Galeria zahlt 9.650 Beschäftigten Insolvenzgeld bis Dezember
Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 13:48 Uhr | dpa, AD HOC NEWSGaleria sichert Lohnzahlung bis Dezember
- Die Bundesagentur für Arbeit bewilligte Insolvenzgeld für 9.650 Galeria-Beschäftigte.
- Eine Bank soll die Ansprüche vorfinanzieren, damit die Zahlungen schnell erfolgen können.
- Galeria betreibt vorerst 83 Filialen; welche Standorte bleiben, ist noch offen.
Die Beschäftigten der erneut insolventen Warenhauskette Galeria erhalten Insolvenzgeld von der Bundesagentur für Arbeit.
Anspruch nach Prüfung bewilligt
Ein Sprecher der Behörde erklärte, nach intensiver Prüfung des komplexen Sachverhalts bestehe aufgrund der geltenden Gesetzeslage dem Grunde nach ein Anspruch auf Insolvenzgeld.
Die Zahlung betrifft 9.650 Beschäftigte. Galeria beschäftigt insgesamt 11.250 Menschen; für Teile der Gastronomie- und Lebensmittelsparte läuft ein separater Insolvenzantrag.
Vorfinanzierung soll schnell helfen
Das Insolvenzgeld soll über eine Bank vorfinanziert werden. Galeria teilte mit, die Beschäftigten erhielten damit für Oktober, November und Dezember ihre Löhne und Gehälter.
Die Zustimmung der Arbeitsagentur zur Zahlung und zur Vorfinanzierung sei eine wichtige Voraussetzung, um das operative Geschäft in den kommenden Monaten zu sichern, erklärte der vorläufige Insolvenzverwalter Frank Kebekus.
Weihnachtsgeschäft als nächste Bewährungsprobe
Kebekus zufolge hat Galeria Vereinbarungen mit Lieferanten, Finanzierungspartnern und weiteren Beteiligten erzielt. Dadurch sei das Unternehmen für das wichtige Weihnachtsgeschäft operativ stabil aufgestellt.
Die Gewerkschaft Verdi begrüßte die Entscheidung. Sie forderte zugleich ein tragfähiges und nachhaltiges Zukunftskonzept, an dem die Beschäftigten maßgeblich beteiligt werden.
Insolvenzgeld entspricht meist Nettolohn
Insolvenzgeld wird grundsätzlich für höchstens drei Monate vor der Eröffnung des Insolvenzverfahrens gezahlt und entspricht in der Regel dem Nettolohn. Der Anspruch entsteht erst mit der Verfahrenseröffnung, kann aber an eine Bank abgetreten und dadurch vorfinanziert werden.
Zuletzt hatten die Beschäftigten ihre September-Bezüge Ende September vom Arbeitgeber erhalten. Die Gehälter aller 11.250 Mitarbeiter belaufen sich dem Vernehmen nach auf knapp 25 Millionen Euro im Monat.
Viertes Verfahren binnen sechs Jahren
Galeria beantragte am 2. Oktober beim Amtsgericht Düsseldorf wegen Zahlungsunfähigkeit ein Insolvenzverfahren. Es ist der vierte Insolvenzantrag des Unternehmens innerhalb von sechs Jahren.
Das Gericht ordnete ein vorläufiges Insolvenzverfahren an. Der Geschäftsbetrieb in den 83 Filialen läuft zunächst weiter; ob und welche Standorte schließen müssen, bleibt offen.
Absicherung für die nächsten Monate
Die Bewilligung des Insolvenzgeldes verschafft Galeria kurzfristig finanziellen Spielraum. Für die 9.650 betroffenen Beschäftigten bedeutet die Vorfinanzierung, dass die Löhne und Gehälter für Oktober bis Dezember trotz des laufenden Verfahrens ausgezahlt werden können.
Die Entscheidung ist zugleich eine wichtige Voraussetzung für den Weiterbetrieb der 83 Filialen im Weihnachtsgeschäft. Gerade für den Warenhauskonzern ist diese Phase wirtschaftlich entscheidend, weil ein erheblicher Teil des Jahresumsatzes traditionell in den letzten Wochen des Jahres erzielt wird. Lieferanten, Finanzierer und Arbeitnehmervertretungen müssen den Betrieb während des Verfahrens weitertragen.
Langfristige Zukunft bleibt offen
Insolvenzgeld löst die strukturellen Probleme des Unternehmens jedoch nicht. Es überbrückt höchstens drei Monate und entspricht in der Regel dem Nettolohn. Danach braucht Galeria ein tragfähiges Geschäftsmodell, das die Kosten der Filialen, veränderte Einkaufsgewohnheiten und den Wettbewerbsdruck durch Onlinehandel berücksichtigt.
Für die Beschäftigten bleibt deshalb entscheidend, welche strategischen Optionen der Insolvenzverwalter prüft und ob einzelne Standorte wirtschaftlich fortgeführt werden können. Dass Galeria innerhalb von sechs Jahren zum vierten Mal ein Insolvenzverfahren beantragt hat, erhöht den Druck, diesmal eine dauerhafte Lösung zu finden. Die Beteiligung der Beschäftigten an einem Zukunftskonzept wird dabei zu einem zentralen Konfliktpunkt werden.
