Tupperware, US-Insolvenzantrag

Tupperware stellt US-Insolvenzantrag - Kampf mit GlÀubigern

18.09.2024 - 11:30:18 | dpa.de

Frischhaltedosen von Tupperware sind seit Jahrzehnten in vielen Haushalten im Einsatz. Die US-Traditionsfirma plagen jedoch Geldsorgen - und sie kÀmpft gegen GlÀubiger, die sie schlucken wollen.

  • Die Traditionsmarke Tupperware ist pleite. - Foto: Hermann J. Knippertz/AP/dpa
  • Tupperware ist pleite. - Foto: Boris Roessler/dpa
Die Traditionsmarke Tupperware ist pleite. - Foto: Hermann J. Knippertz/AP/dpa Tupperware ist pleite. - Foto: Boris Roessler/dpa

Der Frischhaltedosen-Spezialist Tupperware hat einen Insolvenzantrag in den USA gestellt. Nach jahrelangen Problemen war der unmittelbare Auslöser ein Streit zwischen dem US-Unternehmen und großen GlĂ€ubigern. Sie verweisen auf ausgebliebene Schuldenzahlungen und erheben Anspruch auf große Teile von Tupperware. Das Management sucht Schutz davor in einem Verfahren nach Kapitel elf des US-Insolvenzrechts. Ob die Rechnung aufgeht, ist noch offen.

GeschÀft soll weitergehen

Tupperware will das GeschĂ€ft wĂ€hrend des Insolvenzverfahrens weiterfĂŒhren und setzt zugleich die Suche nach einem KĂ€ufer fort. Von den internationalen Tochterfirmen stellt laut US-Gerichtsunterlagen nur die Schweizer Tupperware Products AG ebenfalls einen Insolvenzantrag. Aus der Schweiz kommt einer der zehn GlĂ€ubiger. Die restlichen stammen aus den USA. Inwiefern die Insolvenz auch fĂŒr deutsche Verbraucher spĂŒrbar wird, ist unklar. Eine Anfrage beim deutschen Tupperware-Ableger blieb zunĂ€chst unbeantwortet.

Tupperware, ein Pionier bei Plastik-GefĂ€ĂŸen fĂŒr Lebensmittel, kĂ€mpfte bereits seit einiger Zeit mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten. In den vergangenen Monaten liefen Verhandlungen mit den Geldgebern, denen Tupperware mehrere hundert Millionen Dollar schuldet.

Kampf mit GlÀubigern

Dem Management zufolge kam die GlĂ€ubiger-Gruppe gĂŒnstig zu den Kreditpapieren. Sie habe drei bis sechs Cent pro Dollar Schulden bezahlt. Der drastische Abschlag ist eine Folge der Zweifel an der Zukunft, die Tupperware schon in den vergangenen Jahren umgaben. FĂŒr 15 bis 30 Millionen Dollar hĂ€tten sich die GlĂ€ubiger also bereits einen Großteil der Schulden von insgesamt knapp 812 Millionen Dollar gesichert, rechnete Tupperware vor.

Das Unternehmen geht davon aus, dass die GlĂ€ubiger gegen das beantragte Insolvenzverfahren vorgehen werden, um stattdessen die Kontrolle ĂŒber Tupperware zu bekommen. Das Management will versuchen, einen Verkauf der Firma in 30 Tagen ĂŒber die BĂŒhne zu bringen und hat dafĂŒr 7,4 Millionen Dollar in der Kasse.

Tupperware-Partys: Erst Erfolgsmodell, dann Bremsklotz 

Der Name Tupperware wird auch in Deutschland oft als Synonym fĂŒr Frischhaltedosen gebraucht. Das 1946 gegrĂŒndete Unternehmen ist mit dem Direktverkauf groß geworden: Tupperware-Partys, bei denen Verkaufsberater die Dosen und andere KĂŒchenartikel unters Volk bringen. Die Gastgeber bekommen Rabatte, die Berater eine Provision.

Rund 90 Prozent der Erlöse kÀmen aus solchem Direktmarketing, betonte Tupperware. Durch den sturen Fokus auf das langjÀhrige Erfolgsrezept habe man aber auch lange Chancen unter anderem im Online-Handel verpasst, rÀumte Sanierungschef Brian J. Fox in den Insolvenzpapieren ein. 

Erst 2022 fing Tupperware an, Produkte unter anderem bei Amazon online zu verkaufen, und suchte auch den Weg in Regale stationĂ€rer HĂ€ndler wie Target in den USA. Anders als in den Anfangsjahren wĂŒssten viele Verbraucher, was die Produkte von Tupperware seien - aber nicht, wo man sie kaufen könne, beklagte das Management.

«Die Party ist vorbei»

Tupperware hat 5.450 BeschĂ€ftigte in 41 LĂ€ndern. Hinzu kommen rund 465.000 der eigenstĂ€ndig agierenden Verkaufsberater. Diese Zahl sei nach einer Warnung vor wirtschaftlichen Problemen bereits geschrumpft, betonte Tupperware. Schlagzeilen wie «die Party ist vorbei», hĂ€tten fĂŒr Unruhe unter den Beratern gesorgt.

Am Anfang von Tupperware war Plastik. Der Erfinder Earl Tupper startete 1938 eine Kunststoff-Firma. Im Zweiten Weltkrieg stellte sie unter anderem Gasmasken her. Nach Kriegsende hatten Plastik-Produzenten plötzlich erhebliche ÜberkapazitĂ€ten. Tupper experimentierte, bis er einen langlebigen und gut aussehenden Kunststoff erfand, der sich fĂŒr Frischhaltedosen eignete. Die zweite Innovation war das Frischeventil auf dem Deckel, das ĂŒberschĂŒssige Luft aus der Box herausdrĂŒcken lĂ€sst.

Tupper setzte einst erst auf den klassischen Einzelhandel - und hatte sogar einen Laden auf der New Yorker Fifth Avenue. Doch dann traf Brownie Wise, eine geschiedene alleinerziehende Mutter aus Detroit auf Produkte der Firma. Sie hatte die Idee, Tupperware-Dosen bei Veranstaltungen mit Demonstrationen zu verkaufen. Das funktionierte so gut, dass Tupper 1951 dem klassischen Einzelhandel den RĂŒcken kehrte und Wise zur Marketingchefin machte.

Zuletzt machte Tupperware der Firma zufolge auch «Anti-Plastik-Stimmung» zu schaffen - die Sorge davor, dass chemischen Verbindungen aus Kunststoff in die Lebensmittel gelangen. 

 

 

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