollar jährlich.

Handwerk schlägt Alarm

Die Handwerkskammer Region Stuttgart fordert Ende Juli eine Reform der Weiterbildungsförderung. Das Aufstiegs-BAföG reiche nicht aus, kritisiert die Kammer. Eine zweite Fortbildung auf gleicher Stufe werde nicht gefördert. Zudem belasten Eigenanteile und KfW-Darlehen die angehenden Fachkräfte.

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Der Druck ist enorm: Allein in der Region Stuttgart stehen 5.000 Betriebe vor einer Übergabe. Im vergangenen Jahr qualifizierte die örtliche Bildungsakademie gerade mal 200 Handwerker für Führungsaufgaben.

Beim Jahrestreffen von Handwerk BW am 24. Juli forderte Verbandspräsident Rainer Reichhold eine Verdoppelung der Meisterprämie. Auch das Programm „Horizont Handwerk“ müsse erhalten bleiben.

Bund fördert digitale Kompetenzen

Das Familienministerium hat am 22. Juli die Förderrichtlinie „DiKAp“ veröffentlicht. Ziel: Geringqualifizierte und Beschäftigte in einfachen Tätigkeiten fit für den digitalen Wandel machen. Der Fokus liegt auf kleinen und mittleren Unternehmen.

Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) setzt die Richtlinie um. Unternehmen können ihre Projektskizzen bis zum 30. September einreichen. Die Förderung läuft bis 2030.

Zukunftskompetenzen im Fokus

Die IHK Region Stuttgart lädt am 9. November zu einem Fachkräfte-Summit. Thema: Strategische Personalentwicklung und der Einfluss von Künstlicher Intelligenz auf die Arbeitswelt.

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Parallel trifft sich der Maschinenbau am 10. und 11. November in Berlin. Auf dem 16. Deutschen Maschinenbau-Gipfel geht es um KI-Potenziale und geopolitische Risiken.

Früh übt sich: Praktikumswochen für Schüler

Regionale Initiativen setzen auf frühe Berufsorientierung. Das Projekt „Erfolgsbegleiter“ der IHK und HWK Osnabrück–Emsland–Grafschaft Bentheim hat im ersten Halbjahr 2026 bereits 45 neue Ausbildungsbotschafter qualifiziert.

In Baden-Württemberg starten im Herbst die Praktikumswochen. Schüler ab der achten Klasse lernen Unternehmen direkt vor Ort kennen. Erste Erhebungen zeigen: Bei 89 Prozent der Teilnehmer entsteht eine klarere Vorstellung von der beruflichen Zukunft.

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