Gasspeicher, Gasversorgung

Gasspeicher: Deutschland erreicht nur 61,4 Prozent zum 1. November

Veröffentlicht am: 01.11.2026 um 04:30 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die deutschen Gasspeicher liegen zum Beginn der Heizsaison deutlich unter dem gesetzlichen Richtwert. Behörden und Wirtschaftsministerium halten die Versorgung dennoch fĂŒr gesichert, wĂ€hrend VerbĂ€nde vor einem geringeren Puffer im SpĂ€twinter warnen.

Speicherziele und Winterreserve

  • Zum 1. November gilt rechnerisch ein durchschnittliches Speicherziel von 70 Prozent.
  • Die Bundesnetzagentur bewertet die Gefahr einer angespannten Gasversorgung weiterhin als gering.
  • Die geplante nationale Gasreserve soll ab 2027 stufenweise aufgebaut werden und 24 Milliarden Kilowattstunden umfassen.
  • Die SpeicherfĂŒllstĂ€nde sind niedriger als in Vorjahren - Anlass zur Sorge? - Bild: Peter Kneffel/dpa
  • Die Gasspeicher sind unterschiedlich stark befĂŒllt. - Bild: Hauke-Christian Dittrich/dpa
  • Reiche sieht die Versorgungssicherheit gewĂ€hrleistet. - Bild: Fabian Sommer/dpa
  • Wie kalt wird der Winter? - Bild: Patrick Pleul/dpa
  • Wann wird wie stark geheizt? - Bild: Hendrik Schmidt/dpa
Die SpeicherfĂŒllstĂ€nde sind niedriger als in Vorjahren - Anlass zur Sorge? - Bild: Peter Kneffel/dpa Die Gasspeicher sind unterschiedlich stark befĂŒllt. - Bild: Hauke-Christian Dittrich/dpa Reiche sieht die Versorgungssicherheit gewĂ€hrleistet. - Bild: Fabian Sommer/dpa Wie kalt wird der Winter? - Bild: Patrick Pleul/dpa Wann wird wie stark geheizt? - Bild: Hendrik Schmidt/dpa

Gasspeicher liegen zum 1. November unter dem Ziel

Die deutschen Gasspeicher sind zum Beginn der Heizsaison nur zu rund 61,4 Prozent gefĂŒllt und verfehlen damit den rechnerischen gesetzlichen Richtwert von 70 Prozent. Das Wirtschaftsministerium und die Bundesnetzagentur halten die Gasversorgung fĂŒr den Winter dennoch fĂŒr gesichert.

Unterschreitung löst keine Sanktion aus

Nach der Verordnung mĂŒssen die meisten Speicher zum 1. November zu mindestens 80 Prozent gefĂŒllt sein; fĂŒr sechs Anlagen gilt ein reduziertes Ziel von 45 Prozent. Daraus ergibt sich der durchschnittliche Richtwert von 70 Prozent.

Eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums sagte, die Versorgung sei auch bei den aktuellen SpeicherstÀnden gesichert. Die Bundesnetzagentur bezeichnete die Gasversorgung als stabil und schÀtzte die Gefahr einer angespannten Versorgung nach aktuellem Erkenntnisstand weiterhin als gering ein.

Behörden könnten KapazitÀten neu vergeben

Das Wirtschaftsministerium und die Bundesnetzagentur könnten theoretisch Maßnahmen einleiten, wenn gebuchte SpeicherkapazitĂ€ten nicht genutzt werden. Dann könnten diese KapazitĂ€ten anderen Nutzern zur BefĂŒllung zur VerfĂŒgung gestellt werden.

Direkte Sanktionen fĂŒr die verfehlte Vorgabe sieht das Gesetz nach Angaben des Verbands Gas- und Wasserwirtschaft nicht vor. Die Vorgaben gelten als Sicherheitsnetz fĂŒr die Versorgung.

Importe und Ausspeicherung bleiben entscheidend

FĂŒr die Versorgungssicherheit zĂ€hlen neben den FĂŒllstĂ€nden die tatsĂ€chliche Ausspeicherung, laufende Gasimporte und weitere Vorsorgemaßnahmen. Deutschland bezieht Erdgas insbesondere ĂŒber Pipelines aus Norwegen, ĂŒber LNG-Terminals und ĂŒber europĂ€ische Nachbarn.

In den Speichern befinden sich nach Angaben des Branchenverbands derzeit rund 150 Terawattstunden. Diese Menge liege spĂŒrbar ĂŒber der Gasmenge, die im vergangenen Winter aus den Speichern entnommen worden sei.

Warnung vor Risiken im SpÀtwinter

Der Speicherverband Initiative Energien Speichern bezeichnete die verfehlte Vorgabe als ernstzunehmendes Warnsignal. Deutschland starte mit geringeren Sicherheitsreserven in die Heizperiode, wodurch die Verwundbarkeit bei außergewöhnlicher KĂ€lte oder zusĂ€tzlichen Störungen der Gasimporte wachse.

