Frühstartrente: Staat zahlt 10 Euro monatlich für Kinder ab 2027
Veröffentlicht am: 25.07.2026 um 23:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das Bundesfinanzministerium will Kindern den Einstieg in den Kapitalmarkt erleichtern. Finanzminister Lars Klingbeil legte dazu am Mittwoch einen Gesetzentwurf vor. Das Modell heißt Frühstartrente und sieht monatliche staatliche Einzahlungen in zertifizierte Depots vor.
Bis zu 53.000 Euro aus 10 Euro monatlich
Das System richtet sich an Kinder zwischen 6 und 18 Jahren. Der Staat zahlt monatlich 10 Euro in ein Altersvorsorgedepot. Die Förderung startet rückwirkend zum 1. Januar 2026 für den Geburtsjahrgang 2020. Ab 2027 kommt jährlich ein weiterer Jahrgang hinzu. Der Anspruch ist automatisch an den Kindergeldbezug gekoppelt.
Eltern können zusätzlich einzahlen – bis zu 6.840 Euro pro Jahr. Staatliche Beiträge und Erträge bleiben während der Ansparphase steuerfrei. Auszahlen lässt sich das Geld frühestens mit 65 Jahren.
Die Rechnung des Finanzministeriums: Aus den reinen Basisbeiträgen von 10 Euro monatlich wachsen bis zum 18. Lebensjahr rund 2.200 Euro. Bei angenommenen sechs Prozent Rendite werden daraus bis zur Rente etwa 53.000 Euro.
Zahlen Eltern weitere 10 Euro monatlich ein, verdoppeln sich die Werte auf 4.400 Euro mit 18 und rund 107.000 Euro zum Renteneintritt. Bei 50 Euro Zuzahlung sind bis zu 320.000 Euro drin.
Bundesbank als Auffanglösung
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Wer kein privates Depot bei einem zertifizierten Anbieter eröffnet, verliert die Förderung nicht. In dem Fall fließt das Geld in ein Sondervermögen der Deutschen Bundesbank. Das investiert kollektiv in internationale Aktien und ETFs. Bis zum 25. Lebensjahr können die Kinder das Guthaben dann in ein eigenes Depot übertragen.
Die Kosten für den Bund: knapp 200 Millionen Euro im Jahr 2027. Bis 2030 steigen sie auf etwa 411 Millionen Euro. Das Gesetz soll noch 2026 verabschiedet werden und zum 1. Januar 2027 in Kraft treten.
Die Finanzbranche zeigt Interesse. Sparkassen wollen spezielle Depotkonzepte in ihre Apps integrieren. Auch Trade Republic bereitet entsprechende Produkte vor. Für die zertifizierten Depots gilt eine Kostenobergrenze von unter einem Prozent pro Jahr. Verbraucherschützer fordern eine Deckelung auf 0,5 Prozent.
Kritik an der Ausgestaltung
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Trotz grundsätzlicher Zustimmung gibt es deutliche Kritik. Der Deutsche Gewerkschaftsbund bemängelt die Höhe der Förderung. 10 Euro monatlich brächten nach 60 Jahren eine rechnerische Bruttorente von etwa 30 Euro – das löse das Rentenproblem nicht.
Juristen und Fachjournalisten kritisieren die Stichtagsregelung. Die Förderung gilt erst für den Jahrgang 2020. Ältere Geschwister gehen leer aus. Zudem endet die staatliche Förderung mit 18 Jahren. Das benachteiligt Schüler und Studierende, weil der Übergang in die Erwachsenenvorsorge oft erst mit dem Berufsstart erfolgt. Eine Vorsorgelücke droht.
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