Gaspreise 2027: Verivox erwartet Aufschläge von bis zu 20 Prozent
Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 09:05 Uhr | Redaktion boerse-global.deDas Vergleichsportal Verivox rechnet zum Jahreswechsel 2027 mit flächendeckenden Gaspreiserhöhungen in einer Spanne von 10 bis 20 Prozent je Tarif. Für private Haushalte in einem Einfamilienhaus bedeutet dies zusätzliche jährliche Heizkosten von bis zu 500 Euro. Als wesentliche Ursache für die erwartete Teuerungswelle nennt das Unternehmen die im Zuge des Iran-Kriegs stark gestiegenen Großhandelspreise.
Steigende Netzentgelte belasten Endkunden regional unterschiedlich
Neben den reinen Beschaffungskosten wirken sich veränderte Netzentgelte auf die Endabrechnung aus. Nach Angaben von Verivox machen diese Gebühren rund ein Fünftel des Gaspreises und rund ein Viertel des Strompreises aus.
Bei den Gasnetzentgelten erwartet das Portal für 2027 einen bundesweiten Anstieg von durchschnittlich 3 Prozent. Für ein Einfamilienhaus mit einem Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden bedeutet dies Mehrkosten von rund 19 Euro im Jahr.
Regional klafft die Entwicklung deutlich auseinander: In Berlin steigen die Gasnetzentgelte um 8 Prozent (plus 38 Euro) und in Hamburg um 7 Prozent (plus 35 Euro). In Rheinland-Pfalz und Brandenburg beträgt das Plus jeweils 4,4 Prozent.
Eine leichte Entlastung gibt es hingegen in Sachsen und Thüringen, wo die Entgelte leicht sinken. Im Bundeslandvergleich rangiert Hamburg bei den Gasnetzentgelten trotz des Zuwachses weiterhin an zweitgünstigster Stelle hinter Berlin.
Auch beim Strom müssen Verbraucher mit höheren Durchleitungsgebühren rechnen. Bundesweit klettern die Stromnetzentgelte 2027 um 1,9 Prozent. Ein Drei-Personen-Haushalt mit einem Verbrauch von 4.000 Kilowattstunden zahlt künftig 436 Euro brutto statt bisher 428 Euro, was einem Zuwachs von etwa 8 Euro entspricht. Dies hängt auch damit zusammen, dass der Bundeszuschuss für die Übertragungsnetze im kommenden Jahr auf 5,525 Milliarden Euro sinkt, nachdem er 2026 noch bei 6,5 Milliarden Euro gelegen hatte – ein Rückgang um 15 Prozent.
Während die Stromnetzentgelte in Hamburg um 9 Prozent beziehungsweise 52 Euro steigen, betragen die Zuwächse im Saarland 38 Euro, in Berlin 33 Euro und in Bremen 29 Euro. In Nordrhein-Westfalen sinken die Kosten um 5 Euro, in Thüringen um 11 Euro.
Über alle Versorgungsgebiete hinweg zahlen Verbraucher in den alten Bundesländern im Schnitt 445 Euro (plus 10 Euro), während der Wert in den neuen Bundesländern um 3 Euro auf 386 Euro sinkt. Hamburg bleibt mit 613 Euro das teuerste Bundesland, Mecklenburg-Vorpommern mit 335 Euro das günstigste.
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Druck an den Großhandelsmärkten und CO2-Preise
Der Kostendruck im Gasbereich baut sich bereits seit Wochen auf. Nach Angaben der Bundesnetzagentur lag der Speicherfüllstand am 20. Oktober 2026 bei 61,1 Prozent. Der europäische Gaspreis am Handelsplatz TTF erreichte Mitte Oktober 2026 fast 90 Euro je Megawattstunde und war damit annähernd dreimal so hoch wie ein Jahr zuvor.
Die aream Group bezifferte den Füllstand der deutschen Gasspeicher Anfang Oktober 2026 auf 58 Prozent, verglichen mit einem Fünfjahresmittel von 86 Prozent. Zudem trieb der Gaspreisanstieg den deutschen Börsenstrompreis im Oktober 2026 auf durchschnittlich rund 168 Euro je Megawattstunde – der höchste Monatswert seit vier Jahren.
Erste Grundversorger setzen Preisanpassungen bereits kurzfristig um. So erhöhen die Stadtwerke Essen ihre Tarife zum 1. November 2026: Im Grundpreistarif klettert der Arbeitspreis von 11,38 auf 12,84 Cent je Kilowattstunde und der Jahresgrundpreis von 118,29 auf 148,04 Euro. Für einen Haushalt mit 20.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch bedeutet dies eine Mehrbelastung von 321,75 Euro pro Jahr.
Zusätzliche Belastungen ergeben sich aus den gesetzlichen Vorgaben. Der Bundestag beschloss am 15. Oktober 2026, den nationalen CO2-Preis für Heizöl und Erdgas im Jahr 2027 in einem Korridor zwischen 55 und 65 Euro pro Tonne festzulegen.
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Bei der Obergrenze von 65 Euro pro Tonne entspricht dies einem Aufschlag von rund 1,55 Cent je Kilowattstunde Erdgas inklusive Mehrwertsteuer. Ein Einfamilienhaus mit einem Jahresbedarf von 20.000 Kilowattstunden Erdgas wird 2027 allein über die CO2-Bepreisung mit Mehrkosten zwischen 260 und 310 Euro belastet.
