Großrazzia, Paketbranche

Großrazzia in der Paketbranche: 2900 Zollfahnder decken massive Verstöße auf

08.05.2026 - 16:25:09 | boerse-global.de

Massive Zollkontrollen in der Paketbranche decken hunderte Verstöße gegen Arbeits- und Aufenthaltsrecht auf.

Großrazzia in der Paketbranche: 2900 Zollfahnder decken massive Verstöße auf - Foto: über boerse-global.de
Großrazzia in der Paketbranche: 2900 Zollfahnder decken massive Verstöße auf - Foto: über boerse-global.de

Die deutsche Zollverwaltung hat mit einer beispiellosen Aktion die Paket- und Logistikbranche ins Visier genommen. Rund 2900 Beamte durchsuchten am Mittwoch bundesweit Depots und Lieferwagen – mit erschreckendem Ergebnis.

Die „Schwerpunktprüfung“ im Kurier-, Express- und Paketsektor (KEP) förderte ein Ausmaß an Rechtsverstößen zutage, das selbst erfahrene Ermittler überraschte. 50 Strafverfahren und 330 Ordnungswidrigkeitenverfahren wurden eingeleitet. Die Beamten überprüften rund 7000 Beschäftigte und werteten 500 Geschäftsunterlagen aus.

Besonders brisant: 32 Personen hatten keine gültige Aufenthaltserlaubnis. In 140 Fällen fehlten Mitführpflichten für Ausweisdokumente. 90 Mal versäumten Arbeitgeber die sofortige Sozialversicherungsmeldung. Bei 530 Kontrollen ging es um den Mindestlohn von aktuell 13,90 Euro pro Stunde – 425 Verdachtsfälle auf Vorenthalten von Sozialabgaben kamen hinzu.

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Regionale Schwerpunkte mit hoher Trefferquote

Die Ergebnisse variierten regional, waren aber durchweg alarmierend. In Dresden stellten 100 Beamte bei 52 Unternehmen und 400 Beschäftigten 60 Verdachtspunkte fest – darunter 30 Meldeverstöße und 14 Verstöße gegen das Aufenthaltsrecht.

In Erfurt prüfte die gleiche Anzahl an Fahndern zehn Depots mit 313 Mitarbeitern. 60 Unregelmäßigkeiten wurden registriert, 36 davon betrafen direkt den Mindestlohn.

Das Hauptzollamt Gießen meldete am Donnerstag 24 Verdachtsfälle bei 81 kontrollierten Betrieben und 300 Fahrern in Mittel- und Nordhessen. Die Spannbreite reichte vom Sozialbetrug bis zur illegalen Beschäftigung.

Schockierende Mängel auf der Autobahn

Einen Tag später, am Donnerstag, verlagerte sich der Fokus auf die Verkehrssicherheit. Am Rastplatz Seligweiler auf der A8 bei Ulm kontrollierten rund 50 Beamte 31 Reisebusse. Die Beanstandungsquote: rund 50 Prozent. Die Ermittler kassierten 18.000 Euro Sicherheitsleistungen.

Ein polnischer Bus wurde wegen eines Risses im tragenden Rahmen für verkehrsuntüchtig erklärt. Ein britischer Lkw hatte gebrochene Bremsscheiben.

Die spektakulärsten Funde: Ein ukrainischer Kleinbus war zu 90 Prozent überladen – mit 1000 Bierflaschen und 4000 Zigaretten als unerlaubter Fracht. Ergebnis: Strafverfahren und 1400 Euro Bußgeld. Ein moldauischer Bus transportierte 135 Liter Diesel in unsicherer, nicht zugelassener Weise.

Gefährliche Schrottladungen auf deutschen Straßen

Bereits zu Wochenbeginn waren andere Transitpunkte betroffen. Bei einer „Truck and Bus“-Kontrolle in Kalkar-Kehrum am Dienstag gab es bei 31 Fahrzeugen 22 Beanstandungen. Zehn Fahrzeuge wurden stillgelegt – darunter ein Kleinlaster mit einer Tonne ungesicherter Betonplatten und ein türkischer Sattelauflieger mit defekten Luftfederbälgen.

Am Montag am Rastplatz Malsfeld auf der A7 zogen die Beamten drei Fahrzeuge aus dem Verkehr. Ein Anhänger hatte eine um 100 Prozent überlastete Achse – die Deichsel schleifte fast auf dem Boden.

