LNG-KapazitĂ€ten mĂŒssen fĂŒr NotfĂ€lle vorgehalten werden
Veröffentlicht am: 31.08.2023 um 05:03 Uhr | dpa.de
Zum Jahrestag des russischen Gaslieferstopps nach Deutschland hat sich die Gaswirtschaft erneut fĂŒr den Ausbau der AnlandekapazitĂ€ten fĂŒr FlĂŒssigerdgas (LNG) ausgesprochen.
«RĂŒckblickend hat Putins Energieterrorismus auch deutlich gezeigt, wie wichtig eine diversifizierte Infrastruktur ist», sagte der Vorstand des Branchenverbandes Zukunft Gas, Timm Kehler, der Deutschen Presse-Agentur. «Mit Blick auf den weiter nötigen Ausbau der deutschen LNG-Infrastruktur mĂŒssen wir daher darauf achten, dass diese kritische Infrastruktur nicht auf Kante genĂ€ht wird.»
Weitere Terminals werden installiert
So gingen etwa Forderungen nach einem Stopp des Ausbaus in Mukran auf RĂŒgen in die falsche Richtung. «Auch fĂŒr NotfĂ€lle und ungeplante AusfĂ€lle mĂŒssen ausreichende KapazitĂ€ten vorgehalten werden», so Kehler. Eine widerstandsfĂ€hige Infrastruktur mĂŒsse in der Lage sein, den Ausfall ihres wichtigsten Lieferanten abfedern zu können. Dieses sogenannte «N-1-Kriterium» sei zurzeit jedoch nicht erfĂŒllt.
Am 31. August 2022 hatte Russland zum letzten Mal Erdgas durch die Ostseepipeline Nord Stream 1 nach Deutschland gepumpt. Mittlerweile flieĂt das Gas durch Pipelines vor allem aus Norwegen, Belgien und den Niederlanden nach Deutschland. Hinzu kommen kleinere Mengen ĂŒber drei schwimmende LNG-Terminals in Nord- und Ostsee.
Drei weitere Terminals sollen im kommenden Winter installiert werden, darunter auch in Mukran. 2025 und 2026 sollen mehrere stationĂ€re LNG-Terminals in Betrieb genommen werden. «Die GasflĂŒsse nach Deutschland sind stabil und ausgeglichen», bewertet die Bundesnetzagentur die gegenwĂ€rtige Gasversorgungslage.
AbhÀngigkeit von Russland
Kehler wies darauf hin, dass viele EU-LĂ€nder noch immer von russischen Gaslieferungen abhĂ€ngig sind. «So wird beispielsweise Ăsterreich weiterhin zu circa 60 Prozent mit russischem Erdgas ĂŒber den Ukraine-Transit versorgt.» Auch deshalb gelte es, die deutsche Infrastruktur zĂŒgig auszubauen, um europĂ€ischen Partnern solidarisch zur Seite zu stehen, wenn etwa die russisch-ukrainischen TransitvertrĂ€ge im kommenden Jahr ausliefen.
Nach Angaben des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) sind ĂŒber die neuen deutschen LNG-Terminals seit Inbetriebnahme des ersten Terminals Ende Dezember 2022 bereits 45 Milliarden Kilowattstunden Gas angelandet worden. Die Menge entspricht dem Jahresverbrauch (rund 20.000 Kilowattstunden) von etwa 2,25 Millionen Haushalten.
