Hacker greifen E-Mail-Konten der AfD an
Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 15:05 Uhr | dpa, AD HOC NEWS(Neu: mehr Details)
BERLIN (dpa-AFX) - Bei einem Hackerangriff auf die AfD sind nach Angaben der Partei vermutlich Daten aus ihren E-Mail-Konten erbeutet worden. "Im September 2026 kam es zu einem Hackerangriff auf einen Hosting-Dienstleister unserer Partei, bei dem offenbar Teile einiger weniger Mail-PostfÀcher - von denen die meisten seit Jahren nicht mehr genutzt waren - widerrechtlich kopiert wurden", teilte die AfD auf Anfrage mit. Aktuelle E-Mail-PostfÀcher des AfD-Bundesverbands seien nicht betroffen gewesen. Zuvor hatte die "Bild" berichtet.
Unbekannte veröffentlichten im Internet nach eigenen Angaben Daten, bei denen es sich um rund 421.000 AfD-E-Mails handeln soll. Ob diese authentisch sind oder nicht, ist unklar. Sie behaupten, dass es sich um Daten aus zehn PostfĂ€chern handele, darunter ein Account auf den Namen des frĂŒheren AfD-Parteichefs Alexander Gauland sowie ein Konto, das von der AfD frĂŒher als Kontakt fĂŒr die BundesgeschĂ€ftsstelle genannt wurde.
Im Internet kursiert der Link zu einer Webseite, auf der eine Ăbersicht der angeblichen AfD-Mails dargestellt ist. Die anonyme Seite wurde nach dpa-Recherchen erst Mitte Oktober registriert. Sie gibt keine Auskunft ĂŒber die Herkunft der Daten und veröffentlicht keine Mailinhalte. Diese liegen angeblich auf einem weiteren Download-Server. Die Echtheit der Mail-Informationen lieĂ sich zunĂ€chst nicht unabhĂ€ngig verifizieren.
Cyberangriff wurde laut AfD rasch beendet
Die AfD erklĂ€rte weiter, der Angriff sei rasch erkannt und beendet worden. Alle Nutzer seien entsprechend informiert worden. "Die jetzt erfolgte Onlineveröffentlichung vermutlich eines Teils dieser Daten wird geprĂŒft", hieĂ es. Eine erste EinschĂ€tzung dazu könne erst nach Abschluss dieser PrĂŒfung gegeben werden.
Aus Parteikreisen hieà es weiter, die im Internet veröffentlichten Inhalte seien anscheinend authentisch. Allerdings sei in den offenbar mittels KI erstellten Zusammenfassungen einiges durcheinandergebracht worden. Dadurch seien teils falsche ZusammenhÀnge hergestellt worden.
Betroffen von dem Hackerangriff sei offenbar das zur AfD gehörende Unternehmen Alternita. Unter anderem hÀtten die Hacker Zugriff auf Mails der LandesverbÀnde Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern gehabt. Es gehe dem Anschein nach um PostfÀcher, die schon Àlter seien, wenn auch die Mails an sich mitunter relativ aktuell seien.
Den Angaben zufolge funktionierten vor einigen Wochen bestimmte AfD-MailpostfÀcher nicht. Die BundesgeschÀftsstelle habe damals erklÀrt, es gebe einen Angriff, die PostfÀcher seien daher abgeschaltet worden.
Cyber-Kriminelle greifen immer wieder Parteien an
Cyberangriffe auf Parteien und staatliche Stellen sind nichts Neues. Gerade erst brachen Hacker in das E-Mail-Konto der Heilbronner CDU ein und verschickten von dort Tausende Phishing-Nachrichten an Ministerien, andere politische Kontakte und auch an Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz. Die Nachricht - die auch an die Redaktion der dpa gesendet wurde - enthielt einen Einladungslink zu einer Veranstaltung mit prominenten GĂ€sten.
Die Bundes-CDU wurde im Mai 2024 Ziel einer groĂen Cyberattacke. Vorsichtshalber wurde die IT-Infrastruktur damals teilweise vom Netz genommen. Die Ermittlungen ĂŒbernahm spĂ€ter der Generalbundesanwalt, da man von Spionage ausging. Bereits Ende 2022/Anfang 2023 waren E-Mail-Konten in der SPD-Parteizentrale Ziel eines Angriffs gewesen. Diesen ordneten die Sicherheitsbehörden spĂ€ter einer vom russischen MilitĂ€rgeheimdienst GRU gesteuerten Gruppierung zu.
Dieselbe Gruppierung soll auch fĂŒr den Cyberangriff 2015 auf den Deutschen Bundestag verantwortlich gewesen sein. Der Bundestag schaltete damals sein internes Datennetz zeitweise komplett ab und musste es spĂ€ter weitgehend neu aufbauen.