Das Subunternehmer-Problem: Fluch der Branche

Ein roter Faden durch alle Kontrollen: die undurchsichtigen Subunternehmerketten. Finanzminister Klingbeil betonte, die Maßnahmen dienten dem Schutz der Arbeitnehmer vor Ausbeutung. Die Fahnder zielten gezielt auf Nachunternehmer ab, um zu prüfen, ob Hauptauftragnehmer Arbeitsgesetze umgehen.

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Die Branche reagiert gespalten. Amazon, Hermes und GLS betonen ihre Kooperation mit den Behörden. DHL gibt an, weniger als zwei Prozent seines Paketvolumens über Subunternehmer abzuwickeln – ein Wert, der deutlich unter dem mancher Wettbewerber liegt.

Die Gewerkschaft Verdi nutzt die Enthüllungen für eine alte Forderung: ein komplettes Verbot von Subunternehmern im Paketsektor. Nur so ließen sich systemische Verstöße verhindern.

Manipulation und Sozialbetrug auf der A3 und A45

Die Kontrollen förderten auch Verstöße gegen Sozialvorschriften zutage. Auf der A3 bei Weiskirchen stellte die Polizei am Montag acht Verstöße gegen Lenk- und Ruhezeiten fest – und einen Fahrer, der mit einer zweiten Fahrerkarte die Aufzeichnungen manipulierte.

Auf der A45 bei Neuberg wurden am Dienstag bei 23 kontrollierten Lkw sechs Verstöße gegen Sozialvorschriften und zwei Fälle illegaler Kabotage dokumentiert.

Neue Regeln für kritische Infrastruktur

Doch nicht nur auf der Straße tut sich etwas. Ab heute, dem 8. Mai 2026, müssen Unternehmen mit verstärkten Kontrollen rechnen. Experten gehen davon aus, dass mindestens fünf Prozent aller deutschen Firmen in diesem Jahr von der Gewerbeaufsicht geprüft werden – teils unangekündigt. Im Fokus: Arbeitsschutz, Schutzausrüstung und Organisationsdokumentation.

Das KRITIS-Dachgesetz, das die EU-CER-Richtlinie umsetzt, wurde bereits am 29. Januar vom Bundestag verabschiedet. Betreiber von Energie-, Wasser- und Telekommunikationsnetzen, die mindestens 500.000 Einwohner versorgen, müssen sich beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) registrieren und alle vier Jahre Risikoanalysen durchführen.

Die Dringlichkeit dieser Maßnahmen unterstreicht ein Brandanschlag auf das Berliner Stromnetz am 3. Januar 2026, bei dem 45.000 Haushalte betroffen waren.

Cybersicherheit: Viele Unternehmen säumig

Auch die Umsetzung der NIS-2-Richtlinie zur Cybersicherheit wird zum Prüfstein. Im Bergischen Land in Nordrhein-Westfalen sind allein 250 bis 300 Unternehmen meldepflichtig. Bundesweit haben jedoch erst rund 17.000 der 30.000 betroffenen Firmen die erforderliche Registrierung abgeschlossen – eine erschreckend niedrige Quote.

Ausblick: Der Druck bleibt hoch

Die jüngste Kontrollwelle ist kein einmaliges Ereignis. Eine Studie des Instituts für angewandte Arbeitswissenschaft (ifaa) vom April 2026 zeigt, dass 71 Prozent der Unternehmen psychische Gesundheit mittlerweile als kritisches Thema sehen – 91 Prozent führen Gefährdungsbeurteilungen durch. Doch gerade kleine und mittlere Unternehmen melden weiterhin hohen Unterstützungsbedarf.

Die Digitalisierung des Risikomanagements wird in den kommenden Monaten im Fokus bleiben. In der Logistikbranche setzen sich digitale Tools wie die „wosatec“-App für Geräteprüfungen durch – ein trend, der sich im neuen Krause-Werk-Hauptkatalog vom 7. Mai 2026 widerspiegelt.

Für Unternehmen im gewerblichen Güterverkehr gilt: Subunternehmerverträge und Wartungspläne sollten dringend auf den Prüfstand. Die „Schwerpunktprüfungen“ werden nicht weniger werden – und die Bußgelder sind empfindlich.

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