Besonders kritisch könnten sehr niedrige SpeicherstĂ€nde am Ende des Winters werden. Mit sinkendem FĂŒllstand nimmt auch die technisch verfĂŒgbare Ausspeicherleistung ab, sodass die Speicher in KĂ€lteperioden weniger Gas pro Tag bereitstellen können.

Hohe Preise erschweren die BefĂŒllung

Als Grund fĂŒr die niedrigen FĂŒllstĂ€nde gelten unter anderem hohe Großhandelspreise. FĂŒr HĂ€ndler ist die Einspeicherung wirtschaftlich weniger attraktiv, wenn Gas im Sommer teurer eingekauft werden muss, als es nach den Erwartungen im Winter verkauft werden kann.

Wirtschaftsministerin Katherina Reiche wies das bundeseigene Energieunternehmen Sefe bereits Ende September an, zusĂ€tzliche Mengen einzuspeichern. Weitere Ausschreibungen sollen Gas gegen eine zu frĂŒhe Ausspeicherung absichern und insbesondere den SpĂ€twinter unterstĂŒtzen.

Nationale Gasreserve ab 2027 geplant

Die bestehenden FĂŒllstandsvorgaben laufen am 31. MĂ€rz 2027 aus. Geplant ist eine nationale Gasreserve, die ab dem Winter 2027 stufenweise ĂŒber mehrere Jahre aufgebaut werden soll.

Die Reserve soll 24 Milliarden Kilowattstunden umfassen, etwa zehn Prozent der SpeicherkapazitĂ€t entsprechen und ĂŒber eine Umlage finanziert werden. Sie ist fĂŒr ExtremfĂ€lle, Sabotage und seltene Großereignisse vorgesehen.

Die verfehlte November-Vorgabe bedeutet zunĂ€chst keinen automatischen Versorgungsengpass. Die gesetzliche Regel unterscheidet zwischen einzelnen Speichern: FĂŒr die meisten Anlagen gilt ein Ziel von 80 Prozent, fĂŒr sechs Speicher ein reduziertes Ziel von 45 Prozent. Daraus ergibt sich der durchschnittliche Richtwert von 70 Prozent. Sanktionen sieht das Gesetz bei einer Unterschreitung nicht vor.

FĂŒr die tatsĂ€chliche Versorgungslage zĂ€hlt neben dem Speicherstand, wie schnell Gas ausgespeichert werden kann, welche Importmengen verfĂŒgbar sind und wie sich der Verbrauch entwickelt. Deutschland bezieht Erdgas weiterhin ĂŒber Pipelines aus Norwegen, ĂŒber LNG-Terminals und ĂŒber europĂ€ische Nachbarn. Die vorhandene Speichermenge von rund 150 Terawattstunden liegt nach Angaben des Branchenverbands ĂŒber der Entnahme des vergangenen Winters.

SpÀtwinter bleibt der kritische Zeitraum

Das grĂ¶ĂŸere Risiko entsteht bei einer langen KĂ€lteperiode, besonders im Februar und MĂ€rz. Mit sinkendem FĂŒllstand kann auch die tĂ€gliche Ausspeicherleistung zurĂŒckgehen. Dann könnten Störungen bei Importen oder starke Verbrauchsspitzen die Beschaffung erschweren und PreisausschlĂ€ge an den MĂ€rkten begĂŒnstigen.

Die Bundesregierung setzt deshalb zusĂ€tzlich auf Ausschreibungen gegen eine zu frĂŒhe Ausspeicherung und plant ab 2027 eine nationale Gasreserve von 24 Milliarden Kilowattstunden. FĂŒr Haushalte bleibt entscheidend, dass eine gesicherte Versorgung nicht automatisch stabile Preise bedeutet: Knappere Puffer können bei ungĂŒnstigem Wetter oder Lieferstörungen höhere Beschaffungskosten auslösen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Deutschlandfunk: „Gasspeicher: Gesetzliches Ziel fĂŒr die FĂŒllstĂ€nde wird verfehlt“ (30.10.2026)

Der Beitrag berichtet, dass das gesetzliche FĂŒllstandsziel verfehlt werde. Er ordnet die Unterschreitung als energiepolitisches Thema ein und setzt damit einen Schwerpunkt auf die Folgen der Vorgabe.

WDR5: „Gasversorgung auf der Kippe?“ (31.10.2026)

Das GesprĂ€ch stellt die Frage nach den Folgen der niedrigeren SpeicherstĂ€nde fĂŒr den Winter. Anders als der Deutschlandfunk richtet es den Schwerpunkt auf die praktische Versorgungssicherheit und die EinschĂ€tzung, ob ein Engpass drohen könne.

Beide BeitrĂ€ge greifen die unterschrittene FĂŒllstandsvorgabe auf. Der Deutschlandfunk betont den gesetzlichen Vorgang, wĂ€hrend WDR5 stĂ€rker die Versorgungslage im Winter betrachtet.

Disclaimer...
de | wirtschaft | 70440682 |