Fahrermangel: 80.000 Lkw-Fahrer fehlen in Deutschland – Kabinett reformiert Qualifikation
28.05.2026 - 23:23:24 | boerse-global.deMai 2026 eine umfassende Novelle der Berufskraftfahrer-Qualifikationsverordnung auf den Weg gebracht. Ziel der Reform: den Einstieg in den Logistiksektor deutlich zu erleichtern und dem akuten Fahrermangel entgegenzuwirken.
Mehr Sprachen, kürzere Prüfungen
Die neue Verordnung, die noch im Laufe dieses Jahres in Kraft treten soll, bringt gleich mehrere Erleichterungen für angehende Lkw- und Busfahrer. Besonders wichtig: Die beschleunigte Grundqualifikationsprüfung wird künftig in acht Fremdsprachen angeboten. Neben Englisch stehen dann auch Arabisch, Kroatisch, Polnisch, Rumänisch, Russisch, Türkisch und Ukrainisch zur Wahl.
Die praktische Prüfung wird zudem von 210 auf 120 Minuten verkürzt. Ein weiterer Schritt: Führerscheine aus der Ukraine und Montenegro können künftig ohne erneute Prüfung umgeschrieben werden. Auch bereits innerhalb der EU umgetauschte Drittstaaten-Führerscheine erhalten breitere Anerkennung.
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80.000 Fahrer fehlen
Die Zahlen sind alarmierend. Nach Angaben der IHK Regensburg vom 26. Mai fehlen in Deutschland zwischen 60.000 und 80.000 Berufskraftfahrer. EU-weit wird die Lücke auf rund 400.000 geschätzt.
Die Industrie- und Handelskammer fordert daher ein ganzes Bündel an Maßnahmen. Neben der Modernisierung der Qualifikationssysteme geht es um die Abschaffung des Wohnsitzprinzips bei der Ausbildung und schnellere Visa- und Anerkennungsverfahren für Fachkräfte aus Drittstaaten. Auch der verstärkte Einsatz von Lang-Lkw soll die Effizienz steigern.
Sicherheitstraining für Riesen-Laster
Mit der politischen Öffnung für längere Fahrzeuge wächst auch der Bedarf an speziellen Schulungen. Seit dem 28. Mai stehen aktualisierte Trainingsmodule für Lang-Lkw zur Verfügung. Voraussetzung ist der gültige Führerschein der Klasse C/CE. Die halbtägigen Kurse behandeln Fahrdynamik, Sicherheitsprotokolle, Routenplanung und die rechtlichen Rahmenbedingungen für überlange Fahrzeuge.
Auch die Sicherheitstechnik entwickelt sich weiter. Der Hersteller Jung Hebe- und Transporttechnik kündigte an, seine JKB-Serie ab Juni mit einer neuen Verriegelungsfunktion auszustatten. Die Vorrichtung verbessert die Spurhaltung bei Schwerlasttransporten.
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E-Lkw in der Fahrschule
Die Modernisierung zeigt sich auch in den Ausbildungswerkstätten selbst. Am 27. Mai stellte das französische Schulungszentrum ECF Pro Boulogne-sur-Mer einen Mercedes-Benz eActros 600 als ersten batterieelektrischen Fahrschul-Lkw des Landes vor. Das Fahrzeug wurde speziell umgerüstet – mit einer Sitzbank für vier weitere Personen und einem zweiten Pedalsatz für den Fahrlehrer.
Große Logistiker rüsten parallel ihre Fernverkehrsflotten auf. Der litauische Transportdienstleister TRANSTIRA bestellte Ende Mai über 500 Einheiten des Mercedes-Benz Actros L ProCabin. Die Auslieferung läuft über das gesamte Jahr 2026. Die Fahrzeuge punkten mit aerodynamischen Verbesserungen und digitalen Assistenzsystemen wie Active Brake Assist 6 Plus und Active Sideguard Assist 2 – ein klares Zeichen, dass die Branche auf moderne Sicherheitstechnik setzt.
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