FDP-Reform, Erbschaftssteuer

FDP-Reform: Erbschaftssteuer und Soli sollen komplett weg

31.05.2026 - 22:18:42 | boerse-global.de

FDP fordert Abschaffung von Erbschaftssteuer und Soli. KI in der Steuerverwaltung wird erlaubt. Sozialabgaben nÀhern sich der 50-Prozent-Marke.

Plug Power's Supply Chain Gamble Amid a Shifting Hydrogen Landscape - Foto: ĂŒber boerse-global.de
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Gleich mehrere politische und rechtliche Entwicklungen zeichnen sich ab, die Unternehmer und SelbststÀndige direkt betreffen. Besonders brisant: Die Sozialabgaben nÀhern sich der 50-Prozent-Marke.

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FDP auf Reformkurs: Erbschaftssteuer und Soli sollen weg

Auf ihrem Parteitag am 31. Mai 2026 stimmten die Liberalen unter ihrem neuen Vorsitzenden Wolfgang Kubicki fĂŒr eine umfassende Neuordnung des Steuersystems. Kernforderungen: die vollstĂ€ndige Abschaffung der Erbschaftssteuer und des SolidaritĂ€tszuschlags. FĂŒr Unternehmen peilt die FDP einen maximalen Steuersatz von 20 Prozent an.

Auch die Einkommenssteuer soll reformiert werden. Geplant ist ein Vier-Stufen-Modell mit SĂ€tzen von 15, 25, 35 und 42 Prozent. Eine neue Regel soll zudem garantieren, dass von jedem zusĂ€tzlich verdienten Euro mindestens 50 Cent beim Steuerzahler bleiben. Weniger BĂŒrokratie verspricht die FDP durch die Abschaffung von zehn Bundesgesetzen bis Ende 2030.

Haftung und Verlustverrechnung: Die rechtliche Basis

Die steuerliche Behandlung von Gesellschaftern bleibt komplex. Grundlage sind das Handelsgesetzbuch (HGB) und das Einkommenssteuergesetz (EStG). Ein persönlich haftender Gesellschafter haftet demnach mit seinem gesamten Vermögen. Der Bundesfinanzhof (BFH) stellte bereits 2016 klar, dass individuelle HaftungsbeschrÀnkungen steuerlich in der Regel nicht anerkannt werden.

FĂŒr Gesellschafter einer GbR gelten besondere Regeln nach § 15a EStG. Ein BMF-Schreiben von 2014 betont: Zwar haften Gesellschafter einer Außen-GbR persönlich, doch HaftungsausschlĂŒsse sind durch bestimmte Vertragsgestaltungen möglich. Der BFH prĂ€zisierte im Februar 2021, dass der Austausch eines persönlich haftenden Gesellschafters das gewerbliche GeprĂ€ge einer Partnerschaft maßgeblich beeinflusst.

Bei der steuerlichen Gewinnermittlung muss das Kapitalkonto eines Gesellschafters der Steuerbilanz zum Bilanzstichtag folgen. Ein BFH-Urteil von November 2022 unterstreicht den Unterschied zwischen steuerlichen Kapitalkonten und solchen des Schuldrechts – Differenzen entstehen oft durch spezifische Steuerregeln oder abweichende Gewinnverteilungen.

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RentenlĂŒcke aufgedeckt: Tausende SelbststĂ€ndige zahlen nicht

Ein Bericht des Bundesrechnungshofs (BRH) vom 30. Mai 2026 offenbart eklatante VersĂ€umnisse bei der Deutschen Rentenversicherung (DRV). Tausende SelbststĂ€ndige, die eigentlich pflichtversichert sind, zahlen derzeit keine BeitrĂ€ge. Der DRV sei dieses Problem seit ĂŒber 20 Jahren bekannt, habe aber seine Registrierungspflicht nicht erfĂŒllt.

Der finanzielles Schaden ist enorm: Pro nicht gemeldeter Person entgehen jĂ€hrlich rund 5.000 Euro an BeitrĂ€gen. Die DRV verweist auf eine geplante Pflichtversicherung fĂŒr alle neu SelbststĂ€ndigen, um das systemische Problem zu lösen.

KI in der Steuerverwaltung: Jahressteuergesetz 2026

Das Bundesfinanzministerium hat am 31. Mai 2026 einen Entwurf fĂŒr das Jahressteuergesetz 2026 vorgelegt. Dieser erlaubt erstmals den Einsatz kĂŒnstlicher Intelligenz in der Steuerverwaltung. Konkret dĂŒrfen KI-Systeme mit echten Steuerdaten trainiert werden – allerdings nur unter der Auflage, dass die Trainingsdaten nach maximal einem Jahr gelöscht werden. Das Ministerium betont: KI soll lediglich als Hilfswerkzeug fĂŒr menschliche Sachbearbeiter dienen.

Positiv fĂŒr Unternehmen: Die steuerliche Forschungsförderung soll steigen. Die jĂ€hrliche Obergrenze wird von 15 auf 25 Millionen Euro angehoben.

Sozialabgaben und BĂŒrokratie: Warnsignale aus der Wirtschaft

Die Belastung durch Sozialabgaben wĂ€chst rasant. Dirk Jandura, PrĂ€sident des Bundesverbands Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), warnte am 31. Mai 2026: Die SozialbeitrĂ€ge steuern auf die 50-Prozent-Marke zu. Ohne strukturelle Reformen drohe der deutschen Wirtschaft der Niedergang.

Diese EinschĂ€tzung teilt der SachverstĂ€ndigenrat Wirtschaft in seinem FrĂŒhjahrsgutachten. Ohne Reform wĂŒrden die BeitrĂ€ge zur Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung bald mehr als die HĂ€lfte des Bruttolohns verschlingen. Hinzu kommen explodierende BĂŒrokratiekosten: Das Ifo-Institut beziffert sie auf jĂ€hrlich 146 Milliarden Euro. Seit 2010 ist der Umfang der Bundesgesetze von 25.000 auf 40.000 Seiten angewachsen. Deutsche Unternehmen mussten seit 2022 ĂŒber 300.000 zusĂ€tzliche Mitarbeiter allein fĂŒr Verwaltungsaufgaben einstellen.

Agrardiesel: Neue Regeln fĂŒr 2026

Im Agrarsektor gelten ab 2026 neue Regelungen fĂŒr die BetriebsmittelvergĂŒnstigung. Erstmals können auch gewerblich geprĂ€gte Personengesellschaften wie bestimmte GbRs, KGs oder OHGs AgrardieselvergĂŒtung beantragen – sofern sie bestimmte Grenzen bei den Vieheinheiten einhalten. Die VergĂŒtung betrĂ€gt 21,48 Cent pro Liter. AntrĂ€ge fĂŒr das Jahr 2026 mĂŒssen ausschließlich ĂŒber digitale Portale gestellt werden.

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