Gaspreise: Verivox erwartet weitere Erhöhungen für Bestandskunden
Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 01:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSVerträge, Großhandel und politische Entlastung
- Verivox-Chef Daniel Puschmann erwartet weitere flächendeckende Gaspreiserhöhungen auch für Bestandskunden.
- Der Großhandelspreis stieg laut Puschmann von 32 auf 96 Euro je Megawattstunde.
- Die Bundesregierung soll steigende Strom- und Gaskosten stärker berücksichtigen; eine Stromsteuersenkung könnte Haushalte entlasten.
Verivox warnt vor weiteren Gaspreisaufschlägen
Verivox erwartet nach dem bereits deutlichen Anstieg weitere flächendeckende Gaspreiserhöhungen, auch für Bestandskunden. Das sagte Verivox-Chef Daniel Puschmann den Zeitungen der Funke-Mediengruppe für deren Freitagausgaben.
Gas kostet rund 13 Cent je Kilowattstunde
Nach Angaben Puschmanns kostet Gas aktuell knapp 20 Prozent mehr als im Vorjahr und rund 13 Cent je Kilowattstunde. Verbraucher sollten ihre Verträge prüfen und bei einer angekündigten Preiserhöhung Angebote vergleichen.
Wer noch eine Preisgarantie besitzt, müsse dagegen nicht unbedingt handeln. Wie stark die Preise weiter steigen könnten, lasse sich schwer vorhersagen, weil Versorger unterschiedlich einkauften und verschiedene Strategien verfolgten.
Großhandelspreis hat sich verdreifacht
Auch an den Großhandelsmärkten sind die Preise zuletzt deutlich gestiegen. Sie liegen laut Puschmann inzwischen rund 200 Prozent über dem Vorjahresniveau: Im Februar kostete eine Megawattstunde noch 32 Euro, inzwischen sind es 96 Euro.
Diese Entwicklung werde sich zeitversetzt auch in den Haushaltsverträgen niederschlagen. Einen unmittelbaren Engpass bei der Gasversorgung erwartet Puschmann trotz vergleichsweise leerer Speicher nicht.
Versorgung bleibt nach Einschätzung von Verivox gesichert
Die Lage sei anders als 2022, sagte Puschmann. Wegen Störungen der Versorgung, insbesondere im Nahen Osten, konkurriere Europa jedoch mit anderen Abnehmern wie Japan um knappere Ressourcen.
Es gehe aus seiner Sicht vor allem um den Preis und nicht um die Frage, ob überhaupt noch Gas komme. Entscheidend werde daher sein, wie teuer das Heizen werde.
Vertragslaufzeiten können Kosten verlängern
Bei neuen Verträgen besteht nach Ablauf der Mindestlaufzeit in der Regel nur noch eine monatliche Kündigungsmöglichkeit. Ältere Verträge können sich dagegen automatisch um zwölf oder sogar 24 Monate verlängern.
Verbraucher sollten deshalb rechtzeitig kündigen, um nicht länger an höhere Preise gebunden zu sein. Von der Bundesregierung forderte Puschmann mehr Aufmerksamkeit für steigende Kosten bei Strom und Gas.
Verivox fordert mehr Fokus auf Energiepreise
Die Politik konzentriere sich derzeit stark auf das Tanken, erklärte Puschmann. Spritpreise seien unmittelbar sichtbar, während höhere Gaspreise erst zeitversetzt bei den Haushalten ankämen.
Als mögliche Entlastung nannte er eine Absenkung der Stromsteuer auf das europäische Mindestniveau. Das würde einem Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4.000 Kilowattstunden rund 90 Euro bringen, einem Paar mit 2.500 Kilowattstunden etwa 60 Euro.
Die erwarteten weiteren Gaspreiserhöhungen treffen Haushalte in einer Phase, in der sich mehrere Belastungen überlagern. Steigende Beschaffungskosten erreichen private Verträge typischerweise nicht sofort, sondern abhängig von Einkaufszeitpunkt, Vertragsmodell und Preisgarantie mit Verzögerung.
Für Verbraucher entscheidet deshalb nicht allein der aktuelle Arbeitspreis über die tatsächliche Belastung. Bei variablen Tarifen können Veränderungen schneller ankommen, während Preisgarantien vorübergehend schützen. Vertragslaufzeiten und Kündigungsfristen gewinnen an Bedeutung, weil ältere Vereinbarungen nach Ablauf der Mindestlaufzeit längere automatische Verlängerungen vorsehen können.
Gaspreis beeinflusst auch Stromkosten
Die Entwicklung am Gasmarkt wirkt zudem auf den Strommarkt. Wenn erneuerbare Energien den Bedarf nicht vollständig decken, bestimmen teurere Kraftwerke den Börsenpreis; häufig gehören dazu Gaskraftwerke. Dadurch können höhere Gasbeschaffungskosten mittelbar auch Stromkunden erreichen, sofern das Preisniveau ausreichend lange anhält.
Politisch fällt die Debatte über Gas- und Stromkosten mit den Plänen für eine allgemeine Stromsteuersenkung zusammen. Im Raum steht eine Absenkung auf das europäische Mindestmaß, die Haushalte entlasten könnte. Zugleich bleibt die Finanzierung im Bundeshaushalt umstritten. Für Verbraucher bedeutet das: Vertragsprüfung und Preisvergleich sind kurzfristig konkrete Handlungsmöglichkeiten, während politische Entlastungen von weiteren Entscheidungen abhängen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
FOCUS online: „Wenn Gas für Ökostrom einspringt, müssen Stromkunden blechen“ (04.11.2026)
Der Beitrag ordnet den Anstieg der europäischen Großhandelspreise und dessen verzögerte Wirkung auf Haushalte ein. Im Mittelpunkt steht zusätzlich der Zusammenhang zwischen Gaspreisen, Gaskraftwerken und dem Strompreis.
tagesschau: „Stromsteuer: Kommt die Entlastung für Bürgerinnen und Bürger noch?“ (04.11.2026)
Der Artikel beleuchtet die geplante Senkung der Stromsteuer auf das europäische Mindestmaß und die offene Finanzierung. Damit ergänzt er die verbraucherbezogene Gaspreiswarnung um die politische Debatte über mögliche Entlastungen.
Beide Beiträge stellen steigende Energiekosten in einen größeren Markt- beziehungsweise politischen Zusammenhang. Unterschiedliche Schwerpunkte liegen bei den Folgen des Gasmarkts für Strompreise und bei der Finanzierung einer Stromsteuersenkung.
