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GESAMT-ROUNDUP/ Historisch: Demokraten stĂŒrzen Republikaner-Hochburg Texas

Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 08:56 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die Ausbeutung schier unendlicher Ölfelder, strenge Einwanderungspolitik, Waffenbesitz: Wie kaum ein anderer US-Bundesstaat galt Texas auch in der deutschen Wahrnehmung als Hochburg fĂŒr Donald Trumps Republikaner und deren konservative Werte.

Umso ĂŒberraschender ist der Triumph der Demokraten bei den Midterms, die sich erstmals seit Jahrzehnten den Senatssitz sicherten und sich bei der Gouverneurswahl durchsetzten.

"Wir haben gerade Texas zurĂŒckerobert", sagte der demokratische Senatskandidat James Talarico unter großem Jubel am spĂ€ten Abend (Ortszeit). Die "Politik der Spaltung" sei der "Politik der Liebe" nicht gewachsen. Mit Blick auf Trump und Tech-MilliardĂ€r Elon Musk sagte der 37-JĂ€hrige, die Demokraten hĂ€tten gegen "den reichsten Mann der Welt, den mĂ€chtigsten Mann der Welt und das gesamte Establishment von Washington D.C." gewonnen.

Bei der Gouverneurswahl setzte sich die 52-jĂ€hrige Gina Hinojosa gegen den republikanischen Amtsinhaber Greg Abbott durch - sie wird damit die erste Latina an der Spitze des sĂŒdlichen Bundesstaats. Menschen mit Wurzeln in Lateinamerika machen knapp 41 Prozent der Bevölkerung in Texas aus. "Wir haben heute die Welt erschĂŒttert", sagte Hinojosa. "Wir haben gezeigt, dass alles möglich ist." Die Demokraten nahmen den Republikanern zudem weitere wichtige Ämter in der Bundesstaat-Politik ab. "Die blaue Welle erfasst Texas", schrieb die Zeitung "Houston Chronicle".

Hinojosa triumphierte ĂŒber Abbott, obwohl der mit prall gefĂŒllten Wahlkampfkassen und prominenten UnterstĂŒtzern in den Wahlkampf gegangen war, darunter ein Ölmogul in dem wichtigen Ölförderstaat sowie Musk. Dieser hat mehrere seiner Firmensitze und den Weltraumbahnhof Starbase in Texas und plant eine Halbleiterfabrik in dem Bundesstaat, der sich immer mehr zu einem Zentrum der Technologieindustrie entwickelt.

Trump lÀsst Republikaner sofort fallen

Doch der rasante Ausbau von Rechenzentren sorgte zunehmend fĂŒr Widerstand, den Hinojosa fĂŒr sich nutzte. Sie warf Abbott etwa vor, Politik fĂŒr MilliardĂ€re zu machen und das Leben in Texas in seinen zurĂŒckliegenden Amtszeiten stark verteuert zu haben. Sie ließ kaum eine Gelegenheit aus, Abbott vorzuhalten, er habe mit einer offenen TĂŒr fĂŒr Rechenzentren die Interessen der reichen Tech-Industrie denen seiner MitbĂŒrger vorgezogen.

Trump, der die PrĂ€sidentschaftswahl 2024 in Texas mit 56 Prozent gewonnen hatte, ließ Abbott kurz nach dem Bekanntwerden des Ergebnisses fallen. Auf seiner Plattform Truth Social schrieb der US-PrĂ€sident, Abbott hĂ€tte die Wahl nicht verloren, wenn er in den vergangenen Monaten nicht zum "RINO" ("Republican in Name Only") geworden wĂ€re - ein Politiker, der offiziell der Republikanischen Partei angehört, nach Ansicht Trumps aber deren GrundsĂ€tze nicht vertritt. Seit 1995 hatten stets Republikaner das Amt des texanischen Gouverneurs bekleidet.

"Die lange Ära der Einparteienherrschaft in Texas ist vorbei", kommentierte die Zeitung "The Dallas Morning News". Texas, "der mĂ€chtigste und verlĂ€sslichste aller tiefrot-republikanischen Bundesstaaten", sei heute demokratisch-blau. Dennoch bestehe weiter eine grĂ¶ĂŸere Sorge wegen der Ungewissheit, wie die Demokraten nun regieren wĂŒrden. Texas bleibe trotz der Ergebnisse "im Grunde konservativ".

Ein demokratischer HoffnungstrÀger als Senator

Talarico, der frĂŒher als Lehrer gearbeitet hatte und 2018 erstmals ins ReprĂ€sentantenhaus des Bundesstaats gewĂ€hlt wurde, feierte den ersten Senatssieg eines Demokraten seit 1988 mit dem Verweis auf die biblische Geschichte von David gegen Goliath. Die Allianz von Trump und Musk sei ihr ĂŒbermĂ€chtiger Goliath gewesen, sagte der 37-JĂ€hrige, der sich gegen den republikanischen Kandidaten Ken Paxton durchgesetzt hatte: "Wir haben soeben bewiesen, dass alles Geld der Welt den Menschen in Texas nicht gewachsen ist."

Trump hatte Paxton, der von Medien hĂ€ufig mit dem Begriff "skandalgebeutelt" bedacht wird, in der parteiinternen Vorwahl ausdrĂŒcklich unterstĂŒtzt. Wie sehr der US-PrĂ€sident und seine Republikaner in dem sĂŒdlichen Bundesstaat um ihren Senatssitz gebangt hatten, ließ sich auch daran festmachen, dass der US-PrĂ€sident dort im Wahlkampf mehrfach Stopp machte. "Stimmt fĂŒr Ken. Bringt ihn da rein", forderte er seine AnhĂ€nger etwa bei einer Wahlkampfveranstaltung in San Antonio Anfang Oktober auf. "Das ist so wichtig. Es ist entscheidend."

Zuvor hatten die Republikaner im September bereits ihren ersten großen Parteitag vor Zwischenwahlen ĂŒberhaupt im texanischen Dallas veranstaltet. Musk unterstĂŒtzte Paxton mit gut 150 Millionen US-Dollar (umgerechnet rund 134 Millionen Euro). Talarico bekam dagegen die UnterstĂŒtzung aus der Familie der frĂŒheren US-PrĂ€sidenten George W. Bush und George H.W. Bush - eine der Dynastien der Republikaner in Texas.

Talarico hatte sich im Wahlkampf als Politiker prĂ€sentiert, der in Washington fĂŒr ein bezahlbares Leben kĂ€mpfen wird - und gegen Korruption. Seinen Kontrahenten Paxton stellte er dabei als Inbegriff eines korrupten Systems dar. Im Wahlkampf machte er immer wieder auch seinen christlichen Glauben zum Thema. Er setzte auf eine Botschaft der NĂ€chstenliebe und portrĂ€tierte Texas als einen Bundesstaat, dessen StĂ€rke in seiner kulturellen Vielfalt liege.

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