Fertigungsindustrie: Fast 1.000 Betriebe erreichen nur 49 von 100 Punkten
Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 18:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deFertigungsbetriebe weltweit weisen erhebliche Lücken bei betrieblichen Prozessen, Datenzugängen und strategischer Ausrichtung auf. Wie aus einem Bericht vom 15. Oktober 2026 über den ersten globalen Manufacturing-Wellness-Bericht von Sandvik Coromant hervorgeht, erreichten fast 1.000 bewertete Fertigungsunternehmen weltweit lediglich einen Gesamtwert von 49 von 100 möglichen Punkten. Die Untersuchung analysiert die Verfassung von Industriebetrieben anhand von acht zentralen Verhaltensweisen.
Das zugrundeliegende Konzept zur Erfassung der betrieblichen Verfassung wurde von Sandvik Coromant im Jahr 2023 eingeführt. Es basiert auf einer kostenlosen Online-Selbsteinschätzung mit 28 Fragen, deren Beantwortung rund 10 Minuten in Anspruch nimmt. Die aktuellen Ergebnisse verdeutlichen, dass viele Betriebe im Industriealltag vor grundlegenden strukturellen Herausforderungen stehen.
Lücken bei Kreislaufwirtschaft und Datenzugang
Besonders ausgeprägt zeigen sich die Rückstände im Bereich der Nachhaltigkeit: Lediglich 19 Prozent der bewerteten Fertigungsunternehmen verfügen über eine formelle Strategie für die Kreislaufwirtschaft. Damit bleibt die Wiederverwendung von Ressourcen in der breiten Masse der Betriebe bislang unzureichend verankert.
Zudem offenbart die Erhebung schwerwiegende Defizite in der operativen Transparenz. Fast jedes vierte Fertigungsunternehmen hat keinen Zugang zu fertigungs- beziehungsweise prozessbezogenen Daten. Fehlende Einblicke in laufende Betriebsabläufe erschweren es den Betrieben, Ineffizienzen rechtzeitig zu identifizieren und Arbeitsabläufe gezielt zu optimieren.
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Unklare Leistungsziele und unvollständige Automatisierung
Auch im Bereich der internen Organisation und Mitarbeiterführung besteht Verbesserungsbedarf. Nahezu die Hälfte der Fertigungsunternehmen versteht die Leistungsziele der eigenen Teams nicht ausreichend. Dieser Mangel an Klarheit kann die Zusammenarbeit belasten und Reibungsverluste im Arbeitsalltag verstärken.
Beim technologischen Wandel zeigt sich ein uneinheitliches Bild: Zwar haben 69 Prozent der Fertigungsunternehmen zumindest einzelne Produktionsbereiche automatisiert, eine umfassendere Automatisierung über mehrere Prozessschritte hinweg kommt dagegen deutlich seltener vor.
Als wesentlicher Erfolgsfaktor erweist sich dabei die externe Vernetzung: Unternehmen, die externe Partnerschaften pflegen, erzielen laut der Untersuchung höhere Werte bei der betrieblichen Verfassung.
Wachsender Druck auf Beschäftigte im industriellen Wandel
Die strukturellen Defizite in den Produktionsbetrieben treffen auf ein Arbeitsumfeld, das zunehmend von Belastungen geprägt ist. Untersuchungen des ifo-Instituts, des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung sowie der Universität Konstanz belegen, dass Produktionsmitarbeiter, Handwerker und Logistikkräfte nach der Einführung digitaler Technik wie Robotik und vernetzten Maschinen rund 20 Prozent mehr Tage im Jahr fehlen, während sich Bürobeschäftigte nicht häufiger krankmelden.
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Ein Studienautor des ifo-Instituts verwies darauf, dass die Ursache in fehlender Vorerfahrung liege und Betroffene mit körperlicher Tätigkeit und niedriger formaler Bildung ohnehin häufiger unter chronischen Beschwerden sowie psychischem Stress leiden.
Zudem verdeutlichten Erhebungen der EU-OSHA, dass fast die Hälfte der europäischen Beschäftigten von Risiken für die psychische Gesundheit berichtet und 44 Prozent lange Arbeitszeiten sowie Ergebnisdruck als Hauptrisikofaktor nennen, während nur 39 Prozent der europäischen Unternehmen Stressprävention strukturiert angehen.
Vor diesem Hintergrund rückt eine ganzheitliche Gestaltung der betrieblichen Prozesse und Rahmenbedingungen in der Fertigung zunehmend in den Fokus der industriellen Praxis.
