Fluggastklagen, FlugverspÀtungen

Fluggastklagen sinken deutlich – Gerichte erwarten erneut mehr als 100.000 FĂ€lle

Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 13:52 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die Zahl der Klagen von Flugpassagieren ist im ersten Halbjahr 2026 deutlich gesunken. Mit mehr als 53.000 Verfahren an den wichtigsten Flughafenstandorten bleibt die Belastung der Amtsgerichte dennoch hoch.

Wegen VerspÀtungen und AusfÀllen kommen im Jahr mehr als 100.000 Klagen gegen Fluglinien zusammen. (Illustration)  - Bild: Fabian Sommer/dpa
Wegen VerspÀtungen und AusfÀllen kommen im Jahr mehr als 100.000 Klagen gegen Fluglinien zusammen. (Illustration) - Bild: Fabian Sommer/dpa

Die Amtsgerichte an den 20 grĂ¶ĂŸten deutschen Flughafenstandorten haben im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 53.150 Klagen von Passagieren wegen verspĂ€teter oder ausgefallener FlĂŒge registriert.

Deutlicher RĂŒckgang binnen eines Jahres

Damit ging die Zahl der Verfahren im Vergleich zum ersten Halbjahr 2025 um knapp 13.000 FĂ€lle oder rund 20 Prozent zurĂŒck. Damals waren 65.903 Klagen eingegangen. Nach Angaben des Deutschen Richterbundes ist dies der erste deutliche RĂŒckgang seit 2021.

Trotzdem rechnet der Verband fĂŒr das Gesamtjahr erneut mit mehr als 100.000 Fluggastklagen. Die derzeitigen Eingangszahlen lĂ€gen noch immer doppelt so hoch wie vor fĂŒnf Jahren, erklĂ€rte BundesgeschĂ€ftsfĂŒhrer Sven Rebehn.

Köln bildet Ausnahme

Der RĂŒckgang betrifft laut Richterbund nahezu alle Gerichte. Am Amtsgericht Köln stieg die Zahl der KlageeingĂ€nge jedoch um knapp 500 auf 12.562 Verfahren.

Auf dem zweiten Platz lag das Amtsgericht Frankfurt am Main mit 8.314 Fluggastklagen. Das fĂŒr den Flughafen Berlin Brandenburg zustĂ€ndige Amtsgericht Königs Wusterhausen registrierte 8.133 FĂ€lle. Es folgten DĂŒsseldorf mit 4.946, Hamburg mit 4.211 und Erding als zustĂ€ndiges Gericht fĂŒr den MĂŒnchner Flughafen mit 4.120 Klagen.

Richterbund fordert UnterstĂŒtzung durch KI

Rebehn forderte eine Entlastung der Justiz durch KI-Assistenz. Eine ausgereifte Anwendung, die bei der Bearbeitung der großen Zahl von Passagierklagen helfen und Verfahren beschleunigen könne, fehle bislang jedoch.

Bei einem Flugausfall oder einer VerspĂ€tung von mehr als drei Stunden haben Reisende nach EU-Recht in bestimmten FĂ€llen Anspruch auf eine EntschĂ€digung. Je nach Flugdistanz sind 250, 400 oder 600 Euro möglich. Viele Passagiere beauftragen Internetportale damit, ihre AnsprĂŒche gegen Fluggesellschaften gegen eine Beteiligung durchzusetzen.

Warum die Klagezahlen sinken

Der RĂŒckgang um rund ein FĂŒnftel im ersten Halbjahr 2026 beendet den langjĂ€hrigen Anstieg der Fluggastklagen zunĂ€chst, Ă€ndert aber nichts an der außergewöhnlich hohen Belastung der Amtsgerichte. Mit 53.150 Verfahren in sechs Monaten liegen die EingĂ€nge weiterhin deutlich ĂŒber dem Niveau von vor fĂŒnf Jahren.

Ursache der Klagewelle ist das europĂ€ische Fluggastrecht. Bei Annullierungen und erheblichen VerspĂ€tungen können Reisende unter bestimmten Voraussetzungen pauschale Ausgleichszahlungen verlangen. Die Höhe richtet sich nach der Flugstrecke und betrĂ€gt 250, 400 oder 600 Euro. Weil die AnsprĂŒche vergleichsweise standardisiert sind, ĂŒbernehmen spezialisierte Internetportale hĂ€ufig die Durchsetzung gegen eine Beteiligung.

Folgen fĂŒr Gerichte und Reisende

Die regionale Verteilung zeigt, dass besonders Flughafengerichte mit großen Passagieraufkommen betroffen sind. Köln bildet trotz des bundesweiten RĂŒckgangs eine Ausnahme und verzeichnete sogar mehr EingĂ€nge als im Vorjahreszeitraum. FĂŒr die Justiz bleibt damit die Frage zentral, wie gleichgelagerte Verfahren effizient bearbeitet werden können, ohne die PrĂŒfung im Einzelfall zu verkĂŒrzen.

Eine funktionierende KI-Assistenz könnte dabei vor allem wiederkehrende Arbeitsschritte unterstĂŒtzen, etwa die Sortierung von Unterlagen oder die Erkennung Ă€hnlicher Fallkonstellationen. Entscheidungen ĂŒber AnsprĂŒche und mögliche außergewöhnliche UmstĂ€nde bleiben jedoch juristische Aufgaben. Setzt sich der Trend aus dem ersten Halbjahr fort, dĂŒrfte die Zahl der Verfahren zwar sinken, aber weiterhin eine erhebliche organisatorische Herausforderung fĂŒr die Zivilgerichte darstellen.

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