Ferienarbeitslosigkeit: 4.000 Referendare protestieren in Baden-Württemberg
Veröffentlicht am: 30.07.2026 um 20:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Am 30. Juli 2026 versammelten sich hunderte Referendare gemeinsam mit der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) vor dem Landtag in Stuttgart. Der Protest richtete sich gegen die gängige Praxis des Landes Baden-Württemberg, angehende Lehrkräfte während der Sommerferien nicht zu bezahlen und sie für diesen Zeitraum in die Arbeitslosigkeit zu entlassen.
Prekäre Situation für 4.000 angehende Lehrkräfte
Nach Angaben der GEW sind in Baden-Württemberg aktuell etwa 4.000 Referendarinnen und Referendare von der sogenannten Sommerferienarbeitslosigkeit betroffen. Die angehenden Lehrer werden für eine Dauer von sechs Wochen arbeitslos gemeldet, bevor sie nach den Ferien ihre Anstellung fortsetzen oder eine neue Stelle antreten können.
Die GEW-Vorsitzende Monika Stein forderte die Landesregierung am 30. Juli 2026 nachdrücklich dazu auf, diesen Zustand zu beenden. Das Ziel der Gewerkschaft ist es, die flächendeckende Bezahlung der Betroffenen über den kommenden Haushalt sicherzustellen. Die aktuelle Regelung wird von den Demonstrierenden als mangelnde Wertschätzung gegenüber dem pädagogischen Nachwuchs kritisiert, insbesondere vor dem Hintergrund des allgemeinen Lehrkräftemangels.
Finanzielle Dimensionen und politische Widerstände
Die Kosten für eine lückenlose Bezahlung der Referendare in den Sommerferien werden auf 11,5 Millionen Euro beziffert. Die GEW verdeutlichte während des Protests die Verhältnismäßigkeit dieser Summe: Die geforderten Mittel entsprächen lediglich etwa einem Tausendstel des gesamten Kultushaushalts des Landes.
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Trotz der im Vergleich zum Gesamtbudget geringen Summe verweigert die Landesregierung bislang die Freigabe der erforderlichen 11,5 Millionen Euro. Innerhalb des Kabinetts zeigt sich dabei ein uneinheitliches Bild. Kultusminister Jung (CDU) setzt sich laut Berichten für eine Lösung des Problems ein und hat das Thema bereits in die laufenden Haushaltsverhandlungen eingebracht. Es gelang ihm jedoch bisher nicht, Finanzminister Bayaz und Ministerpräsident Özdemir von der Notwendigkeit dieser Zusatzausgabe zu überzeugen.
Ungewisse Aussichten trotz Koalitionsvertrag
Die Forderungen der Referendare erhalten Unterstützung aus der Opposition. Die SPD-Fraktion stellte sich hinter die Demonstrierenden und befürwortet das Ende der Ferienarbeitslosigkeit. In der aktuellen Regierungskonstellation bleibt die Lage hingegen festgefahren. Der Koalitionsvertrag zwischen den Grünen und der CDU sieht zwar einen Prüfauftrag zur Ferienarbeitslosigkeit vor, eine konkrete Umsetzung steht jedoch weiterhin aus.
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Vertreter der Regierungsfraktionen zeigten sich bei den Protesten zurückhaltend. Der Grünen-Sprecher Bauer und der CDU-Abgeordnete Renner verweigerten eine verbindliche Zusage für eine Lösung im Jahr 2027. Damit bleibt für die betroffenen 4.000 Nachwuchskräfte vorerst unklar, ob und wann die Praxis der sechs-wöchigen unbezahlten phase im Sommer beendet wird. Die GEW kündigte an, den Druck auf die Landespolitik in den kommenden Haushaltsdebatten aufrechtzuerhalten.
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