GebĂ€udemodernisierung: 16 Prozent NichtwohngebĂ€ude mĂŒssen ab 2030 saniert werden
Veröffentlicht: 13.07.2026 um 17:24 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Das sieht das neue GebĂ€udemodernisierungsgesetz (GModG) vor, das am 10. Juli verabschiedet wurde. Parallel dazu verschĂ€rft die Bundesregierung die Regeln fĂŒr Energieausweise und fĂŒhrt neue Zertifizierungssysteme fĂŒr ganze Quartiere ein. Unternehmen und Kommunen stehen damit vor grundlegenden VerĂ€nderungen in ihrer Liegenschaftsstrategie.
Sanierungspflichten und neue Fristen
Das GModG setzt klare ZeitplĂ€ne: Bis 2033 mĂŒssen 26 Prozent der energetisch schlechtesten NichtwohngebĂ€ude saniert sein. Experten sehen darin vor allem eine Managementaufgabe. Gefordert sind umfassende Sanierungsplanung und Lebenszyklusbilanzierung.
Ein technologischer Schwerpunkt liegt auf der GebĂ€udeautomation. FĂŒr Anlagen ab 70 Kilowatt Nennleistung wird die Implementierung bis Ende 2029 verpflichtend. Ab 2028 mĂŒssen zudem die Lebenszyklus-Treibhausgasemissionen fĂŒr GebĂ€ude ĂŒber 1.000 Quadratmeter ausgewiesen werden. Ab 2030 gilt diese Pflicht fĂŒr sĂ€mtliche Neubauten.
VerschĂ€rfte Regeln fĂŒr Energieausweise
Die Umstellung auf die Norm DIN/TS 18599 bringt eine neue AâG-Skala fĂŒr NichtwohngebĂ€ude. Verbrauchsdaten mĂŒssen ĂŒber 24 Monate erfasst werden. Bei VerstöĂen gegen die digitalen Ausstellungs- und Vorlagepflichten drohen BuĂgelder von bis zu 10.000 Euro.
BranchenverbĂ€nde wie der MEW begrĂŒĂen die grundsĂ€tzliche StĂ€rkung der Technologieoffenheit. Die strikte 65-Prozent-Vorgabe fĂŒr erneuerbare Energien entfĂ€llt. Gas- oder Ălheizungen bleiben unter bestimmten Bedingungen zulĂ€ssig. Kritisch sehen die VerbĂ€nde jedoch die steigenden Biobrennstoffanteile ab 2029.
Neue Zertifizierung fĂŒr ganze Quartiere
Wer die neuen Sanierungspflichten fĂŒr NichtwohngebĂ€ude ab 2030 umsetzen muss, findet in diesem Report die wichtigsten Hebel â von der Energieausweis-Pflicht bis zur Fördermittel-Beantragung. Jetzt kostenlosen Sanierungsfahrplan anfordern
Die Deutsche Gesellschaft fĂŒr Nachhaltiges Bauen (DGNB) hat am 13. Juli einen neuen Kriterienkatalog fĂŒr Bestandsquartiere veröffentlicht. Das System umfasst 15 Kriterien mit Schwerpunkten auf CO?-Reduktionspfaden, Klimaanpassung und sozialen Aspekten. Damit reagiert die Organisation auf den Bedarf, nicht nur EinzelgebĂ€ude, sondern gesamte Gewerbe- und Mischgebiete nachhaltig zu transformieren.
FĂŒr die Umsetzung solcher MaĂnahmen können Kommunen und Unternehmen auf staatliche UnterstĂŒtzung zurĂŒckgreifen. Infrage kommen etwa das KfW-Programm 432 oder Mittel der StĂ€dtebauförderung. Die Bundesregierung hat zudem die VerlĂ€ngerung der Förderung fĂŒr den Standard Effizienzhaus 55-Plus bekannt gegeben. Unternehmen erhalten dafĂŒr zinsgĂŒnstige Darlehen oder ZuschĂŒsse.
FlÀchenverbrauch: Regionale Strategien gegen den Trend
Neben der energetischen Sanierung rĂŒckt die effiziente FlĂ€chennutzung in den Fokus. Die IHK Bodensee-Oberschwaben startete am 13. Juli eine Informationsreihe zur Reduzierung des tĂ€glichen FlĂ€chenverbrauchs. Ziel ist, den Wert von derzeit 55 auf 30 Hektar bis 2030 zu senken. Ein Praxisbeispiel ist ein nachhaltiges Gewerbegebiet in Schlier, das mit einem Bonussystem Anreize fĂŒr flĂ€chensparende Bauweise setzt.
Auch auf kommunaler Ebene entstehen langfristige Entwicklungsleitbilder. Die Stadt St. Gallen prĂ€sentierte PlĂ€ne fĂŒr den Bereich Winkeln bis 2050. Das Konzept sieht vor, die NutzflĂ€che nahezu zu verdoppeln und den Wohnanteil auf 20 Prozent zu erhöhen. Kernpunkte sind ein MobilitĂ€tshub am Bahnhof, ein linearer Park und Hochbauten bis zu 85 Metern. Die ersten Etappen sind ab 2032 bis 2035 geplant.
Klimaanpassung in Nordrhein-Westfalen
Kommunen, die bereits Quartierskonzepte entwickeln, brauchen jetzt den neuen DGNB-Kriterienkatalog fĂŒr Bestandsquartiere â inklusive CO?-Reduktionspfaden und Klimaanpassung. Dieser Leitfaden liefert die konkreten Schritte zur Zertifizierung. DGNB-Quartiersleitfaden jetzt sichern
In Nordrhein-Westfalen forciert die Landesregierung spezifische Förderrichtlinien zur Klimaanpassung. Im Fokus stehen Entsiegelung, Dach- und FassadenbegrĂŒnung sowie das Konzept der Schwammstadt. Ziel ist, Gewerbestandorte resilienter gegen Extremwetterereignisse zu machen.
Dass nachhaltige Konzepte bereits in der Umsetzung sind, zeigt ein Projekt in Bochum. Auf dem Areal MARK 51°7 entsteht ein sechsstöckiges BĂŒrogebĂ€ude, das bis November 2026 fertiggestellt werden soll. Es wird fossilfrei ĂŒber WĂ€rmepumpen beheizt und nutzt ein Mieterstrommodell auf Basis von Photovoltaikanlagen.
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