Gasspeicher: Füllstand bei 51,5 Prozent – Ziel bis November gefährdet
Veröffentlicht am: 29.08.2026 um 08:14 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Sicherung der Gasversorgung für die kommende Heizperiode in Deutschland gestaltet sich schwieriger als im vergangenen Jahr. Aktuellen Daten zufolge droht die Bundesrepublik, die gesetzlich verankerten Füllstandsvorgaben für die Erdgasspeicher zu verfehlen.
Während die Speicher im Vorjahr zum selben Zeitpunkt bereits zu 69 Prozent gefüllt waren, lag der Füllstand am 25. August bei lediglich 51,5 Prozent. Das Ziel der Bundesregierung sieht einen Füllstand von 70 Prozent bis zum 1. November vor.
Wirtschaftliche Hürden und steigende Marktpreise
Nach Angaben der Initiative Energien Speichern (INES) wurden bislang rund 45 Terawattstunden weniger Gas eingespeichert als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Ein wesentlicher Grund für das langsame Tempo ist die derzeitige Marktsituation. Der Energiekonzern Uniper wies darauf hin, dass die Einspeicherung momentan nicht wirtschaftlich sei.
Zudem treiben geopolitische Spannungen die Kosten in die Höhe: Der Krieg im Iran und die Sperrung der Straße von Hormus belasten die Versorgungslage und ließen die Gaspreise auf ein Jahreshoch steigen. Der Terminmarktpreis (TTF-Frontmonat) notierte zuletzt bei 69 Euro pro Megawattstunde, nachdem er zu Jahresbeginn noch bei 29 Euro gelegen hatte.
Um das gesetzte Ziel bis November noch zu erreichen, müssten laut Berechnungen von SEFE täglich rund 0,75 Terawattstunden Gas in die Anlagen gepumpt werden. Besonders kritisch stellt sich die Lage am größten deutschen Speicher in Rehden dar, dessen Füllstand Ende August nur bei etwa 8 Prozent lag. Im Vergleich dazu erreicht der EU-weite Durchschnitt der Gasspeicher rund 64 Prozent.
Industrie und Verbände fordern Konsequenzen
Angesichts der stagnierenden Füllstände warnt die Industrie vor möglichen Produktionsdrosselungen, sollte ein kalter Winter die Nachfrage zusätzlich belasten. Der Bundesnetzagentur-Präsident Klaus Müller sieht die Versorger in der Pflicht und bereitete Verbraucher bereits auf höhere Rechnungen vor.
Während das Bundeswirtschaftsministerium derzeit keine akute Gasmangellage erwartet, räumte es ein, dass die Situation angespannter sei als in den vergangenen Jahren.
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Auch namhafte Industrievertreter äußerten sich besorgt über die allgemeinen Rahmenbedingungen am Standort Deutschland. Der Miele-Gesellschafter Markus Miele kritisierte in diesem Zusammenhang neben der Energieproblematik auch hohe Steuern, zunehmende Bürokratie und steigende Sozialabgaben, die sich auf 50 Prozent zubewegen würden.
Das Unternehmen, das im Jahr 2025 einen Umsatz von 5,2 Milliarden Euro mit rund 23.000 Mitarbeitern erwirtschaftete, prüft derzeit die Errichtung eines neuen Werks in den USA, seinem zweitgrößten Markt. Ein weiteres Sparprogramm sei bei Miele zwar nicht geplant, doch der Abbau von 1400 Stellen bis Ende 2027 ist bereits beschlossen.
Politische Debatte um Krisenmaßnahmen
Die drohende Zielverfehlung löst eine lebhafte politische Diskussion aus. Die Grünen fordern einen Gas-Krisengipfel, während die Linke eine Sondersitzung beantragte. In der Union plädierte Fraktionsvize Sepp Müller dafür, Kohlereservekraftwerke dauerhaft bis zum Bau neuer Gaskraftwerke um das Jahr 2030 oder 2031 in Betrieb zu lassen.
Die Klimafolgen sollten dabei über den Emissionshandel begrenzt werden. Nina Scheer (SPD) lehnte einen dauerhaften Kohlebetrieb hingegen ab, da ein fossiles Überangebot den Ausbau erneuerbarer Energien und Speicherkapazitäten hemmen würde.
Sollten die Speicherziele verfehlt werden, könnte der Staat, wie bereits im Jahr 2022, direkt als Käufer am Gasmarkt auftreten. Der Marktgebietsverantwortliche Trading Hub Europe (THE) bereitet sich nach Angaben von Geschäftsführer Torsten Frank auf einen solchen staatlichen Gaseinkauf vor, wenngleich die Entscheidung darüber noch offen ist. Frank warnte zudem vor theoretisch denkbaren regionalen Mangellagen, insbesondere in Süddeutschland.
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Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm riet indes zur Besonnenheit. Bei einem Füllstand von etwa 52 Prozent sehe sie keinen akuten Handlungsbedarf und warnte davor, durch zu starre Mindestfüllstände die Preise weiter nach oben zu treiben.
Stattdessen empfahl sie den Abschluss langfristiger Verträge, um die Abhängigkeit vom volatilen Spotmarkt und von Flüssiggas-Lieferungen (LNG) aus den USA zu verringern. Auch Katherina Reiche (CDU) sprach sich gegen staatliche Eingriffe aus.
