GKV-Defizit: 18 Milliarden Euro Lücke und höhere Zuzahlungen ab 2027
23.06.2026 - 03:22:00 | boerse-global.de
Die gesetzliche Krankenversicherung steuert auf ein Milliardendefizit zu. Gleichzeitig zeigt eine Studie: Fast jeder zweite Arbeitnehmer möchte vorzeitig in den Ruhestand. Der DAK-Gesundheitsreport offenbart ein doppeltes Problem.
Eine Untersuchung des IGES Instituts im Auftrag der DAK-Gesundheit belegt den Trend: 44 Prozent aller Befragten streben eine vorzeitige Rente an. Bei den über 50-Jährigen sind es sogar 52 Prozent. Besonders betroffen sind Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen – hier wollen 60 Prozent früher aus dem Berufsleben ausscheiden.
Ältere Arbeitnehmer: Seltener krank, aber länger ausfallen
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Die Zahlen korrelieren mit der steigenden Krankheitslast im Alter. Der Krankenstand bei 50-jährigen Beschäftigten liegt bei 5,8 Prozent. Bei den 66-Jährigen steigt er auf 11 Prozent. Zwar melden sich Ältere seltener krank, fallen dann aber deutlich länger aus. Die durchschnittlichen Fehltage springen von 17,4 Tagen bei Jüngeren auf 26,9 Tage bei der älteren Kohorte.
DAK-Chef Andreas Storm fordert deshalb ein effektiveres betriebliches Gesundheitsmanagement. Nur so lasse sich die Arbeitsfähigkeit langfristig erhalten.
18 Milliarden Euro fehlen in der GKV
Parallel zur personellen Schieflage in den Unternehmen verschärft sich die Finanzkrise der gesetzlichen Krankenkassen. Der GKV-Spitzenverband wies am 21. Juni auf eine Lücke von 18 Milliarden Euro hin. Für 2027 prognostizieren die Kassen ein zusätzliches Defizit von 2,5 Milliarden Euro.
Oliver Blatt vom GKV-Spitzenverband kritisierte die geplanten Kürzungen des Bundeszuschusses um jährlich zwei Milliarden Euro. Er fordert stattdessen einen stärkeren Beitrag der Pharmaindustrie zur Stabilisierung der Finanzen.
Sparpaket: Höhere Zuzahlungen ab 2027
Die Bundesregierung plant tiefgreifende Einschnitte. Das bereits im April 2026 im Kabinett behandelte GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz sieht ab Januar 2027 deutliche Erhöhungen der Zuzahlungen vor. Bei Medikamenten sollen die Kosten auf 7,50 bis 15 Euro steigen. Beim Zahnersatz sinkt der Kassenanteil ohne Bonusheft auf 50 Prozent, mit Bonusheft auf 65 Prozent.
Das Paket soll 2027 ein Entlastungsvolumen von 16,3 Milliarden Euro generieren. Der Bundestag entscheidet voraussichtlich am 10. Juli.
TK-Chef warnt vor Abwanderungswelle
Zusätzliche Kritik kommt von der Techniker Krankenkasse. Vorstandschef Jens Baas warnte am 22. Juni vor einer geplanten Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze auf 6.750 Euro pro Monat. Dies könnte zu massiven Abwanderungen in die private Krankenversicherung führen.
Die Folge: Der GKV würden allein 2027 rund drei Milliarden Euro entzogen.
Betriebliche Krankenversicherung boomen
Der Druck auf das staatliche System macht private Zusatzleistungen im Job attraktiver. Die betriebliche Krankenversicherung (bKV) wuchs innerhalb von zwei Jahren um 40 Prozent. Mehr als 56.500 Unternehmen bieten solche Leistungen bereits an.
Besonders junge Fachkräfte unter 30 Jahren erwarten entsprechende Angebote: Rund 70 Prozent dieser Altersgruppe legen Wert auf eine bKV.
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Auch der öffentliche Sektor setzt auf betriebliche Vorsorge. Die AWO Oberlausitz oder das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf führen BGM und bKV explizit als Benefits in Stellenausschreibungen. Ziel: dem Fachkräftemangel entgegenwirken.
Ergänzend laufen Qualifizierungsmaßnahmen. Die Industrie- und Handelskammern in Sachsen-Anhalt planen für Ende Juni einen Workshop zur psychischen Gesundheit in der Ausbildung.
