Gewalt in der Pflege: 65 Prozent der Arbeitsschutzbeauftragten betroffen
Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 11:31 Uhr | Redaktion boerse-global.deNach einem Messerangriff in einer Senioreneinrichtung im nordrhein-westfälischen Olfen rückt die Sicherheit in der stationären Pflege verstärkt in den Fokus.
Wie die Allgemeine Zeitung am 24. Oktober 2026 berichtete, veranlasste der Vorfall zwei Einrichtungen im benachbarten Billerbeck – das Ludgerus-Stift und das Seniorenstift Baumberge –, ihre bestehenden Sicherheits- und Gewaltschutzkonzepte öffentlich darzulegen und interne Abläufe eingehend zu überprüfen.
Überprüfung der Abläufe und Grenzen der Prävention
In den beiden Billerbecker Häusern wurden infolge des Angriffs insbesondere die Arbeitsabläufe in sensiblen Bereichen wie der Wohnküche kontrolliert. Beide Einrichtungen setzen auf etablierte Maßnahmen, zu denen regelmäßige Schulungen der Mitarbeitenden gehören. Diese Fortbildungen decken Aspekte der Gewaltprävention, Deeskalationstechniken sowie den professionellen Umgang mit herausforderndem Verhalten ab.
Gleichzeitig verweisen die Verantwortlichen auf die Grenzen rein baulicher oder organisatorischer Maßnahmen: Nicht jede denkbare Gefahr könne in einem offenen Wohnumfeld vollständig ausgeschlossen werden. Zudem unterliegen freiheitsentziehende Maßnahmen strengen gesetzlichen Voraussetzungen und gehören ausdrücklich nicht zum regulären Auftrag der Senioreneinrichtungen.
Wachsende Belastung durch Gewalt im Gesundheitswesen
Die Diskussion über den Schutz von Beschäftigten und Bewohnern fügt sich in ein branchenweites Problem ein. Die Arbeitskammer des Saarlandes widmete das Titelthema ihrer am 23. Oktober 2026 veröffentlichten Ausgabe der Zeitschrift „AK-Konkret“ (Ausgabe 5/2026) der Gewalt am Arbeitsplatz.
Laut einem Bericht des Regiojournals Saarland vom 22. Oktober 2026 stellt die Kammer fest, dass verbale und körperliche Übergriffe auf Beschäftigte zunehmen – insbesondere im Gesundheits- und Bildungssystem, im öffentlichen Personennahverkehr sowie in Verwaltungen.
Die Arbeitskammer betonte, Gewaltschutz sei eng mit guten Arbeitsbedingungen und einer funktionierenden Daseinsvorsorge verknüpft, da eine marode Infrastruktur den Unmut der Bürger verstärke.
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Auch auf internationaler Ebene ist die Belastung des Personals Gegenstand von Erhebungen. Laut einem Bericht der schwedischen Regionalzeitung Norra Skåne vom 22. Oktober 2026 forderte der Gewerkschaftsverband LO Facken am 23. Oktober 2026, dass Bedrohungen, Gewalt und Personalmangel nicht als Normalzustand akzeptiert werden dürften.
Aus dem Bericht „Alla vinner på en trygg arbetsmiljö“ der Gewerkschaft Kommunal geht hervor, dass 65 Prozent der befragten Arbeitsschutzbeauftragten in den vorangegangenen zwölf Monaten Drohungen oder Gewalt am Arbeitsplatz erlebten.
Lediglich 35 Prozent bewerteten die Personalbesetzung im Alltag als ausreichend. Gefordert wurden klare Routinen, fundierte Risikobewertungen sowie Unterstützung für betroffene Beschäftigte.
Forderungen nach Sicherheitspersonal und Schulungen
Dass Aggressionen auch in Kliniken eine permanente Herausforderung darstellen, zeigen jüngste Proteste und Berichte aus dem Ausland. Vor dem Centre hospitalier de l'Université Laval (CHUL) in der kanadischen Stadt Quebec protestierten Gewerkschaften laut einem Bericht von CBC vom 23. Oktober 2026 für eine verbesserte Sicherheit in der psychiatrischen Notaufnahme.
Dort war vor zwei Wochen ein Krankenhauspförtner von einem Patienten geschlagen worden; bereits am 17. August 2026 war ein Mitarbeiter verletzt worden und leidet weiterhin unter den physischen und psychischen Folgen.
Die Krankenhausleitung und die Behörde Santé Québec verwiesen auf Kameras, Notfallknöpfe und eine laufende gemeinsame Risikoanalyse.
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Im belgischen Antwerpen dokumentierte ein Sicherheitsmitarbeiter des Krankenhausnetzwerks Ziekenhuis aan de Stroom (ZAS) laut einem Bericht der Plattform HLN vom 24. Oktober 2026 die Zunahme von Zwischenfällen: Für das Jahr 2025 registrierte das ZAS intern 757 physische Vorfälle, 406 verbale Aggressionen sowie 1.515 Stand-by-Einsätze.
In der ersten Hälfte des Jahres 2026 bis Mitte Juli wurden bereits 624 physische Vorfälle und 423 verbale Aggressionen gezählt, womit der Vorjahreswert bei verbalen Attacken bereits nach gut sechs Monaten übertroffen war.
Fachverbände und Behörden reagieren vielerorts mit Fortbildungen. Im spanischen Logroño schulten die Policía Nacional und der Gesundheitsdienst Seris rund 50 Beschäftigte im Hospital San Pedro zu verbaler Deeskalation, nachdem die spanische Polizei im Vorjahr einen Anstieg von 26,35 Prozent bei Anzeigen wegen Angriffen auf Gesundheitspersonal verzeichnet hatte.
Derartige Initiativen verdeutlichen die anhaltende Notwendigkeit präventiver Strategien, um Beschäftigte und Schutzbefohlene im Pflege- und Gesundheitsbereich wirksam vor Übergriffen zu bewahren.
