ROUNDUP, Finanzstreit

Finanzstreit zu Regionalverkehr - Einschnitte in FahrplÀnen?

Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 14:50 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Trotz drohender Einschnitte bei FahrplĂ€nen sieht die Bundesregierung keine SpielrĂ€ume, um FinanzlĂŒcken im Nah- und Regionalverkehr auf der Schiene zu schließen.

Die Folge könnten höhere Ticketpreise oder seltener fahrende Bahnen sein. Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) erteilte zum Abschluss der zweitÀgigen Verkehrsministerkonferenz (VMK) in Hohenschwangau Forderungen der LÀnder eine Absage, dass der Bund Mehrkosten ausgleichen soll. Im Verkehrshaushalt seien die Möglichkeiten beschrÀnkt.

Gleichwohl gebe es das gemeinsame Ziel, Abbestellungen von Verkehren zu verhindern, sagte Bilger. Es komme auf einen effizienten Mitteleinsatz vor Ort an. Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU), aktueller VMK-Vorsitzender, warnte vor einem schlechteren Angebot fĂŒr die FahrgĂ€ste. Es gehe nicht um ein "Schwarzer-Peter-Spiel". Die LĂ€nder brĂ€uchten Planungssicherheit.

Worum es geht

Die Verantwortung fĂŒr den Schienenpersonennahverkehr liegt seit der Bahnreform in den 1990er Jahren bei den LĂ€ndern. Dort wird bestimmt, auf welchen Strecken und in welchem Umfang Verkehre angeboten werden. Zur Finanzierung erhalten die LĂ€nder einen Anteil aus dem Steueraufkommen des Bundes ĂŒber sogenannte Regionalisierungsmittel. Diese steigen pro Jahr um drei Prozent. Im Haushaltsentwurf der Bundesregierung sind im Jahr 2027 rund 13,7 Milliarden Euro vorgesehen.

Bilger sagte, der Bund unterstĂŒtze den Schienenpersonennahverkehr "in der Verantwortung der LĂ€nder" aktuell insgesamt mit mehr als 15 Milliarden Euro - neben den Regionalisierungsmitteln sei dies unter anderem auch der Bundeszuschuss zum Deutschlandticket. Außerdem investiere der Bund so viel nie wie in den Erhalt des Schienennetzes.

Preisbremse gefallen

Die LĂ€nder wollen deutlich mehr Geld. Bayerns Minister Bernreiter verwies auf höhere Preise fĂŒr neue ZĂŒge, höhere Energiekosten und Lohnkostensteigerungen. Das Thema habe sich durch ein Urteil des EuropĂ€ischen Gerichtshofs (EuGH) verschĂ€rft. Dieser hatte eine Trassenpreisbremse fĂŒr den Nahverkehr gekippt.

Trassenpreise sind eine Art Maut fĂŒr die Nutzung des Schienennetzes. Damit finanziert die Bahn-Infrastruktursparte DB InfraGO einen wesentlichen Teil des Betriebs, der Instandhaltung und Bereitstellung des Netzes. Das Geld fließt in Unterhalt und Erhalt von Gleisen, Weichen und Oberleitungen. Nach dem EuGH-Urteil sollen nun die Trassenpreise im Nahverkehr stark steigen.

LĂ€nder: Bund muss Mehrbelastungen ausgleichen

Die LĂ€nder forderten den Bund auf der VMK auf, die aus dem EuGH-Urteil resultierenden Mehrbelastungen vollstĂ€ndig zu kompensieren und kurzfristig Planungssicherheit fĂŒr die LĂ€nder und AufgabentrĂ€ger herzustellen. Bernreiter bekrĂ€ftigte zudem die Forderung der LĂ€nder, der Bund mĂŒsse bis 2031 zusĂ€tzlich 14 Milliarden Euro mehr an Regionalisierungsmitteln zur VerfĂŒgung stellen. Nur dann könne der Status quo aufrechterhalten werden.

NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (GrĂŒne) sagte, fĂŒr das grundsĂ€tzliche Problem und den erheblichen Reformbedarf der Trassenpreise sei keine Lösung gefunden worden. Bei der Bundesregierung gebe es hierzu noch nicht wirklich Bewegung. "Hier brauchen wir noch eine gewisse Zeit, um zu einer Lösung zu kommen."

Bereits Abbestellungen

In Sachsen gab vor kurzem der Verkehrsverbund Oberelbe bekannt, aufgrund stark gestiegener Preise sein Zugangebot reduzieren zu mĂŒssen. Die Folge: Fahrten auf einer S-Bahnlinie und einer Regionalbahn-Strecke entfallen. Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen (CDU) sagte: "Vor zwei Jahren konnten wir die Abbestellungen noch auf verkehrsschwache Zeiten in der Nacht oder an Wochenenden beschrĂ€nken." Das könne sich aber in den nĂ€chsten Jahren deutlich anders entwickeln.

Bernreiter warnte vor einer AbwĂ€rtsspirale: "Wenn weniger ZĂŒge auf dem Schienennetz fahren, verteilen sich die Infrastrukturkosten auf weniger Zugfahrten, die Trassenpreise pro Zugkilometer erhöhen sich weiter, der Schienenpersonennahverkehr verteuert sich und löst weitere AngebotskĂŒrzungen aus." Dabei sei die Nachfrage auf der Schiene enorm und gerade im Nahverkehr seit Corona deutlich gestiegen.

Unklarheit ĂŒber Reform

Bilger ist fĂŒr deutlich mehr Regionalisierungsmittel auf Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) sowie den Haushaltsausschuss des Bundestags angewiesen. Immer wieder heißt es beim Bund hinter den Kulissen, die LĂ€nder wĂŒrden gar nicht alle Regionalisierungsmittel wirklich ausgeben. Bernreiter wies diesen Vorwurf zurĂŒck. Er kritisierte seinerseits, er habe vom Bundesfinanzminister bisher nur Absagen erhalten.

Wann eine generelle Reform der Trassenpreise kommt, ist unklar - das Bundesverkehrsministerium arbeitet aktuell daran. Wie grundlegend die Reform ausfÀllt und in welchem Umfang es zu Entlastungen kommt, ist vor dem Hintergrund der knappen Kassen im Kernhaushalt des Bundes fraglich.

Die LĂ€nder fordern, dass bestimmte Infrastrukturkosten der Bahn nicht lĂ€nger ĂŒber Trassenpreise refinanziert und vor allem investitionsbedingte Kosten aus den Trassenpreisen herausgelöst werden.

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