Grundsteuer-Chaos, EinsprĂĽche

Grundsteuer-Chaos: 153.800 Einsprüche ungeklärt in Mecklenburg-Vorpommern

02.06.2026 - 11:09:18 | boerse-global.de

In Mecklenburg-Vorpommern sind über 150.000 Widersprüche gegen die neue Grundsteuer noch offen. Auch Sachsen-Anhalt verzeichnet Steuerausfälle.

Grundsteuer-Chaos: 153.800 Einsprüche ungeklärt in Mecklenburg-Vorpommern - Bild: über boerse-global.de
Grundsteuer-Chaos: 153.800 Einsprüche ungeklärt in Mecklenburg-Vorpommern - Bild: über boerse-global.de

Mehr als 150.000 Einsprüche gegen die neue Grundsteuer sind im Nordosten noch ungeklärt. Die Reform sorgt weiter für Chaos.

Seit Einführung der reformierten Grundsteuer im Januar 2025 haben die Finanzämter in Mecklenburg-Vorpommern rund 197.900 Einsprüche registriert. Wie das Finanzministerium am heutigen Dienstag mitteilte, sind davon noch 153.800 Verfahren nicht abgeschlossen. Besonders brisant: Über 85.400 dieser Fälle wurden vorläufig ausgesetzt – sie hängen direkt von Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts ab.

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Steuerausfälle in Sachsen-Anhalt

Während Mecklenburg-Vorpommern mit der Flut an Widersprüchen kämpft, zeigt sich in Sachsen-Anhalt ein anderer Effekt der Reform. Der Städte- und Gemeindebund des Landes meldete am vergangenen Sonntag deutliche Einnahmeverluste für die Kommunen. Die Grundsteuer A (land- und forstwirtschaftliche Flächen) brachte 1,7 Millionen Euro weniger ein. Noch stärker fiel der Rückgang bei der Grundsteuer B (Wohn- und Gewerbeimmobilien) aus: Hier fehlen den Kassen 13,6 Millionen Euro im Vergleich zu 2024.

Das Ziel der Aufkommensneutralität wurde damit klar verfehlt – allerdings zu Gunsten der Steuerzahler. Immobilienbesitzer im Land werden im Schnitt entlastet.

Immobilienbesitzer unter Druck

Doch die Grundsteuer ist längst nicht die einzige finanzielle Belastung für Eigentümer. Eine Analyse vom Montag zeigt mehrere Risikofaktoren auf: Es gibt keine gesetzliche Obergrenze für Hebesätze, und die Sanierungsauflagen verschärfen sich drastisch.

Seit diesem Jahr gilt: Neue Heizungen müssen 65 Prozent erneuerbare Energie nutzen – das schreibt das Gebäudeenergiegesetz (GEG) vor. Hinzu kommen langfristige Vorgaben der EU-Gebäuderichtlinie (EPBD), die bis 2050 schrittweise strengere Effizienzstandards durchsetzt. Marktbeobachter ziehen Vergleiche zur Hypothekengewinnabgabe von 1952 – ein historisches Beispiel für staatliche Eingriffe in privates Immobilienvermögen.

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Ost-Ministerpräsidenten fordern Entlastung

Die wachsende Belastung der BĂĽrger hat auch politische Folgen. Beim Ostdeutschen Wirtschaftsforum am Sonntag forderten die Regierungschefs von Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg ein umfassendes Entlastungspaket. Ihre Forderungen: Reformen bei der Einkommensteuer und niedrigere Energiekosten.

Infrastruktur und Altlasten

Neben der Steuerreform beschäftigen den Nordosten weitere Großprojekte. Der Bau der Wolgaster Umgehungsstraße mit einer neuen Brücke nach Usedom läuft – allerdings steigen die Kosten. Statt der ursprünglichen Planung werden nun über 500 Millionen Euro fällig. Die Fertigstellung ist für Ende 2029 vorgesehen.

Und auch die Vergangenheit holt die Region ein: Seit September 2025 hat ein mobiler Kampfmittelräumdienst in Lärz über 70 Tonnen alte Munition entsorgt. Insgesamt gelten rund 26.000 Hektar Wald in Mecklenburg-Vorpommern als munitionsbelastet. In den nächsten zehn Jahren sollen weitere 2.700 Tonnen beseitigt werden.

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