Gewerkschaften, Reformbereitschaft

Gewerkschaften fordern Unternehmen zu mehr Reformbereitschaft auf

12.09.2024 - 15:44:38 | dts-nachrichtenagentur.de

FĂŒhrende deutsche Gewerkschafterinnen haben gemeinsam Unternehmen in die Pflicht genommen, die Wirtschaft in Deutschland zu stĂ€rken und dringend notwendige Reformen einzuleiten.

Autoproduktion (Archiv) - Foto: ĂŒber dts Nachrichtenagentur
"Wir brauchen endlich eine breite Debatte darĂŒber, was getan werden muss, damit Deutschland dauerhaft ein Industrieland bleibt", sagte Yasmin Fahimi, die Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, dem "Focus". Noch gebe es Optionen, Abwanderung im großen Stil zu verhindern und eine Deindustrialisierung abzuwenden, sagte Fahimi. In GesprĂ€chen mit ArbeitgeberverbĂ€nden erlebe sie jedoch "eine rein ideologisch geprĂ€gte Argumentation, die immer wieder nur darauf hinauslĂ€uft: Haltet euch mit den Löhnen zurĂŒck, sorgt fĂŒr weniger BĂŒrokratie, dann wird`s der Markt schon richten. Das ist mir zu simpel", sagte Fahimi dem "Focus".

"Es muss Schluss sein mit dem Gejammer." Unternehmen hĂ€tten jahrelang vom Standort profitiert: "Ich erwarte ja keinen Patriotismus bei den Managern, aber einen langfristigen Blick, wo die Investitionen am sichersten und nachhaltigsten sind", so Fahimi. Christiane Benner, die Vorsitzende der IG Metall, sagte: "Uns drei eint der starke Eindruck, dass vonseiten der Unternehmen und des Managements kaum nach Zukunftskonzepten gesucht wird." Es fehle "am Willen, gemeinsam Zukunft zu gestalten." Stattdessen kritisierte sie, die in Teilen bereits laufende Deindustrialisierung fĂ€nde "hĂ€ufig aufgrund falscher oder spĂ€ter Unternehmensentscheidungen" statt: "Wir mĂŒssen dem etwas entgegensetzen, denn Werke und Anlagen, die in Deutschland einmal abgebaut wurden, bekommen wir nicht mehr zurĂŒck." Deutschland habe nach wie vor enorme StĂ€rken: "Wir haben so viel Know-how. Denken Sie an Industrie 4.0. Da haben wir Produktionskompetenz, das ist mega." Wenn es gelĂ€nge, diese StĂ€rken "mit Digitalisierung abzumischen", könne das "ein echtes Erfolgsmodell" werden. Die Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates von Volkswagen, Daniela Cavallo, sagte dem "Focus": "Die zentrale Frage ist doch: In welcher Gesellschaft wollen wir eigentlich leben?" Unternehmen wie Volkswagen oder Thyssenkrupp wĂŒrden dafĂŒr sorgen, dass "viele Regionen einen gewissen Standard" hĂ€tten. "Wir haben selbst erlebt, was passiert, wenn Volkswagen in die Krise gerĂ€t wie nach dem Dieselskandal. Da brach die Gewerbesteuer in den Kommunen, in denen unsere Werke stehen, ein." In der Folge habe den StĂ€dten das Geld fĂŒr dringend notwendige öffentliche Aufgaben gefehlt.

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