Feedback-Kultur, Prinzipien

Feedback-Kultur: Vier Prinzipien gegen subjektive Teambewertungen

Veröffentlicht am: 28.08.2026 um 15:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Experten empfehlen Führungskräften systematisches Feedback, klare Ziele und Selbstreflexion, um Teams fair zu beurteilen und Proximity Bias zu vermeiden.

Führung wirksam gestalten: Feedback, Selbstkontrolle und faire Bewertung
Ein minimalistisch eingerichtetes, modernes Büro mit einem leeren Schreibtisch in der Abendsonne. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

In der modernen Managementtheorie wird Authentizität oft als erstrebenswertes Ideal dargestellt. Der Organisationspsychologe Tomas Chamorro-Premuzic setzt hier einen deutlichen Kontrapunkt und ordnet Authentizität am Arbeitsplatz als potenziell unprofessionell ein.

Führung müsse stattdessen primär als Rolle verstanden werden, bei der nicht die Selbstdarstellung der Führungsperson, sondern deren Wirkung auf das Team und das Unternehmen im Vordergrund stehe. Als entscheidende Schlüsselkompetenzen identifiziert er dabei emotionale Intelligenz sowie eine ausgeprägte Selbstkontrolle.

Systematisches Feedback statt bloßer Annahmen

Ein wesentliches Defizit in der aktuellen Führungspraxis ist die Art der Teambewertung. Marktbeobachtungen zeigen, dass sich viele Führungskräfte bei der Einschätzung ihrer Mitarbeiter oft auf subjektive Annahmen, einzelne Stimmen oder veraltete Datensätze verlassen, anstatt systematische Instrumente zu nutzen.

Um eine objektivere Basis zu schaffen, werden vier zentrale Prinzipien für die Feedback-Kultur empfohlen: die Regelmäßigkeit der Erhebung, die Einbeziehung einer breiten Datenbasis, die Analyse von Trends sowie die strikte Trennung von Leistungsfähigkeit (Können) und Leistungsbereitschaft (Wollen).

Ergänzend dazu thematisiert die Expertin Lise Lewis in ihrer Publikation „Feedback Intelligence“ die Bedeutung von relationalem Feedback für die Führungskräfteentwicklung. Das im Verlag Routledge erschienene, 180-seitige Werk für CHF 196.50 befasst sich intensiv mit der Gestaltung von Beziehungen durch Rückmeldeprozesse.

Differenzierte Gesprächsführung bei Leistungsdefiziten

Der Umgang mit schwächeren Teammitgliedern erfordert laut Experten eine präzise Trennung zwischen der eigentlichen Arbeitsleistung und der geäußerten Kritik. Führungskräfte sollten bei Leistungsdefiziten konkrete Gespräche führen, dabei jedoch offen für Gegenvorschläge bleiben und diese fair bewerten, beispielsweise durch gezielte Rückfragen.

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Bevor eine Kündigung in Betracht gezogen wird, rät die Beraterin Regina Volz zur Selbstreflexion der Führungskraft. Es müsse geprüft werden, ob die Erwartungen klar kommuniziert wurden und ob ausreichend Feedback geflossen sei. Oft liege die Ursache für Probleme nicht allein beim Mitarbeiter, sondern hänge mit dem Führungsverhalten zusammen.

Auch die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Führungsstilen, wie sie etwa durch die sechs Modelle von Daniel Goleman bekannt sind, unterstreicht die Notwendigkeit einer situationsgerechten Anpassung des Verhaltens.

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Herausforderungen durch Remote Work und Proximity Bias

Die zunehmende Vernetzung in Remote-Teams stellt zusätzliche Anforderungen an die Kommunikation. Hier haben sich fünf zentrale Werte etabliert: Klarheit, Prägnanz, Kohärenz, Konsistenz und Selbstvertrauen. Während Studien bei gut vernetzten Mitarbeitern Produktivitätssteigerungen von 20 bis 25 Prozent belegen, bleibt die psychische Belastung hoch. Nahezu die Hälfte der Angestellten sei laut Erhebungen von Burnout-Risiken betroffen.

Zudem warnt die Fachpresse vor dem sogenannten „Proximity Bias“. Dabei handelt es sich um eine kognitive Verzerrung, bei der physisch anwesende Mitarbeiter fälschlicherweise als produktiver wahrgenommen werden als Kollegen im Homeoffice. Strategien zur Vermeidung dieser Verzerrung umfassen eine strikte Bewertung nach vordefinierten Zielen sowie die verstärkte Nutzung asynchroner Kommunikation, um Chancengleichheit zu gewährleisten.

Weiterbildung und Kompetenzerwerb

Für den Aufstieg in Führungspositionen gelten neben der Kommunikationsfähigkeit auch Entscheidungsfreude, Empathie und Selbstmanagement als Kernkompetenzen. Zur gezielten Weiterbildung werden Formate wie das Web-Seminar „Changemanagement – Kommunikation im Wandel“ angeboten. Unter der Leitung von Referent Mathias Hamann werden dort Themen wie emotionale Dynamiken und Deeskalation behandelt.

Die Teilnahmegebühr für das Seminar liegt bei 350 Euro für Mitglieder und 450 Euro für Gäste. Praktische Schritte zur Karriereentwicklung beinhalten laut Fachberatern zudem die Anwendung von SMART-Zielen, den Aufbau beruflicher Netzwerke und eine gesteigerte interne Sichtbarkeit.

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