Gewerbeimmobilien, Refinanzierung

Gewerbeimmobilien: Ein Viertel der Kredite wird bald fÀllig

Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 18:32 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Rund ein Viertel der Finanzierungen deutscher Immobilienfinanzierer wird in den kommenden zwei Jahren fĂ€llig. Steigende Zinsen, gesunkene Bewertungen und wachsende Problemkredite erhöhen den Druck auf EigentĂŒmer und Banken.

EY: Refinanzierungswelle droht Immobilienkrise zu verschÀrfen
Bauarbeiter auf einer Baustelle (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Auf dem deutschen Gewerbeimmobilienmarkt droht nach EinschĂ€tzung von EY-Parthenon eine weitere VerschĂ€rfung der Krise. Rund ein Viertel der milliardenschweren Finanzierungen in den BĂŒchern deutscher Immobilienfinanzierer wird innerhalb der kommenden zwei Jahre fĂ€llig.

Viele Finanzierungen mĂŒssen neu geordnet werden

„Die anstehende Refinanzierungswelle wird zu einer deutlichen Marktbereinigung fĂŒhren“, sagte EY-Partnerin Kristin Kriemann dem „Handelsblatt“. Viele EigentĂŒmer mĂŒssten zusĂ€tzliches Eigenkapital nachschießen oder ihre Finanzierungen grundlegend neu aufstellen.

Die EinschÀtzung basiert auf einer Bankenbefragung von EY-Parthenon unter 90 Immobilienfinanzierern und 70 auf Restrukturierungen spezialisierten Kanzleien. Zahlreiche Kredite wurden zu einer Zeit abgeschlossen, als Immobilien höher bewertet wurden und die Finanzierungskosten deutlich niedriger waren.

Problemkredite nehmen zu

Nach Daten der EuropÀischen Bankenaufsicht waren im ersten Quartal 2026 bereits 6,8 Prozent der gewerblichen Immobilienkredite notleidend. Mehr als 40 Prozent der befragten Institute berichteten zudem, dass sie in einzelnen FÀllen keine tragfÀhige Finanzierungslösung mehr gefunden hÀtten.

„Die Krise der gewerblichen Immobilienfirmen wird damit zur Dauerkrise“, sagte EY-Partner Korbinian Gennies. Eine deutliche Erholung des Gewerbeimmobilienmarktes erwarten viele Marktteilnehmer den Umfrageergebnissen zufolge inzwischen erst Anfang des kommenden Jahrzehnts.

Die anstehende Refinanzierungswelle trifft den deutschen Gewerbeimmobilienmarkt an einem empfindlichen Punkt. In der Niedrigzinsphase wurden zahlreiche BĂŒro-, Handels- und Logistikobjekte mit gĂŒnstigen Krediten finanziert und auf Basis höherer Immobilienwerte bewertet. Seit dem Zinsanstieg haben sich sowohl die Finanzierungskosten als auch die Marktwerte vieler Objekte verĂ€ndert.

Refinanzierung erhöht den Anpassungsdruck

FĂ€llig werdende Darlehen mĂŒssen deshalb hĂ€ufig zu höheren Zinsen verlĂ€ngert oder durch zusĂ€tzliches Eigenkapital abgesichert werden. EigentĂŒmer mit stabilen Mieteinnahmen und gut gelegenen Objekten können diese Belastung eher auffangen. Bei schwĂ€cher ausgelasteten BĂŒroflĂ€chen, Ă€lteren GebĂ€uden oder Projektentwicklungen mit hohen Bau- und Leerstandskosten steigt dagegen der Druck zu VerkĂ€ufen, Umschuldungen oder Restrukturierungen.

FĂŒr Banken bedeutet das, Sicherheiten neu zu bewerten und zwischen vorĂŒbergehenden LiquiditĂ€tsproblemen und dauerhaft nicht tragfĂ€higen GeschĂ€ftsmodellen zu unterscheiden. Eine Marktbereinigung kann Preise und EigentĂŒmerstrukturen verĂ€ndern, muss aber nicht automatisch eine neue systemische Bankenkrise auslösen. Entscheidend ist, wie viele Kredite gleichzeitig ausfallen und welche Verlustquoten bei den Sicherheiten entstehen.

Folgen fĂŒr Unternehmen und Standorte

Die Entwicklung betrifft auch Mieter und Kommunen. EigentĂŒmer unter Finanzierungsdruck könnten Investitionen verschieben, Mieten anheben oder Objekte verkaufen. Bei Insolvenzen drohen LeerstĂ€nde und Verzögerungen bei Bauprojekten. Dass eine breite Erholung erst Anfang des kommenden Jahrzehnts erwartet wird, unterstreicht den langfristigen Charakter der Belastung fĂŒr den Markt.

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