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Flaue Herbstbelebung: Knapp unter drei Millionen Arbeitslose

Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 14:32 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

NÜRNBERG - Die großen Wirtschaftsforschungsinstitute sind sich einig: Mit der Konjunktur in Deutschland geht es langsam aufwĂ€rts, die Zeichen stehen auf Wachstum, wenngleich im Moment noch eher moderat.

(neu: Angaben aus dem Bundesarbeitsministerium)

NÜRNBERG (dpa-AFX) - Die großen Wirtschaftsforschungsinstitute sind sich einig: Mit der Konjunktur in Deutschland geht es langsam aufwĂ€rts, die Zeichen stehen auf Wachstum, wenngleich im Moment noch eher moderat. Wann wird diese Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt ankommen, wann ist nach mindestens vier Jahren AbwĂ€rtsspirale die Trendwende in Sicht, die sich fast drei Millionen Arbeitslose genauso sehr wĂŒnschen wie die HĂŒter der Sozialkassen? Die einzige verlĂ€ssliche Antwort, die Andrea Nahles, Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur fĂŒr Arbeit in NĂŒrnberg, im Augenblick gibt, ist: "Mit Verzögerung!"

Wachstum und Arbeitsmarkt entkoppelt

"Es ist eine Situation, die wir schon kennen: Dass sich das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes ein StĂŒck weit von der Situation auf dem Arbeitsmarkt entkoppelt", sagte Nahles. "Wenn wir in die Krisen reingehen, dann dauert es lĂ€nger, bis das auf dem Arbeitsmarkt ankommt. Umgekehrt, wenn wir aus der Krise rausgehen, dann dauert es eben auch lĂ€nger."

Die Arbeitsmarktforschung rechne fĂŒr das Schlussquartal 2026 noch nicht mit einer Trendwende. Allerdings: "Wenn es eine stabile Erholung gibt, wird es aber nur eine Frage der Zeit sein, dass sich das dann auch auf dem Arbeitsmarkt niederschlĂ€gt", ist Nahles sicher.

Aktuell fiel die Herbstbelebung erst einmal eher mager aus: Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im September mit 2,994 Millionen wieder unter die Drei-Millionen-Grenze gefallen. Im Vergleich zum August ist das ein RĂŒckgang um 67.000 Menschen, im Vergleich zum September 2025 aber ein Anstieg um 40.000.

Die Arbeitslosenquote gab im Vergleich zum August um 0,1 Punkte auf 6,4 Prozent nach. Im Vergleich zum September 2025 liegt sie jedoch 0,1 Punkte höher. Der Auftakt der Herbstbelebung sei "schwunglos", betonte Nahles. "Die wirtschaftliche Verbesserung kommt auf dem Arbeitsmarkt derzeit noch nicht an."

FachkrĂ€fteproblem wird grĂ¶ĂŸer

Erschwerend hinzu kommt ein weiterer Effekt: Das Potenzial an ArbeitskrĂ€ften geht weiter zurĂŒck - weil mehr Menschen der Baby-Boomer-JahrgĂ€nge in Rente gehen, und weil weniger Menschen aus dem Ausland nach Deutschland kommen. Nahles sprach sich deswegen fĂŒr einen vermehrten, aber regulierten Zuzug aus. "Wir brauchen FachkrĂ€fte und wir brauchen auf jeden Fall wieder mehr FachkrĂ€fte aus dem Ausland, insbesondere dann, wenn die Konjunktur sich erholt", sagte sie.

Der FachkrĂ€ftemangel werde mit Blick auf die nĂ€chsten fĂŒnf Jahre ein grĂ¶ĂŸeres Problem als die aktuelle Situation der Arbeitslosigkeit. Die Bundesagentur sehe die FachkrĂ€fte-Situation momentan sehr kritisch. "Es wandern momentan sogar mehr Leute aus als ein." Nach Angaben des Bundesarbeitsministeriums arbeiten derzeit 6,02 Millionen Menschen in der Bundesrepublik, die keinen deutschen Pass haben. Die Zahl stieg im Vergleich zum Vorjahr um 181.000.

"WĂ€hrend in einigen Branchen weiterhin zehntausende Stellen verloren gehen, wird anderswo hĂ€nderingend nach FachkrĂ€ften gesucht", sagte auch die StaatssekretĂ€rin im Bundesarbeitsministerium, Leonie Gebers. Die Bundesregierung investiere in diesem Jahr eine Milliarde Euro zusĂ€tzlich, um Unternehmen zu unterstĂŒtzen.

ArbeitskrÀftenachfrage nur wenig verbessert

Aktuell bleibt die Nachfrage nach ArbeitskrÀften in Deutschland allerdings zunÀchst weiter schwach. Bei der Bundesagentur waren im September 660.000 freie Stellen gemeldet. Das sind 30.000 mehr als noch vor einem Jahr.

Die UnterbeschĂ€ftigung, die neben der reinen Arbeitslosigkeit etwa auch Instrumente der Arbeitsmarktpolitik und kurzfristige ArbeitsunfĂ€higkeit berĂŒcksichtigt, ging im September saisonbereinigt um 7.000 zurĂŒck. Mit 3,615 Millionen war sie nur um 25.000 höher als im Vorjahresmonat.

Weniger in der Grundsicherung

Arbeitslosengeld aus der Arbeitslosenversicherung erhielten im September 1,082 Millionen Menschen, 85.000 mehr als vor einem Jahr. Die Zahl der erwerbsfÀhigen EmpfÀnger von Grundsicherung belief sich im September auf 3,704 Millionen. Dies sind 145.000 weniger als im Vorjahresmonat.

Die höchste Arbeitslosigkeit in Deutschland herrscht regional mit einer Quote von 11,2 Prozent weiter im Bundesland Bremen, gefolgt von Berlin mit 10,4 Prozent. Die niedrigsten Quoten weisen weiterhin die sĂŒdlichen BundeslĂ€nder Bayern (4,2 Prozent) und Baden-WĂŒrttemberg (4,7 Prozent) aus. Mit ThĂŒringen und Brandenburg (jeweils 6,3 Prozent) liegen den Angaben der Bundesagentur zufolge auch zwei ostdeutsche BundeslĂ€nder unterhalb des Bundesdurchschnitts.

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