Greenwashing-Verbot: EU schärft Regeln ab 27. September
Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 19:21 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Schwarz Gruppe hat ihre Treibhausgasemissionen im Vergleich zu 2019 um 44,1 Prozent gesenkt. Das teilte der Konzern, zu dem Lidl und Kaufland gehören, jetzt mit. Betroffen sind die direkten Emissionen aus eigenen Quellen (Scope 1) und die indirekten Emissionen aus eingekaufter Energie (Scope 2).
Parallel dazu baute das Unternehmen seine Eigenstromversorgung massiv aus. Die Solarstromerzeugung stieg um 28 Prozent auf 473.000 Megawattstunden. Bis 2050 will der Konzern Netto-Null-Emissionen erreichen.
Neuer Campus für 5.500 Mitarbeiter
Flankiert wird die Ökostrategie durch Investitionen in die Infrastruktur. Die IT-Sparte Schwarz Digits eröffnete am Mittwoch einen neuen Campus in Bad Friedrichshall. Die Anlage bietet rund 3.500 Büroarbeitsplätze für bis zu 5.500 Beschäftigte. Spartenchef Christian Müller unterstrich bei der Eröffnung die langfristige Ausrichtung des Standorts.
Doch die Fortschritte einzelner Konzerne täuschen nicht über die Probleme der Gesamtwirtschaft hinweg.
80 Prozent der Firmen ohne Risikomanagement
Aktuelle Daten von EcoVadis zeigen erhebliche Defizite in der Breite der Wirtschaft. Demnach verfügen 80 Prozent der Unternehmen über keinen dokumentierten Prozess zur Identifizierung von Nachhaltigkeitsrisiken in ihren Lieferketten. Besonders kritisch: 73 Prozent der Firmen berichten nicht über ihre Scope-3-Emissionen – also jene in der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette. Zudem haben 78 Prozent keine wissenschaftsbasierten Klimaziele definiert.
Positive Ausnahmen gibt es dennoch. Der Automobilzulieferer Continental zählt mit 84 von 100 Punkten im EcoVadis-Rating zu den besten fünf Prozent weltweit. Das Unternehmen Envu meldet eine Reduktion der Scope-1-und-Scope-2-Emissionen um 18 Prozent.
Während Vorreiter ihre Scope-3-Emissionen bereits senken, stehen viele Händler vor neuen regulatorischen Hürden beim Import von Rohstoffen. Dieser kostenlose Leitfaden zeigt Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie die neue EU-Entwaldungsverordnung rechtssicher umsetzen und Ihre Sorgfaltspflichten ohne großen Aufwand erfüllen. EU-Entwaldungsverordnung: So erfüllen Sie Ihre Sorgfaltspflichten ohne Aufwand
Strengere Regeln gegen Greenwashing
Der Druck auf die Unternehmen kommt aber auch vom Gesetzgeber. Ab dem 27. September 2026 gelten in der EU strengere Vorschriften gegen Greenwashing. Nachhaltigkeitsversprechen müssen dann sachlich fundiert und belegbar sein.
Parallel setzt die Politik neue Anreize für die Dekarbonisierung der Industrie. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche kündigte an, Verfahren zur CO2-Abscheidung und -Speicherung (CCS) verstärkt in Klimaschutzverträgen zu fördern. Unternehmen können entsprechende Projekte bis zum 1. Dezember 2025 einreichen. Die eigentliche Ausschreibungsrunde ist für Mitte 2026 vorgesehen. Das Budget liegt bei rund sechs Milliarden Euro, die Vertragslaufzeit beträgt 15 Jahre.
Bio-LNG für den Schwerlastverkehr
Im Logistiksektor gewinnen alternative Kraftstoffe an Bedeutung. Uniper und Q1 Energie haben eine Vereinbarung über die Lieferung von Bio-LNG für den Schwerlastverkehr getroffen. Das Biomethan wird in Rotterdam verflüssigt und über zertifizierte Lieferketten nach Deutschland transportiert. Ziel ist es, die Scope-3-Emissionen im Transportwesen zu senken.
Die Klimaziele im Transportwesen erfordern eine genaue Kontrolle der Lieferketten, um künftige Sanktionen und hohe Kosten zu vermeiden. Erfahren Sie in diesem Gratis-Report von Experten, wie Sie Risiken in Ihren Handelswegen schnell erkennen und die neuen EU-Vorgaben proaktiv umsetzen. Experten-Checkliste zur EU-Entwaldungsverordnung jetzt kostenlos herunterladen
Kohleausstieg und Dürre als Dauerbrenner
Die politische Debatte um den Energietransformationspfad bleibt indes intensiv. In Nordrhein-Westfalen steht die Entscheidung über einen möglichen Kohleausstieg bis 2030 bevor. Der Bund muss bis Mitte August 2026 eine Machbarkeitsbewertung vorlegen.
Zudem belasten klimatische Veränderungen zunehmend die Rohstoffbasis. Laut einer Studie der Organisation World Weather Attribution (WWA) nimmt die Bodendürre in Europa infolge des Klimawandels zu. Die Folge: historisch niedrige Ernten, etwa beim Mais in Frankreich. Auch der Forst- und Holzsektor steht unter Druck. Ein aktueller Bericht der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe zeigt: Deutsche Waldflächen fungierten 2024 rechnerisch als CO2-Quelle. Der Bedarf an resilienten Bewirtschaftungsstrategien war selten größer.
Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.
