GKV-Reform: Rentner zahlen bis zu 65 Euro mehr monatlich
Veröffentlicht am: 19.07.2026 um 10:10 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Juli das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz verabschiedet. Das Reformwerk soll eine drohende Finanzlücke von 18,8 Milliarden Euro schließen. Versicherte müssen ab 2027 tiefer in die Tasche greifen.
Höhere Zuzahlungen und weniger Leistungen
Zum 1. Januar 2027 steigen die Zuzahlungen für Medikamente. Auch bei Zahnersatz beteiligen sich die Kassen künftig weniger. Homöopathie wird nicht mehr beitragsfrei erstattet. Der durchschnittliche Zusatzbeitrag soll bei 2,9 Prozent stabilisiert werden – aktuell liegt er bereits bei 3,1 Prozent.
Besonders Rentner sind betroffen. Schätzungen zufolge kommen monatliche Mehrbelastungen zwischen 27 und 65 Euro auf sie zu. Wer eine Teilrente bezieht, die mehr als zwei Drittel der Vollrente ausmacht, verliert den Krankengeldanspruch. Die Beitragsbemessungsgrenze steigt einmalig um rund 300 Euro auf etwa 76.000 Euro Bruttojahreseinkommen.
Familienversicherung wird eingeschränkt
Ab 2028 droht Ehepartnern ohne eigenen Versicherungsschutz ein Beitragszuschlag von 2,5 Prozentpunkten. Ausgenommen sind unter anderem Eltern mit Kindern unter 12 Jahren oder pflegende Angehörige. Der GKV-Spitzenverband hält stabile Beiträge für die nächsten zwei Jahre zwar für möglich, warnt aber: „Das System besitzt keinerlei finanziellen Spielraum mehr.“
Für 2028 zeichnet sich bereits eine neue Finanzlücke von 25 Milliarden Euro ab. Ab 2029 sollen zwar Entlastungen von über 30 Milliarden Euro greifen – die Defizite dürften sie laut Prognosen aber nicht mehr decken.
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Keine Briefe mehr bei Beitragserhöhungen
Die Koalition strich die Pflicht für Krankenkassen, Mitglieder individuell über Beitragserhöhungen zu informieren. Große Anbieter wie die Techniker Krankenkasse oder die BKK Firmus wollen das freiwillig weiter tun. Die SPD hat bereits Nachbesserungsbedarf angemeldet.
Die IKK Classic zieht bereits Konsequenzen: Zum 1. August steigt ihr Zusatzbeitrag um 0,45 Prozentpunkte auf 3,85 Prozent. Für die rund 2,3 Millionen Versicherten bedeutet das eine monatliche Mehrbelastung von bis zu 26,16 Euro. Betroffene haben ein Sonderkündigungsrecht bis zum Monatsende, in dem der erhöhte Beitrag erstmals fällig wird.
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Zuckersteuer soll helfen
Gesundheitsministerin Warken (CDU) räumt ein, dass das Paket nicht alle Probleme löst. 500 Millionen Euro für die Krankenhausfinanzierung sind noch nicht gegenfinanziert. Ab 2027 plant das Ministerium eine Zuckersteuer auf gesüßte Getränke – sie soll schätzungsweise 650 Millionen Euro einbringen.
Die Ministerin verteidigt zudem die Beibehaltung der Krankschreibung ab dem ersten Tag. Telefonische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen sind Geschichte, Video-Atteste bleiben erlaubt. Online-Fragebögen ohne Arztkontakt werden unterbunden. TK-Chef Baas sieht bereits die Stabilisierung der Beiträge als Erfolg. Laut Umfragen rechnen 75 Prozent der Bevölkerung trotz Sparpaket mit langfristig steigenden Beiträgen.
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