Firmenpleiten, Insolvenzen

Firmenpleiten: 1.776 Insolvenzen im April – höchster Stand seit 20 Jahren

01.06.2026 - 17:11:16 | boerse-global.de

Logistik, Maschinenbau und Einzelhandel melden Insolvenzen an. Die Zahl der Unternehmenspleiten steigt auf den höchsten Stand seit 20 Jahren.

Firmenpleiten: 1.776 Insolvenzen im April – höchster Stand seit 20 Jahren - Bild: über boerse-global.de
Firmenpleiten: 1.776 Insolvenzen im April – höchster Stand seit 20 Jahren - Bild: über boerse-global.de

Gleich mehrere Unternehmen aus Logistik, Maschinenbau und Einzelhandel haben in den vergangenen Wochen Insolvenz angemeldet. Besonders betroffen: der Mittelstand.

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Logistik und Industrie unter Druck

Die Spedition Betz International aus Sonnenbühl (Baden-Württemberg) hat am 1. Juni offiziell ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung eröffnet. Das Unternehmen betreibt 72 Lkw und beschäftigt 140 Mitarbeiter. Die Geschäftsführung nennt als Gründe die konjunkturelle Schwäche und einen massiven Kostenanstieg in der Logistikbranche – trotz stabiler Auftragslage.

Nur wenige Tage zuvor hatte der Chemnitzer Maschinenbauer STC Spinnzwirn GmbH Insolvenz angemeldet. Das Traditionsunternehmen, dessen Wurzeln bis ins Jahr 1866 zurückreichen, kämpft mit schwachen Auftragseingängen und steigenden Rohstoffkosten. Die österreichische Muttergesellschaft Starlinger Group stellt keine weiteren Finanzmittel bereit. Rund 140 Arbeitsplätze sind in Gefahr. Das förmliche Verfahren soll bis zum 1. August eröffnet werden.

Auch in der Automobilzulieferkette knirscht es gewaltig. Die ELREC Service GmbH aus Harzgerode beantragte Mitte Mai ein Schutzschirmverfahren. Das Amtsgericht Magdeburg ordnete am 29. Mai die Eigenverwaltung für den Aluminiumguss-Spezialisten an. Auslöser: die Insolvenz des Hauptkunden Bohai Group. Die Löhne der 65 Beschäftigten sind vorerst bis Juli gesichert.

Einzelhandel: Depot erneut in der Krise

Die Dekorationskette Depot (GDC Deutschland GmbH) ist zum zweiten Mal innerhalb von zwei Jahren in die Insolvenz gerutscht. Das Unternehmen mit Sitz in GroĂźostheim schrumpfte von einst 400 auf nur noch 155 Filialen. Rund 1.200 Mitarbeiter bangen um ihre Jobs.

Die Geschäftsführung will möglichst viele Standorte retten, doch weitere Schließungen gelten als unvermeidbar. Als Hauptursachen nennt das Unternehmen internationale Zölle, den harten Wettbewerb durch Online-Plattformen wie Temu und die allgemeine Kaufzurückhaltung der Verbraucher.

Rekordzahlen bei Firmenpleiten

Die Einzelfälle sind kein Zufall – sie sind Teil eines besorgniserregenden Trends. Der IWH-Insolvenztrend verzeichnete im April 2026 insgesamt 1.776 Unternehmensinsolvenzen. Das ist ein Anstieg von zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr und satte 82 Prozent mehr als im Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2019.

Allein im ersten Quartal 2026 meldeten mehr als 4.500 Unternehmen Insolvenz an – der höchste Stand seit 20 Jahren. Eine Studie der Creditreform vom März 2026 prognostiziert für dieses Jahr eine Ausfallrate von 2,08 Prozent. Damit würde erstmals seit der Finanzkrise die Zwei-Prozent-Marke überschritten.

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Besonders gefährdet: Unternehmen zwischen zwei und fünf Jahren nach der Gründung. Die Branchen Transport, Logistik und Bau gelten als extrem anfällig.

Neue Regeln fĂĽr die Eigenverwaltung

Seit Anfang 2021 gilt das Unternehmensstabilisierungs- und -restrukturierungsgesetz (SanInsFoG). Es soll Firmen in der Krise helfen, sich in Eigenverwaltung zu sanieren. Die HĂĽrden sind hoch: Unternehmen mĂĽssen einen detaillierten Sechs-Monats-Finanzplan vorlegen, eine Krisenanalyse erstellen und die Verfahrenskosten gegenĂĽberstellen.

Zudem sind Frühwarnsysteme Pflicht. Die Geschäftsführung muss eine 24-Monats-Liquiditätsprognose erstellen, um Insolvenzrisiken frühzeitig zu erkennen. Firmen wie Depot und Betz International setzen genau auf dieses Instrument – ob es reicht, wird sich zeigen.

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